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Nicht alle der 1083 Attachinger passten ins „Studio“. Aber der harte Kern der Startbahngegner war da. 

Flughafen-„jetzt red i“ am Mittwoch abend

Heiße Redeschlacht im „Studio Attaching“

„Es ist nicht fünf vor Zwölf, es schlägt gleich Zwölf!“, rief Bürgermeisterin Eva Bönig. Eine dritte Startbahn – schon aus Klimaschutzgründen sei das völlig abwegig. „Das können wir doch unseren Kindern nicht antun!“ Und es gab noch ein par Dutzend Argumente, mit denen am Mittwochabend in der Attachinger Sporthalle das Ausbauprojekt des Airports zerpflückt wurde. Erwin Huber (CSU) hatte einen schweren Stand.

Attaching – Am Nachmittag, beim Festakt zum 25. Flughafen-Geburtstag in München, hatte Finanzminister Markus Söder bereits vorgelegt: „Wir würden uns an der Zukunft Bayerns versündigen“, rief der Heimatminister, würde man die dritte Startbahn nicht bauen (siehe MM-Bayernteil). Abends, in der Attachinger Sporthalle“, erfolgte dann bei der BR-Livesendung „Jetzt red i“ der verbale Nachschlag dreier Sparringspartner: CSU-Urgestein Erwin Huber, der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Ludwig Hartmann, und – das Freisinger Publikum.

Auf die Frage, „Wohin geht die Reise?“ gab es für Erwin Huber nur eine Antwort: Auf die enorme Nachfrage nach Flügen müsse die Politik reagieren und die Infrastruktur ausbauen. Der Airport habe schließlich „alle Erwartungen übertroffen“. Er bedauere natürlich auch die Belastungen, die durch den Bau der dritten Bahn auf einzelne Bürger zukämen. Auch ein paar Studiogäste hatten sich für den Ausbau stark gemacht: Ohne dritte Startbahn, so der Tenor, bleibe weder der Airport noch Bayern wettbewerbsfähig.

Zuvor war bereits das Attachinger Ehepaar Monika und Christoph Riesch zu Wort gekommen – im Einführungs-Trailer ebenso wie live im Studio. Die seit zwölf Jahren dauernde Hängepartie um die dritte Bahn zerre an den Nerven, schilderte Monika Riesch, „es ist ein Hoffen und Bangen. Wir hängen in der Luft“. Komme die dritte Bahn, müsse man wegziehen.

Es folgte Michael Buchberger: „Unser Dorf würde geteilt“, sagte er, „die sozialen Beziehungen zerrissen“. Seine anschließende Frage: „Ist es ethisch und moralisch überhaupt noch vertretbar, solche Belastungen zu schaffen?“ Die Antwort gab ein (am Flughafen beschäftigter) Pisten-Befürworter: „Die Startbahn ist ein Muss für ein erfolgreiches Bayern“. Ludwig Grüll hielt voll dagegen: Dafür würden Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Und seine Frage an Erwin Huber: „Ist das das ,Näher am Menschen‘ der CSU?“

Ludwig Hartmann (Grüne) brachte die hitzige Diskussion in der Sporthalle – es war dort 32 Grad warm – in eine andere Richtung: Der Flughafenausbau sei angesichts von Vollbeschäftigung und Wirtschaftsboom in der Region „der völlig falsche Weg“. Vielmehr müsse man die Kurzstreckenflüge auf die Schiene bringen. Und auch der viel zitierte Erfolg des Airports sei zu hinterfragen: „Das Wachstum“, rief Hartmann „ist doch gekauft“ – tosender Beifall im „Studio Attaching“.

Schließlich schwebte auch noch der Ultrafeinstaub in die Sporthalle: Der entstünde gerade beim Verbrennen von Kerosin in den Triebwerken – und am Flughafen würden täglich 500 000 Liter Kerosin verbrannt, sagte Wolfgang Herrmann vom Bürgerverein Freising. Das müsse endlich bewertet werden.

Moderator Tilmann Schöberl hatte geschickt Tempo in die Debatte gebracht – auch mit interessanten Fragen: Was wäre denn, wenn ein zweiter Bürgerentscheid erneut negativ für die dritte Startbahn ausfalle? Sei die Bahn dann endgültig vom Tisch? Huber gab zurück, die Politik müsse hier entscheiden. Sonst könne man ja bald gar nichts mehr bauen.

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