Ausbildung
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Es hat noch nicht bei allen Jugendlichen gefunkt: Viele Schulabgänger sind noch ohne Ausbildungsplatz, dabei sind etliche Stellen offen.

IHK-Vizepräsident zieht Bilanz

IHK meldet über 500 Azubis, doch Bewerberlücke wird größer

Mehr als 500 Jugendliche haben im September eine Lehrstelle bei der IHK angetreten. Doch die Ausbildungslücke wird größer - nicht nur wegen Corona.

Freising – 513 Jugendliche haben Anfang September im Landkreis Freising eine Ausbildung in IHK-Berufen angetreten. Nach der vorläufigen Statistik zum Beginn des Ausbildungsjahrs bleibt die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit einem leichten Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr fast unverändert, wie die IHK für München und Oberbayern mitteilt.

„Wir sehen, dass sich der starke Corona-Einbruch vom Vorjahr in diesem Ausbildungsjahr nicht wiederholt“, sagt Otto Heinz, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Erding-Freising und Vizepräsident der IHK. „Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels setzen unsere Betriebe mehr denn je darauf, selbst ihren Nachwuchs auszubilden. Die Ausbildungsbereitschaft ist riesig und ungebrochen.“ Das größte Problem für viele Betriebe sei nach wie vor der Mangel an Bewerbern.

Bis 2030 gibt es mehr neue Rentner als Schulabgänger

Laut aktueller Statistik der Arbeitsagentur sind im Landkreis noch 374 Lehrstellen unbesetzt. Diesem Angebot stehen 88 unversorgte Ausbildungsbewerberinnen und Bewerber gegenüber. Rein rechnerisch kommen so im Landkreis Freising auf jeden unversorgten Jugendlichen mehr als vier Ausbildungsplätze. „In den nächsten Jahren wird sich die Bewerberlücke am Ausbildungsmarkt noch weiter öffnen“, ist sich Heinz sicher. Bis 2030 würden 2,8 Millionen Erwerbstätige in Bayern in Rente gehen. Im gleichen Zeitraum gebe es aber nur 1,5 Millionen Schulabgänger als potenziellen Fachkräftenachwuchs für diese offenen Stellen.

IHK-Vizepräsident Otto Heinz: „Wir setzen auf einen Aufholeffekt.“

Die Corona-Pandemie hat zudem nahezu alle Maßnahmen zur Berufsorientierung erschwert. Schnupperpraktika, Ausbildungsmessen und persönliche Bewerbungsgespräche konnten gar nicht oder nur sehr beschränkt stattfinden. Unterm Strich ist im Landkreis die Zahl der Bewerber um eine Ausbildung im Vergleich zum Vorjahr um 3,2 Prozent zurückgegangen, so die Daten der Arbeitsagentur.

Unversorgte Jugendliche haben noch Chance auf Ausbildungsplatz

Diese Angaben beziehen sich auf alle Bereiche des Ausbildungsstellenmarkts, der neben dem IHK-Bereich auch das Handwerk, freie Berufe und den öffentlichen Dienst umfasst. „Wir setzen dennoch weiter auf einen Aufholeffekt bis zum Ende des Jahres“, sagt Heinz. „Unversorgte und unentschlossene Schulabgänger haben auch jetzt noch alle Chancen, eine geeignete Ausbildungsstelle zu finden.“ Erklärtes Ziel der IHK bleibe, dass jeder ausbildungswillige Schulabgänger einen Ausbildungsplatz bekomme.

Für die weiter von Corona-Beschränkungen betroffenen Branchen wie Gastronomie, Tourismus und die Veranstaltungsbranche ist die Perspektive ohnehin sehr schwierig. „Selbst wer Ausbildungsplätze anbietet, hat dort mitunter große Probleme, überhaupt Bewerber zu finden“, berichtet Heinz. Bei den jungen Männern sind im Landkreis der Kaufmann im Einzelhandel sowie der Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung die beliebtesten IHK-Berufe, bei den jungen Frauen ist es die Kauffrau für Büromanagement. (ft)

Gut zu wissen

Freie Lehrstellen mit sofortigem Ausbildungsbeginn können Interessierte unter www.ihk-lehrstellenboerse.de finden.

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