Frau mit Maske erhält Impfung
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Der Impfauftakt vor einigen Wochen verlief vielversprechend. Dann wurde das Vakzin knapp und die gut organisierte Impfaktion im Landkreis geriet unverschuldet ins Stocken. 

Albert Söhl im Interview

„Wir kommen in keinen Flow“: BRK-Kreischef ist frustriert über holprigen Impfstart

  • Manuel Eser
    vonManuel Eser
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Lieferengpässe beim Corona-Vakzin sorgen für einen frustrierenden Impfstart in Freising. BRK-Kreisgeschäftsführer Albert Söhl hat aber auch noch andere Sorgen.

  • Der Corona-Impfstoff trifft nur unregelmäßig im Landkreis Freising ein.
  • Darum kommt die Impfaktion im Landkreis Freising trotz vorhandener Infrastruktur kaum in Schwung.
  • Auch bei den Anmeldungen gibt es laut BRK-Kreisgeschäftsführer ein Problem: Viele werden mehrfach angemeldet.

Landkreis Freising – Deutschlandweit verzweifeln Senioren, die sich über Hotlines oder Online-Plattformen für ihre Corona-Impfung anmelden wollen. Der Landkreis Freising hat vorgesorgt, dass es diesen Ärger hier nicht gibt, wie BRK-Kreisgeschäftsführer Albert Söhl sagt. Der Schuh drückt woanders.

Herr Söhl, erleben Sie im Landkreis Freising auch eine Vielzahl an Senioren, die an der Anmeldung zur Impfung scheitern?

Bei uns läuft das zum Glück schon etwas anders. Wir haben Anmeldungen aus diesem Grund bewusst nicht über Hotlines oder ein EDV-System abgewickelt, weil wir wussten, dass Senioren damit Probleme haben. Wer fit genug ist, kann sich per E-Mail anmelden. Alle anderen schreiben wir an. Die Adressen haben wir über das Einwohnermeldeamt bekommen. Unser Schuh drückt woanders.

Wo denn?

Dass wir nicht ausreichend Impfstoff erhalten. Es ist frustrierend, dass unsere Infrastruktur steht, alle die Ärmel hochkrempeln – und dann kommt der Impfstoff nicht kontinuierlich. Wir kommen einfach in keinen Flow . . .

BRK-Kreischef Albert Söhl: „Wir kommen einfach in keinen Flow.“

. . . und müssen Senioren, die Sie bereits angeschrieben haben, vertrösten.

Wir laden die Personen, die sich angemeldet haben, sehr kurzfristig ein – immer dann, wenn das Vakzin da ist. Damit sind wir gut gefahren.

Sie mussten also noch niemanden enttäuschen?

Vier bis fünf Leute mussten wir ausladen. Aber es wurde bei uns kein Riesenunmut verursacht. Andere hat es da schlimmer erwischt: Die haben ihre Termine früher vergeben und mussten schon bis zu 300 Personen ausladen.

Erhalten Sie eigentlich mehr E-Mails oder mehr Post?

Viel mehr Post. Und da fällt ein Haufen Arbeit an: Briefe öffnen, Unterlagen ausfüllen und, und, und. Hinzu kommt, dass sich auch Personen mehrfach anmelden. Wir haben auch einen Fall, wo vier verschiedene Angehörige die selbe Person angemeldet haben.

Immerhin ein Zeichen, dass sich Verwandte um ihre Senioren kümmern.

Das finde ich auch gut. Aber schön wäre es, sie würden sich besser absprechen. Der bürokratische Aufwand ist riesig.

Etliche Personen aus später folgenden Prioritätsgruppen haben Sorge, dass sie den richtigen Zeitpunkt für die Anmeldung versäumen könnten.

Im Augenblick überlegen wir, dass wir die über 70-Jährigen ebenfalls noch anschreiben. Auf jeden Fall geben wir es bei Ihnen in der Zeitung bekannt, wenn die nächste Gruppe am Start ist. Das kann noch zwei bis drei Monate dauern. Aber niemand wird vergessen.

Wer im Augenblick außen vor bleibt, sind bettlägerige Senioren, die noch in den eigenen vier Wänden wohnen, richtig?

Ja, weil wir den Impfstoff von Biontech nicht transportieren dürfen, sobald er aufgetaut ist. In den Seniorenheimen haben wir den Impfstoff vor Ort aufbereitet. Das können wir in Privathaushalten aber nicht leisten. Es ist nicht möglich, so geringe Mengen für eine einzelne Impfung aufbereiten.

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