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Einrichtungsbezogene Impfpflicht: Am Klinikum Freising müssen zehn Prozent des Personals um ihren Job bangen

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Von: Magdalena Höcherl, Helmut Hobmaier

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Ärztinnen, Pflegekräfte, Rettungsdienstler: Für sie alle gilt ab Mitte März die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Wer dagegen verstößt, dem droht der Verlust des Arbeitsplatzes. SYMBOLBILD: MURAT/DPA
Ärztinnen, Pflegekräfte, Rettungsdienstler: Für sie alle gilt ab Mitte März die einrichtungsbezogene Impfpflicht. Wer dagegen verstößt, dem droht der Verlust des Arbeitsplatzes. (Symbolbild) © MURAT/DPA

Zehn Prozent des Personals am Klinikum Freising sind nicht geimpft. Ihnen droht der Jobverlust, wenn im März die Impfpflicht greift. Auch andere sind betroffen.

Landkreis - Ab dem 15. März gilt im Gesundheitsbereich die Corona-Impfpflicht. Ein Thema, das in den Einrichtungen im Kreis Freising mitunter polarisiert – und gerade in der Pflege Probleme bereitet.

Arbeitskräfte, die im medizinischen Bereich tätig und bislang ungeimpft sind, haben noch knapp zwei Monate Zeit, sich für die Corona-Impfung zu entscheiden. Tun sie das nicht, dürfen sie in bestimmten Einrichtungen nicht mehr arbeiten. Diese sogenannte einrichtungsbezogene Impfpflicht gilt unter anderem für sämtliche Arztpraxen, Krankenhäuser, Rettungs- und Pflegedienste. Das FT hat nachgefragt, wie sich die Situation in den betreffenden Einrichtungen im Landkreis gestaltet.

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„Nach meinem Kenntnisstand sind die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft und impfen auch fleißig“, sagt Freisings Ärztesprecher Georg Miedl. Den Umgang mit ungeimpftem Personal entscheide jeder Praxisinhaber für sich. „Zunächst soll die Impfpflicht ja dazu führen, die bisher nicht geimpften Mitarbeiter*innen im medizinischen Bereich doch noch zu einer Impfung zu bewegen.“

Wer sich nicht impfen lassen will, darf ab Mitte März nicht mehr beschäftigt werden und muss mit einer Kündigung rechnen – sofern er zuvor nicht schon selbst kündigt. Eine schwierige Situation mit Blick auf überlastete Praxen und den Pflegenotstand. Miedl gibt sich jedoch zuversichtlich: „Wir haben es in den letzten zwei Jahren und bis heute im Landkreis sehr gut hinbekommen, die ambulante und stationäre Versorgung aufrechtzuerhalten.“ Er erwartet daher nicht mehr Probleme als die, die man bereits bewältigt habe. Der Ärztesprecher betont jedoch: „Unabhängig vom Impfstatus bin ich in Sorge, wie lange die Beteiligten noch in der Lage sind, das durchzuhalten.“

Ärztesprecher sieht die Impfpflicht als Armutszeugnis

Grundsätzlich spricht sich Miedl für die einrichtungsbezogene Impfpflicht aus. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Impfung mit den zugelassenen Impfstoffen die am weitesten entwickelte Methode, vor schwerer Erkrankung oder Tod zu schützen und das medizinische System nicht zu überlasten. Sie reduziert außerdem die Gefahr der Übertragung. Dies ist durch zahlreiche Studien belegt.“ Somit sei die Impfpflicht im medizinischen Bereich sinnvoll, um Patienten und Personal zu schützen. Er sagt jedoch auch: „Gleichzeitig ist sie ein Armutszeugnis, da es nicht möglich war, genügend Menschen auf Basis der Freiwilligkeit zu überzeugen.“

Gerade mit Blick auf die Personalsituation ist Markus Khauer, Leiter des Seniorenparks Schönblick in Nandlstadt, zwiegespalten. „Die Impfpflicht dünnt den Arbeitsmarkt weiter aus.“ Schon vor der Pandemie habe man bis zu 180 Tage nach neuem Personal gesucht. Und allein aufgrund des demografischen Wandels werde die Situation in absehbarer Zeit nicht besser.

Nandlstädter Heim meldet: 100 Prozent Impfquote

Allerdings weiß er, dass sich seine Einrichtung aktuell glücklich schätzen kann: „Wir haben eine Impfquote von 100 Prozent. Alle 72 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind geimpft.“ Diesen Erfolg führt Khauer zum einen auf eine gute Informationspolitik im Haus und zum anderen auf ein großes Verantwortungsbewusstsein zurück. Seit Beginn der Pandemie habe es im Seniorenpark Schönblick noch keinen einzigen Coronafall gegeben.

Khauer wäre es jedoch lieber, wenn die Impfpflicht für beide Seiten gelte: nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für die Bewohner. „Mit dem Personal wurde jetzt sehr differenziert ein Personenkreis herausgegriffen. Dieses Vorpreschen finde ich problematisch, zumal ja auch noch niemand weiß, wo die Impfpflicht aufhört. Aktuell wird über die vierte Impfung diskutiert, dabei ist noch nicht klar, wie lange die ersten beiden überhaupt gültig sind.“

Der Einrichtungsleiter ist unschlüssig: „Ich weiß nicht, ob die Versorgung der Menschen unterm Strich nicht wichtiger ist als die Impfpflicht. Aber diese Entscheidung muss ich Gott sei Dank nicht fällen.“

Klinikum: Zehn Prozent droht Job-Verlust

Anders als in der Nandlstädter Senioreneinrichtung müssen am Klinikum Freising in nächster Zeit zehn Prozent der Beschäftigten die Entscheidung treffen: Lasse ich mich doch noch impfen –oder riskiere ich meinen Job? Alle Mitarbeitenden seien in der vergangenen Woche in einer ausführlichen Mitteilung auf die kommende Impfpflicht hingewiesen worden, berichtet Sprecher Sascha Alexander – „kommentarlos, ohne jede Drohung oder Mahnung. Damit hinterher keiner sagen kann: Ich habe es nicht gewusst.“

Für die knapp 90 Prozent Geimpften ein eher belangloser Schrieb, für den Rest entscheidend für ihre weitere berufliche Zukunft. „Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen, müssen wir dann ans Gesundheitsamt melden“, berichtet Alexander. Das sei die gesetzliche Pflicht des Klinikums als Arbeitgeber. Die Behörde entscheide dann, was mit dem Impfverweigerer geschehe. Eine Resonanz auf das Schreiben des Klinikums und die näherrückende Impfpflicht – Kündigungen etwa – gebe es bisher nicht.

Schon bei Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz (geimpft, genesen oder getestet) habe man den Impfstatus aller Beschäftigten abfragen müssen. Seitdem müssen sich Ungeimpfte täglich im Klinikum testen lassen – was auch streng kontrolliert werde, so Alexander. Die Liste mit den vorgelegten Tests werde täglich mit den Namen der Ungeimpften abgeglichen. Geimpfte Beschäftigte testen sich am Klinikum selbst, in sensiblen Bereichen täglich, ansonsten bis zu dreimal pro Woche.

BRK: Langjährige Mitarbeiter gehen

Beim BRK seien noch nicht alle geimpft, berichtet Kreisgeschäftsführer Albert Söhl. „Das sind aber wirklich Einzelfälle.“ Ohnehin ist er sich sicher, dass sich der Großteil in der nächsten Zeit noch für die Impfung entscheiden werde. Bei zwei Personen – ein Mitarbeiter im Rettungsdienst, eine Mitarbeiterin im ambulanten Pflegeteam – wisse er allerdings, dass sie ihren Job aufgeben werden. „Gerade in der Pflege ist das doppelt schwierig, weil die Personallage sehr angespannt ist“, sagt Albert Söhl. „Die Entscheidungen der beiden ist natürlich schade, das sind langjährige Mitarbeiter.“

Zuvor habe man zahlreiche Aufklärungsgespräche geführt, die aber nicht das gewünschte Ergebnis erzielt hätten. „Gerade, wenn Angst eine große Rolle spielt, helfen rationale Argumente nichts“, erklärt Söhl. „Wir üben dann natürlich auch keinen Druck aus.“ Die Entscheidung fälle jeder für sich – und trage dann eben auch die entsprechenden Konsequenzen.

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