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„Oft ist die Einstellung der Eltern falsch“: Immer mehr Nichtschwimmer - Aktionstag im fresch soll das ändern

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Am Ziel: Maximilian hat sein Seepferdchen geschafft. Dafür gibt es einen erhobenen Daumen von (v. l.) fresch-Leiter Alexander Frederking, Anna Becker, Jahn-Abteilungsleiterin Schwimmen, und Sportreferent Jürgen Mieskes.
Am Ziel: Maximilian hat sein Seepferdchen geschafft. Dafür gibt es einen erhobenen Daumen von (v. l.) fresch-Leiter Alexander Frederking, Anna Becker, Jahn-Abteilungsleiterin Schwimmen, und Sportreferent Jürgen Mieskes. © Michalek

Immer mehr Mädchen und Buben können nicht mehr schwimmen. Daher gibt es in Bayern nun den „Tag des Schwimmabzeichens“. Auch das Freisinger fresch beteiligte sich.

Freising – Viele Kinder können heutzutage nicht mehr oder nur unzureichend schwimmen. Um gegenzusteuern, hat der Freistaat am Sonntag den ersten Tag des Schwimmabzeichens ausgerufen. Auch im Freisinger Erlebnis-Schwimmbad fresch konnten Wasserratten jeglichen Alters ihre Prüfungen ablegen, was besonders den Freisinger Sportreferenten Jürgen Mieskes (CSU) freute.

Schwimmen lernen, gerade im jungen Alter, ist für Mieskes eine fundamentale Angelegenheit, weshalb er auch zu einem Pressetermin am Sonntagvormittag ins fresch gekommen war, während der Ministerpräsident Markus Söder zeitgleich in Nürnberg Seepferdchen-Urkunden verteilt hat. „Es gab hier 2021 im Schwimmbad zwei Unfälle, die Gott sei Dank sehr glimpflich ausgegangen sind“, erinnerte Mieskes an die dramatischen Rettungsaktionen im vergangenen Sommer. Kinder, die kaum oder nur sehr schlecht hatten schwimmen können, wären ohne aufmerksame Badegäste und schnell handelndes Personal vermutlich ertrunken. Was für Mieskes auch erschreckend ist: „Es gibt ja sogar viele Erwachsene, die nicht richtig schwimmen können.“

Schwimmkurse restlos ausgebucht

Da überall Schwimmkurse restlos ausgebucht sind, und somit auch Schwimmbäder wie das fresch kaum mehr freie Kapazitäten haben, weist Mieskes auf eine Alternativlösung hin, um deutlich mehr Schwimmunterricht in der Domstadt anbieten zu können. „In Freising gibt es ja ein Lehrschwimmbecken bei der Lebenshilfe in der Gartenstraße, allerdings ist da seit zwei Jahren kein Wasser mehr drin“, so Mieskes. Und weiter: „Die Lebenshilfe kann die Sanierung freilich nicht schultern, hier muss die Stadt helfen.“ Sein Plan: das Lehrschwimmbecken zügig wieder auf Vordermann zu bringen, damit auch dort Kinder und Erwachsene das Schwimmen lernen können. Kosten laut des Sportreferenten: summa summarum um die 100 000 Euro.

Schwimmen macht Spaß: Mit einem Lächeln auf den Lippen meisterte der sechsjährige Maximilian Schmidt sein Seepferdchen im fresch. 
Schwimmen macht Spaß: Mit einem Lächeln auf den Lippen meisterte der sechsjährige Maximilian Schmidt sein Seepferdchen im fresch.  © Michalek

„Hier sind die Schwimmkurse aktuell restlos ausgebucht“, bestätigte fresch-Chef Alexander Frederking. Parallel laufen zurzeit sowie schon drei Kurse in der Woche, womit die Nachfrage allerdings immer noch nicht annähernd gedeckt werden kann. Ein weiteres Problem, das die Abteilungsleiterin im Bereich Schwimmen vom TSV Jahn Freising, Anna Becker, schilderte: „40 Prozent schaffen das Seepferdchen nicht beim ersten Anlauf.“ Das Resultat: Diese Kinder machen erneut einen Kurs, damit wird die Warteschlange allerdings für andere immer länger.

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Um wenigstens ein wenig gegenzusteuern, bietet das fresch mittlerweile auch Crash-Schwimmkurse an, aber die Kurse zu Pfingsten sind auch schon wieder restlos belegt. „Der Bedarf ist einfach sehr, sehr hoch“, betonte Frederking. Die Frage, weshalb immer weniger Kinder schwimmen können, ist gar nicht so einfach zu beantworten. Frederkings Vermutung: „Das Freizeitangebot hat sich enorm vergrößert, womit Schwimmen einfach ein wenig aus der Mode gekommen ist.“ Zudem gibt es laut Becker nach wie vor einen „Corona-Stau“, der immer noch abgearbeitet wird, wie auch vermehrt zusätzliche Kurse für afghanische und ukrainische Kinder.

„Für Fußball wird Zeit und Geld investiert, aber nicht fürs Schwimmen“

Für Patricia Schmidt, selbst ehemalige Leistungsschwimmerin, ist es „leider nicht so geil“, dass sämtliche Schwimmkurse ausgebucht sind, und sie auch nur mit Müh und Not einen für ihren Sohn Maximilian hat finden können. Ins fresch waren die beiden extra aus Huglfing (Landkreis Weilheim) gekommen, um einen schönen Badetag zu verbringen. Obwohl der Sechsjährige erst seit Mitte des Monats Schwimmen übt, wollte er sich spontan gleich an das angebotene Seepferdchen-Abzeichen in Freising wagen – mit vollen Erfolg! „Oft ist einfach die Einstellung der Eltern falsch, denn für Fußball wird Zeit und Geld investiert, nicht aber fürs Schwimmen“, so Patricia Schmidt.

Was für Frederking auch noch wichtig ist: Schwimmabzeichen können im fresch natürlich jederzeit gemacht werden. „Einfach vorbeikommen und loslegen!“
Richard Lorenz

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