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Der Trend geht zu Agrarfabriken

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Eher verschlechtert hat sich nach Ansicht von Öko-Landwirt Michael Popp seit der Gründung von „Zivilcourage“ die Situation auf dem Agrarsektor. Der Trend zu größeren Betrieben sei ungebrochen. Jetzt möchte man Erzeuger und Verbraucher näher zusammenbringen. © Bauer

Spritzmitteleinsatz, Massentierhaltung, zu hohe Nitratwerte im Boden – die Landwirte stehen oft in der Kritik. Doch die Probleme liegen nicht allein bei den Bauern, weiß Michael Popp von „Zivilcourage“. Die Initiative setzt sich für die Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft ein – und arbeitet derzeit an einem neuen Projekt.

Freising – Gentechnikfreie Landwirtschaft war vor acht Jahren der Grund, dass sich die Initiative „Zivilcourage“ auch im Landkreis Freising gegründet hat. Damals, so erinnert sich der Öko-Landwirt Michael Popp aus Eglhausen, wuchs die Angst unter den Landwirten vor Gen-Riesen wie Monsanto. „Die haben damals stark mit ihrem gentechnisch veränderten Saatgut auf den deutschen Markt gedrängt“, beschreibt er die Lage. Viele hatten die Befürchtung, dass man am Ende nur noch patentiertes Saatgut kaufen könne.

So haben sich Verbraucher und Landwirte mit Organisationen wie dem Bund Deutscher Milcherzeuger, Tagwerk, Naturland, dem Bauernverband, den Kreisimkern und dem Bund Naturschutz zusammengetan und die Initiative „Zivilcourage“ ins Leben gerufen. Die macht sich vor allem stark für den Entwicklung hin zu kleineren Betrieben. Dann nämlich wäre wieder Anbau auf gesunden Böden und ein nachhaltiger landwirtschaftlicher Kreislauf möglich. Profitieren würden davon Mensch, Tier und Natur, ist Popp überzeugt.

Das frustrierende aus Popps Sicht ist jedoch, dass sich seit der Gründung von „Zivilcourage“ die Situation eher verschlechtert hat. Die Betriebe würden immer größer, um mehr zu erwirtschaften – und es danach wieder zu investieren. Es gehe eher in Richtung Lebensmittelfabriken. Ursachen dafür gibt es mehrere. Eine wichtige sei aber das Einkaufsverhalten der Menschen. „Alle wollen immer noch billiger einkaufen“, sagt er und weiß, dass die Deutschen im europaweiten Vergleich mit am wenigsten für Lebensmittel ausgeben. Der Gewinn bleibt bei den Discounter-Riesen. Aber auch die Industrie und der Gesetzgeber spielen eine große Rolle. „Am Ende zählt immer das Geld“, sagt Popp.

Das zum Beispiel fehle dann in der Forschung zum Ökolandbau. Die Folge: Die Inhalte der landwirtschaftlichen Ausbildung seien veraltet. „An den Schulen wird heute noch teilweise nach dem Stand von vor 30 Jahren unterrichtet“, klagt Popp. Viele Jungbauern wüssten es also einfach nicht besser. Vom Gesetzgeber mehr echtes Interesse an Veränderung, vom Verbraucher mehr Wertschätzung und Bewusstsein und von Kollegen mehr Offenheit und Mut für Neues, das ist es, was sich Popp und seine Mitstreiter wünschen würden.

Aktuell arbeiten sie gerade an einem spannenden Modell für den Landkreis, das Erzeuger und Verbraucher näher zusammenbringen und mehr Transparenz schaffen soll. Und man will die Öffentlichkeit informieren. Demnächst zum Beispiel mit einem Vortrag zum Thema „Glyphosat“, in dem zwei Argentinier aus erster Hand von den fatalen Folgen des Pestizids berichten werden. Der Vortrag findet am Samstag, 29. September, um 19.30 Uhr im Katholischen Kreisbildungswerk Freising statt. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter www.zivilcourage.ro.

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