Hunderte von Wohnungen entstehen an der Angerstraße in Freising. Für eine 112-Quadratmeter-Wohnung muss man allerdings fast eine Million Euro hinlegen.
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Hunderte von Wohnungen entstehen an der Angerstraße in Freising. Für eine 112-Quadratmeter-Wohnung muss man allerdings fast eine Million Euro hinlegen.

Umland wird für Münchner noch attraktiver

Das Homeoffice als Immobilien-Turbo: Freising ist extrem beliebt - und macht großen Preissprung

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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  • Helmut Hobmaier
    Helmut Hobmaier
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Nach einem Jahr Pandemie bemerken Experten eine leichte Entspannung auf den Mietmarkt. Wohneigentum wird dennoch immer teurer - besonders in Freising.

Freising/Erding – Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, geschlossene Geschäfte, lahmende Wirtschaft: Corona stellt alles auf den Kopf. Bis auf den Immobilienmarkt. Zwar bemerken Experten eine leichte Entspannung auf den Mietmarkt. Wohneigentum wird dennoch immer teurer.

Die Städte Freising und Erding ragen hier in besonderer Weise heraus. Eine soeben veröffentlichte Studie der F+B Forschung und Beratung für Wohnen, Immobilien und Umwelt aus Hamburg hat ergeben: Der Lockdown macht den Rückzug in die eigenen vier Wände deutlich attraktiver – vor allem aufs Land vor die Tore der Metropolen, wo die Infrastruktur gut und die Lebensqualität hoch ist.

Wohnen im Umland wird attraktiver

Immer wichtiger wird in einer Arbeitswelt im Homeoffice schnelles Internet. Der F+B-Wohnindex liefert für den überhitzten Immobilienmarkt zunächst einmal Nachrichten, die sich gut anhören: „Die Zeit zweistelliger Preissteigerungsraten binnen eines Jahres ist vorbei“ – zumindest in der Top-50-Liste der teuersten Städte, heißt es in der Hamburger Expertise. Allein dieser Umstand deute in der aktuellen Phase auf eine Beruhigung der Preisdynamik hin. Doch der Süden der Republik schert aus. In Baden-Württemberg und Bayern wies der Markt an Eigentumswohnungen die höchste Preisdynamik auf.

Mit München stehen viele Kreisstädte der Region an der Spitze der teuersten Städte Deutschlands. Hier belegt etwa Dachau Platz 2, gefolgt von Germering (3), Unterschleißheim (4), Fürstenfeldbruck (8), Olching – und Freising auf dem 13. Rang. Erding findet sich auf Platz 16.

Homeoffice boomt – und damit auch der Immobilienmarkt im Umland der Metropolen. Symbolbild

„Kapitalanlagen für Privatvermögen und die individuelle Altersvorsorge sowie Kauf zur Selbstnutzung stehen hier häufig im Vordergrund, sodass alleinige Renditemotive seltener dominieren“, heißt es in dem aktuellen Marktbericht. Werterhalt und Sicherheit stünden als Motive häufig ganz oben. Geschäftsführer Bernd Leutner mutmaßt: „Eventuell deuten sich hier auch schon durch Corona bedingte Nachfragepräferenzen für preisgünstigere kleinere und mittlere Städte an, die sich zum Teil im Umfeld von Metropolen befinden, aber eine deutlich geringere bauliche Dichte aufweisen.“

Freising macht einen großen Preissprung

München sei zwar nach wie vor das teuerste Pflaster, allerdings mit einer Preisdynamik im dritten Quartal 2020 von gerade einmal plus 0,1 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal. Das beweist: Die Leute zieht es aufs Land, wenn sie ohnehin schon mehr zu Hause sind. Freising liegt hier sogar an der Spitze: Die Preise für Eigentumswohnungen haben sich innerhalb eines Jahres (1. Quartal 2020 im Vergleich zum 1. Quartal 2019) um 8,2 Prozent verteuert.

Einen Lichtblick gibt es für den Mietmarkt. Im bundesweiten Mittelwert sind die Neuvertragsmieten zwischen dem zweiten und dem dritten Quartal um knapp ein Prozent gesunken, und das nach einer fast zweijährigen Stagnation. „Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen endgültig der Vergangenheit an“, ist Leutner überzeugt. Zum ganzen Bild gehört aber auch: „Der Trend verfestigt sich signifikant, dass im Bundesdurchschnitt die Bestandsmieten deutlich stärker wachsen als die Neuvertragsmieten“, so der F+B-Gründer.

München bleibt das teuerste Pflaster – mit rund 16 Euro pro Quadratmeter für eine zehn Jahre alte, 75 Quadratmeter große Standard-Wohnung. Für den Freisinger Markt liegen noch keine aktuellen Zahlen vor, die die Corona-Pandemie einpreisen. Allerdings ist die Region stark vom Flughafen abhängig. Weil der schwächelt, dürfte sich das auf den Zuzug auswirken. Experten gehen von einer starken Bremsspur aus.

Es wird gebaut, aber zu enormen Preisen

Zugleich wird in Freising derzeit kräftig gebaut – etwa an der Angerstraße, wo in attraktiver Nähe zur Innenstadt Hunderte von neuen Wohnungen entstehen. Ein kleiner Teil davon sind Sozialwohnungen, der große Rest spiegelt das derzeitige Preisniveau wider. Wer sich dort etwa eine familiengerechte 112-Quadratmeter-Wohnung leisten will, muss 919 000 Euro hinlegen. Dabei sollte man auch die 83 000 Euro Kaufnebenkosten nicht vergessen.

Die Inzidenz ist im Kreis Freising deutlich angestiegen. Laut Gesundheitsamt sei ein Teil der Infektionen auf drei Cluster zurückzuführen. Erstmals ist die südafrikanische Mutation aufgetreten.

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