Das Kaufhaus von Rentabel muss weiterhin erhalten bleiben. Da waren sich die Kreisräte einig. Foto: Archiv
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Das Kaufhaus von Rentabel muss weiterhin erhalten bleiben. Da waren sich die Kreisräte einig.

Beschluss im Kreisausschuss

Sorge um Rentabel: Jobcenter-Kunden sollen künftig Geld statt Möbel erhalten

Statt Sachleistungen sollen Leistungsberechtigte des Freisinger Jobcenter künftig Geld beziehen. Kreisräte machen sich Sorgen um das Sozialkaufhaus Rentabel.

Freising – Für den Geschäftsführer des Freisinger Jobcenters geht es vor allem um die Selbstbestimmung: Dass Leistungsberechtigte beispielsweise die Wohnungserstausstattung aktuell vom Sozialkaufhaus Rentabel erhalten und somit nicht frei entscheiden können, ist nach Meinung von Bernhard Reiml nicht mehr zeitgemäß.

Noch ist es so: Die Erstausstattung für Wohnungen einschließlich Haushaltsgeräten beziehen Leistungsberechtigte des Jobcenters vom Freisinger Sozialkaufhaus Rentabel. Dazu gehören Küche und Küchenmöbel, Kleiderschrank, Bett plus Matratze und Bettwäsche, Geschirr und Lampen. Gleiches gilt bis dato für die Erstausstattungen bei Schwangerschaft und Geburt.

Landrat befürchtet Umsatzrückgänge für Rentabel

Zum Jahresende läuft allerdings der seit 2005 bestehende Vertrag mit der Caritas Freising aus. Zudem müssen die Leistungen für den Bedarf der Erstausstattung nicht unbedingt über Sachleistungen abgegolten werden, sondern können laut Reiml auch via Geldleistung erbracht werden. Nach einer Umfrage bei den Leistungsberechtigten habe sich immer mehr herauskristallisiert: Eine zentrale Bereitstellung dieser Gegenstände empfinden viele als nicht mehr zeitgemäß. Die Möglichkeiten über alternative Beschaffungswege durch beispielsweise Flohmärkte oder Tauschbörsen werde immer häufiger eine größere Bedeutung zugemessen.

Aufgrund dieser Trendwende schlug Reiml in der jüngsten Kreisausschusssitzung vor, die Sachleistungen auf Geldleistungen in Form von Pauschalbeträgen umzustellen. Betroffene, die dabei Hilfe bräuchten, könnten seiner Meinung nach weiterhin vom Sozialkaufhaus gecoacht werden – auch um einen „Teilschritt“ in die Normalität zu erlangen. Zwar begrüßte Landrat Helmut Petz (Freie Wähler) die damit verbundene Förderung der Selbstbestimmung, allerdings gäbe es seiner Meinung nach dabei eine prägnante Kehrseite: Das Rentabel der Caritas werde dadurch Umsatzrückgänge erleiden. Das Rentabel, so Petz, werde sich dann nicht mehr rentieren – und das wäre für ihn alles andere als „glücklich“, vor allem weil dort Menschen einen „Sinn finden“.

Kontrollen, was mit dem Geld geschieht, gehen „ins Leere“

Auch Bürgermeisterin Eva Bönig (Die Grünen) betonte: „Ich will nicht, dass deshalb das Rentabel zumachen muss.“ Für Rainer Schneider (Freie Wähler) ist das Rentabel zudem eine wichtige Einrichtung für die Tagesstruktur von Kunden und Mitarbeitern. Einbußen müssten finanziell aufgefangen werden.

Auch die Frage, ob es eine Kontrollfunktion gäbe, um sicherzustellen, ob Leistungsträger mit dem Geld wirklich Einrichtungsgegenstände kaufen, beschäftigte das Gremium. Zwar wäre das grundsätzlich machbar, sagte Reiml, aber seiner Meinung nach ginge das „ins Leere“. Gegenstände wie Küchen könnten ja auch gekauft und nach solchen Kontrollen einfach weiterverkauft werden.

Zudem müsste das Jobcenter ihre Kunden dann zuhause aufsuchen – und dann sei nicht gewiss, so Reiml, ob Kontrolleure in die Wohnung gelassen werden würden.

Pauschal-Auszahlung soll befristet werden

Für Petz ein vernünftiger Vorschlag von Schneider: Die Pauschal-Auszahlung von Sachleistungen auf drei Jahre zu befristen, um dann nach einem Jahr zu evaluieren, wie gut es funktioniert. Reiml betonte zudem, dass das „Sorglos-Paket“ von den Sachleistungen nach wie vor von Rentabel angeboten werde – für alle Leistungsberechtigten, die eben nicht selbst einkaufen wollen. Zudem verbleibe das Coaching für die ersten Schritte in die Normalität auch bei der Caritas. Manuel Mück (CSU) betonte, dass das Rentabel weiterhin als eine wichtige Einrichtung vom Landkreis unterstützt werden müsse.

Richard Lorenz

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