Mannschaftsfoto der Hobbykünstler
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„Jeder, der gerne malt, ist willkommen“ – das ist es, was Rita Schwaiger (sitzend, im roten Kleid) so gut an den Freisinger Hobbykünstlern gefällt.

Vereinsjubiläum

Die Freisinger Hobbykünstler haben 50. Geburtstag, die geplante Feier muss warten

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Alles war schon geplant für das 50-Jährige der Freisinger Hobbykünstler. Wegen Corona wird das, was zum Jubiläum stattfinden soll, nun auf 2021 verschoben.

Freising – Rita Schwaiger hatte sich den 50. Geburtstag der Freisinger Hobbykünstler so schön ausgemalt. Eine Jubiläumsausstellung im Marstall sollte im Herbst das breite Schaffensspektrum der Vereinsmitglieder zeigen, und besondere Gäste hatte die Vereinsvorsitzende für die besonderen Feierlichkeiten auch eingeladen: die Freunde von der Malergruppe „Farbklecks“, die in Freisings Partnergemeinde Innichen zu Hause sind, hatten ihr Kommen zugesagt. „Die Stadt Freising hätte einen Empfang ausgerichtet und auch die Unterbringung unserer Südtiroler Gäste organisiert“, berichtet Rita Schwaiger. „Bis zuletzt haben wir gehofft, dass es trotz Corona funktioniert. Aber dann mussten wir leider doch alles absagen.“

Alles begann mit einer Annonce im Freisinger Tagblatt

Und so findet das Jubiläum erst mal nur in der Zeitung statt. Das passt ganz gut, schließlich begann die Geschichte der Hobbykünstler mit einer Zeitungsannonce im Freisinger Tagblatt. Käthe Rittel gab 1970 folgende Anzeige auf: „Eine Freisinger Hobbykünstlerin sucht Gleichgesinnte für eine Gruppenausstellung.“ Dem Ruf folgten 35 Kunstschaffende, die daraufhin erstmals zusammen im Asamfoyer ausstellten. „Der Bedarf war offenbar sehr hoch, sich zusammenzuschließen und auszutauschen“, berichtet Rita Schwaiger. „Und neben der Stadt Freising hat uns immer auch die Heimatzeitung bei unserem Wirken unterstützt – nicht nur mit Berichterstattung, sondern auch durch Geldspenden.“ Zitat des damaligen FT-Redaktionsleiters Friedhold Metz: „Eine Heimatzeitung hat auch die Aufgabe, die Bürgerschaft auf kultureller Ebene zu fördern.“

Blick zurück: Rita Schwaiger berichtet FT-Redakteur Manuel Eser, wie sich die Hobbykünstler vor 50 Jahren über die Heimatzeitung gegründet haben.

Die Gruppe blieb zusammen und wuchs. Doch erst 17 Jahre nach dem ersten Treffen und unzählige Ausstellungen später wurde aus der losen Gemeinschaft ein eingetragener Verein: „Interessengemeinschaft Freisinger Hobbykünstler“ nannte man sich fortan. Vorsitzender wurde Ludwig Kainzbauer, der die Gruppe von Anfang an geführt hatte.

Verein entwickelt sich zum „Aushängeschild“

Die Begeisterung für den Verein ist ungebrochen. Die Mitgliederzahl blieb über all die Jahre konstant. Auch jetzt zählt der Verein rund 40 Mitglieder. Mit Lieselotte Döbler ist sogar noch eine Pionierin am Pinsel aktiv. „Sie ist 80 Jahre alt und malt immer noch wunderschön“, sagt Rita Schwaiger bewundernd über das Gründungsmitglied. Zugleich gehören aber auch einige Kinder den Hobbykünstlern an. Ein Nachwuchsproblem gibt es im Verein nicht.

An der Spitze des Vorstands hat in all den Jahren viel Kontinuität geherrscht. Nur drei Vorsitzende haben der 50-jährigen Chronik der Hobbykünstler ihre Signatur verliehen. Allein Ludwig Kainzbauer stand die ersten 24 Jahre an der Spitze. 1994 folgte ihm Laura Heinrich nach. Es folgten Ingrid Kapps und Rita Schwaiger, die seit 2016 Vorsitzende ist. „Ich wollte eigentlich kein Amt mehr übernehmen“, sagt sie im Gespräch mit dem FT. „Aber dann ist es mir irgendwie zugefallen.“

Bei den Hobbykünstler ist jeder Kreativer willkommen

Rita Schwaiger, die frühere Stadträtin und amtierende Seniorenbeiratsvorsitzende, ist 2008 zu den Hobbykünstlern gekommen. „Ich habe schon als Kind gerne gemalt“, erzählt sie. „Aber richtig intensiv wurde die Leidenschaft erst, nachdem ich in Ruhestand gegangen bin.“ Über den Besuch verschiedener Kurse kam sie schließlich zu den Hobbykünstlern. „Mir hat in dem Verein einfach sehr gut gefallen, dass hier wirklich jeder willkommen ist – egal, auf welchem Level er malt“, erklärt Rita Schwaiger. „Hier können sich auch Anfänger wohlfühlen.“

Was nicht heißt, dass hier minderwertige Bilder entstehen. Ganz im Gegenteil. Die Jahresausstellungen, die der Verein immer im Herbst durchführt, und bei denen die Mitglieder selbst bestimmen können, welches ihrer Werke sie zeigen, sorgen bei Besuchern immer wieder für große Begeisterung. Und nicht selten werden auch Bilder verkauft. Der Verein hat Kontakte mit Künstlervereinen aus den Partnergemeinden der Stadt geknüpft. Mehrere Rathäuser schmücken Werke, die in den Kunstwerkstätten der Hobbykünstler entstanden sind. Nicht umsonst wird der Verein auch gern als „Aushängeschild“ der Stadt Freising bezeichnet.

Zwei Städte in einem Bild: Rita Schwaiger hat Freising und Innichen künstlerisch nah zusammengebracht.

„Im Lauf der Jahre sind die Bilder immer moderner geworden“, berichtet Rita Schwaiger. „Die Mitglieder beschränken sich nicht mehr nur auf Blümchen und Landschaften. Da ist auch viel Abstraktes und Kubistisches dabei.“ Viele haben ihre jeweiligen Techniken bei professionellen Künstlern verfeinert oder im Austausch mit anderen Vereinsmitgliedern dazugelernt. Auch Skulpturen tragen zur Vielseitigkeit des hobbykünstlerischen Schaffens bei.

Die ehemalige Vorsitzende Laura Heinrich hat das einmal schön formuliert: „Auch der Hobbykünstler verspürt ab und zu den Hauch der Anwesenheit großer Kunst, sobald er zu Palette und Pinsel greift – gerade als ob die großen Meister ihm insgeheim zur Hand gingen.“

Dann gibt es das Fest halt zum 51. Ehrentag

„Diese Bandbreite und dieses Können hätten wir den Menschen gerne gezeigt“, sagt Rita Schwaiger über das geplante Jubiläumsfest. „Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Im Frühjahr soll eine Ausstellung im Alten Gefängnis stattfinden. Und so grau in grau, wie die Stimmung jetzt gerade ist, soll das Jubiläum der Hobbykünstler auch nicht in Erinnerung bleiben. „Wir werden das, was wir uns vorgenommen haben, auf jeden Fall im kommenden Jahr nachholen“, betont die Vorsitzende. „Dann feiern wir eben den 51. Geburtstag ganz groß.“

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