IHK-Vorsitzender Otto Heinz
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IHK-Vorsitzender Otto Heinz befürchtet ein „Ladensterben“ in der Region.

Bis zu 190 000 Unternehmen in Bayern stark gefährdet

Alarmierende Modellberechnung: IHK befürchtet ein „Ladensterben“ in der Region

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Die IHK befürchtet durch den anhaltenden Lockdown ein „Ladensterben“ für die Region. Eine Modellberechnung ist alarmierend. Es gibt aber auch Lichtblicke.

Freising/Erding – Die wirtschaftliche Lage mancher Branchen ist nicht nur ernst, sondern „bitterernst“. So hat der Sprecher des IHK-Regionalausschusses für Erding und Freising, Otto Heinz, am Dienstag bei einem virtuellen Pressegespräch die Situation der rund 24 000 Betriebe und Unternehmen in der Flughafenregion beschrieben.

Wenn zwischen dem 9. April und 7. Mai der Regionalausschuss und die Mitglieder der Vollversammlung neu gewählt werden, dann sei es wichtig, seine Stimme abzugeben, so der Appell von Heinz an die Mitgliedsbetriebe. „Damit wir, wenn es nach Corona wieder losgeht, durchstarten können.“

Kreativität und Flexibilität sind Lichtblicke für den IHK-Sprecher

Gastronomie, Hotels, Veranstalter, Messebauer, Reiseanbieter und Tourismuseinrichtungen, beispielsweise die Erdinger Therme, und selbstverständlich der Einzelhandel – sie alle seien von der Corona-Krise schwer betroffen. Und deshalb befürchte die IHK ein „Ladensterben“ in der Region, auch wenn sich das jetzt, bezogen auf die Flughafenregion, noch nicht genau beziffern lasse. Immerhin: Nach einer Modellrechnung sind in Bayern zwischen 160 000 und 190 000 Unternehmen stark gefährdet.

Mit welcher Kreativität und Flexibilität die Unternehmer seit rund einem Jahr aber andere Kanäle zur Generierung von Einnahmen genutzt hätten, das sei für ihn „ein Lichtblick“. Ein Lichtblick, der wichtig sei, damit die wirtschaftliche Vielfalt der Region, der international gewürdigte „German Mittelstand“, so Heinz, durch die Krise nicht „kaputtgeht“. Und genau dafür sei die IHK da, sei „Sprachrohr und Verstärker“ der Interessen von Industrie und Handel.

Unabhängig von Corona - Fachkräftemangel bleibt großes Problem

Um das auch in den kommenden fünf Jahren zu bleiben, sei die Neuwahl des 21-köpfigen Regionalausschusses und der Mitglieder der Vollversammlung wichtig. Denn das seien Unternehmer, „die in der Region verwurzelt“ seien und die „wissen, wo der Schuh drückt“, so Heinz, der sich im Falle seiner Wahl auch wieder als Sprecher zur Verfügung stellen würde.

In seinem kurzen Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre nannte Heinz die Aufstellung eines Forderungskatalogs zur Kommunalwahl 2020, Gespräche mit Politikern und zudem klare Positionierungen in dem wichtigen Themenbereich Verkehrsinfrastruktur und Mobilität als wichtige Maßnahmen. So habe man sich eindeutig zum Ausbau der Flughafentangente Ost bekannt, wolle auch künftig Themen wie den Erdinger Ringschluss und die Verbesserung der Anbindung mancher Gewerbegebiete durch den ÖPNV voranbringen. Und, so Heinz: „Fachkräftemangel und bezahlbarer Wohnraum für unsere Mitarbeiter“ würden auch in den kommenden Jahren die IHK beschäftigen.

IHK hofft, Mitte des Jahres „mit Schwung“ aus der Corona-Krise zu kommen

Wo die IHK wirklich „einen guten Job“ gemacht habe, sei die Auszahlung der Corona-Finanzhilfen: Im Auftrag des Freistaats habe man bisher 2,6 Milliarden Euro an 190 000 Betriebe in Bayern ausbezahlt. Die Hoffnung, Mitte des Jahres „mit Schwung und Kraft“ aus der Corona-Krise herauszukommen, ist groß. Das Mittel der Wahl, das auch zu erreichen, sei für die IHK klar, so Heinz: „Impfen, impfen, impfen! Testen, testen, testen!“ Dafür stünden die Betriebe mit ihren Betriebsärzten parat, um schnell und flexibel mithelfen zu können, den Weg aus Krise zu finden.

Angst hat die Kammer allerdings davor, dass nach Corona mehr „bürokratische Hürden“ blieben und dass sich die Politik „mehr Folterwerkzeuge“ ausgedacht habe. „Das ist es, was wir gar nicht brauchen können“, betonte Heinz.

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