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„Wir müssen handeln“: Ernst Hörmann ruft für den heutigen Freitag zu einer Mahnwache auf dem Freisinger Marienplatz auf – aus Sorge um seine Enkel. Im Vorfeld hat der 68-Jährige Plakate gebastelt und 800 Flyer verteilt.

„Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“

Kämpfer fürs Klima: Dieser Freisinger Großvater (68) ruft am Freitag zu Demo auf

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Nicht nur Schüler gehen für den Klimaschutz auf die Straße. Ein Großvater aus Freising macht sich ebenfalls auf. Aus Sorge um die Generation seiner Enkel ruft Ernst Hörmann heute zu einer Demonstration auf dem Marienplatz auf. 

Freising – Im Wohnzimmer von Ernst Hörmann hängen viele Bilder. Fotografien in Schwarz-Weiß und Farbe zeigen seine drei Kinder und acht Enkel. Bunte Gemälde und Kritzeleien daneben stammen von den vier Buben und vier Mädchen. Sie sind der Grund, warum der 68-Jährige die Initiative ergreift und heute um 18 Uhr eine Mahnwache am Freisinger Marienplatz abhält.

„Wir stehen am Abgrund“, sagt Hörmann, graue Haare, wache, blaue Augen, beiger Janker. Er ist seit Jahren für den Klimaschutz aktiv, unter anderem in der Moosburger Greenpeace-Gruppe. „Was wir in der Natur jetzt kaputtmachen, können wir nicht durch Hilfsorganisationen oder Ähnliches wettmachen.“ Hörmanns Wunsch ist es, mit der Demo, die künftig an jedem ersten Freitag im Monat stattfinden soll, immer mehr Menschen zum Umdenken zu bringen. Er möchte Anreize setzen für die umliegenden Orte und Nachbarlandkreise. „Es soll eine riesige Bewegung werden, die die Politik nicht mehr ignorieren kann.“

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Hörmann, der lange als Maschinenbauingenieur unter anderem für die Bahn gearbeitet hat, weiß um den Gegenwind, um Lobbyisten und die Steine, die in diesem Weg liegen. Bewusstseinsbildung benötige Zeit, oft auch eine neue Generation. „Ich weiß, dass wir einen langen Atem brauchen“, sagt der 68-Jährige, der von einigen Bekannten unterstützt wird. Ein Freund hat ihm kürzlich eine Facebook-Seite eingerichtet, um über die digitalen Kanäle noch mehr Menschen zu erreichen. „Doch meine größte Fähigkeit ist mein Wille“, betont der Freisinger.

Hörmann ist 1950 geboren. „In eine Generation, der das Demonstrieren nicht fremd war“, sagt der Rentner lächelnd. Er ist oft auf die Straße gegangen. Gegen den Irakkrieg, gegen Braunkohle in der Lausitz und die Rodung des Hambacher Forsts, für klimafreundliche Landwirtschaft und Umweltschutz. Hörmann, der weder Fernseher noch Auto besitzt, sein eigenes Brot backt und in dem großen Ballon auf dem Esstisch selbst Wein ansetzt, ist praktizierender Christ. „Mein Glaube beeinflusst mich in dem, wofür ich mich einsetze.“

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Der 68-Jährige ist ein Macher. Bevor er sein Haus in Markt Indersdorf vermietete, hat er es in Eigenregie klimagerecht umgebaut. Er hat sich im Helferkreis engagiert und betreut einen minderjährigen Flüchtling. Wenn er Lust auf Urlaub hat, fährt er mit dem Rad über die Alpen nach Apulien zu Freunden. „Macht Spaß, ist gut für die Umwelt und für mich.“ Sein nächstes Projekt ist die Mahnwache in Freising. In der Stadt hat Hörmann Plakate aufgehängt und etwa 800 Flyer verteilt, etliche davon an der Uni. Wie viele am Freitag kommen, wenn Hörmann über den Kohleausstieg und das Pariser Abkommen spricht, kann er nicht einschätzen. „Ich hoffe natürlich, dass es viele werden.“ Doch auch, wenn nur eine Handvoll Menschen kommt, will Hörmann nicht aufgeben, sondern weitermachen. Er sagt: „Ich kann mich nicht schuldig machen und einfach nichts tun.“ Seinen Einsatz ist er seinen Enkeln schuldig.

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