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Landgericht: Attacke in Freisinger Asylunterkunft war Mordversuch

Elf Jahre Haft für Messerstecher

Freising - Für die beinahe tödliche Messerattacke gegen seinen 29-jährigen pakistanischen Landsmann in der Freisinger Asylunterkunft an der Wippenhauser Straße, schickte das Landshuter Landgericht den angeklagten 40-jährigen Asylbewerber für elf Jahre hinter Gitter. Nach zweitägigem Prozess war die Kammer zu der Überzeugung gelangt, dass es sich bei dem Angriff einen versuchten Heimtücke-Mord und gefährliche Körperverletzung gehandelt habe.

Wie zum Prozessauftakt berichtet, war es am 2. Februar dieses Jahres auf dem Gelände der Asylbewerberunterkunft an der Wippenhauser Straße zwischen dem 40-Jährigen und seinem 29-Jährigen Landsmann, zum wiederholten Male zu einem Streit gekommen. In dessen Verlauf hatte der 40-Jährige dem 29-Jährigen ein Messer in den Bauch gestoßen. Das Opfer überlebte nach einer Notoperation im Freisinger Klinikum. 

Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte über eine Erklärung seiner Verteidiger Patrick Schladt und Thomas Krimmel zwar den Stich eingeräumt, aber Tötungswillen bestritten. Mit auf der Anklagebank saß ein 32-jähriger Asylbewerber, dem die Anklage Beihilfe zum versuchten Tötungsdelikt vorwarf. Er habe den 40-Jährigen angefeuert. Das wies der Beschuldigte zurück: „Ich habe nur versucht, zu schlichten.“ Laut dem 29-Jährigen war der fatale Streit bereits Tage vorher entstanden, weil er sich geweigert hatte, eine Party mit alkoholischen Getränken zu schmeißen. An besagtem Abend sei er dann vom Angreifer zu einer „Aussprache“ aus seinem Zimmer geholt worden. Es kam zum Streit und zu Beleidigungen. Ein Messer habe er nicht gesehen – und den Stich auch zunächst nicht bemerkt: „Erst als das warme Blut runtergelaufen ist, bin ich bewusstlos geworden.“ Unter den Folgen leide er heute noch, habe Schmerzen und vor allem Angst. Insgesamt zehn Landsleute, die Zeugen des Vorfalls gewesen waren, wurden vor Gericht gehört. Alle verwickelten sich in Widersprüche zu ihren polizeilichen Aussagen. Sie wollten gar nichts mehr gesehen haben, oder etwa nur, dass der 40-Jährige mit dem Messer „rumgefuchtelt“ habe. 

Für Staatsanwalt Klaus Kurtz stand fest, dass es sich bei der Messerattacke um einen versuchten Heimtücke-Mord und gefährliche Körperverletzung gehandelt habe. Niemand habe zuvor das Messer gesehen, das Opfer sei arg- und wehrlos gewesen. Er forderte eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren. Das „Anfeuern“ des mitangeklagten 32-Jährigen sei Beihilfe zur Körperverletzung gewesen, für die eine Geldstrafe von 120 Tagessätze à sechs Euro angemessen sei.

 Die Verteidiger sahen lediglich gefährliche Körperverletzung als erwiesen an und beantragten dafür eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Für den 32-jährigen Mitangeklagten forderte dessen Verteidiger Martin Paringer Freispruch. Richter Markus Kring betonte in der Urteilsbegründung, dass der Messerstich heimtückisch erfolgt sei und das Opfer arg- und wehrlos gewesen sei. Der Einsatz des Messers sei geplant gewesen. Die Kammer habe aber keine lebenslängliche Freiheitsstrafe verhängt, da das Opfer „haarscharf“ am Tod vorbeigeschrammt sei und der 40-Jährige glaubhaft Reue an den Tag gelegt habe. Der 32-Jährige Bauarbeiter kam für „Beihilfe zur Körperverletzung“ mit einer Geldstrafe von 600 Euro davon.

Walter Schöttl

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