Bei der Ausstellungseröffnung: Künstlerin Eva Zinke und Vhs-Vorsitzender Jürgen Maguhn vor „Acryl trifft Kaffeesack“. Die zweite Ausstellung beschäftigte sich mit dem Thema „Starke Frauen aus Tansania und Freising“.
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Bei der Ausstellungseröffnung: Künstlerin Eva Zinke und Vhs-Vorsitzender Jürgen Maguhn vor „Acryl trifft Kaffeesack“. Die zweite Ausstellung beschäftigte sich mit dem Thema „Starke Frauen aus Tansania und Freising“.

Vernissage der Extraklasse

Kaffee und Menschenwürde: Vhs zeigt gleich zwei tolle Ausstellungen

Ein volles Haus bescherte der Vhs Freising eine überaus ungewöhnliche Vernissage – oder anders gesagt, eine Vernissage der Extraklasse.

Freising - Denn am vergangenen Montag wurden gleichzeitig zwei Ausstellungen eröffnet und gewürdigt, die zwar unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber trotzdem ähnliche neuralgische Punkte des Menschseins berühren. Bei „Acryl trifft Kaffeesack“ von Eva Zinke und „Starke Frauen aus Tansania und Freising“ von Marafiki wa Afrika e.V. geht es um Demokratie, Selbstbestimmung, Menschenwürde – aber auch um den Blick auf das eigene Ich über den Spiegel der Außenwelt.

Diese Ausstellungen, so der Vhs-Vorsitzende Jürgen Maguhn, verzahnen sich – unter anderem in puncto Demokratie, die ja fundamental ist für die Durchsetzung von Menschenrechten. Und genau um diese geht es bei den überaus unterschiedlichen Blickwinkeln, die von den Arbeiten eingenommen werden. Während das Projekt „Starke Frauen aus Tansania und Freising“ einen direkten Fokus auf Frauen aus verschiedenen Kulturkreisen legt, geht Zinke mit ihren Arbeiten im Subtext unter anderem auf das Thema fairen Handel ein. So berühren sich beide Ausstellungen beim zweiten Hinschauen mit jener Botschaft deutlich: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Als Fairtrade-Twon trägt Freising eine große Verantwortung

Um diese Würde überall auf der Welt zu schützen, gehe es laut Bürgermeisterin Birgit Mooser-Niefanger nicht mehr, nur an den eigenen Wohnstand zu denken und beispielsweise immer nur die billigsten Produkte zu kaufen – in diesem Fall den billigsten Kaffee. Aber auch das „Ausblenden“ der Frauen in der Gesellschaft sei für sie nach wie vor ein zentrales Thema, über das gesprochen werden muss. „Es gibt noch viele Dinge, über die wir weiter nachdenken müssen – auch als Stadt Freising“, betonte Mooser-Niefanger. Da Freising nun schon seit zehn Jahren Fairtrade-Town ist, so Maguhn, trage die Stadt deshalb zudem eine große Verantwortung. „Wie wurdest du eine starke Frau“ oder „Fürchtest du dich vor etwas?“. Insgesamt sind es neun Fragen, die Frauen aus Tansania und zum ersten Mal Frauen aus Freising gestellt wurden – unter anderem der Bürgermeisterin Eva Bönig.

Für Christine Albrecht vom Marafiki wa Afrika-Verein ist die Ausstellung eigentlich keine klassische, sondern eher eine, durch die sich Interessierte lesen können. Auf Karten gedruckt hängen die Fragen und Antworten als Installation von der Decke als kongeniale Spiegelung der Werke von Zinke auf Jute. Die Künstlerin aus Frankfurt spielt dabei mit dem Kontrast und bildet stolze Plantagen-Arbeitende ab, die letztendlich aber oftmals unter Ausbeutungen leben müssen.

Feine Hommage an das Kulturgut Kaffee

Damit gelingt Zinke ein Hinterfragen, ohne plakativ zu sein und zugleich eine sehr feine Hommage an das Kulturgut Kaffee. Die Aufdrucke auf den Kaffeesäcken nutzt sie, um den Werken eine Richtung vorzugeben – ergänzt werden die künstlerischen Ausblicke dabei oftmals mit Texten, die sich unter anderem kritisch mit den dortigen Arbeitsbedingungen auseinandersetzen.

Um zu zeigen, welches hohe Kulturgut Kaffee beispielsweise in Äthiopien genießt, hat Monika Hobmair vom Fairen Forum Hindia, eine äthiopische Frau, zur Ausstellung geladen, die den Gästen die landesübliche Kaffee-Zeremonie zeigte. Diese halbstündige Zeremonie, so Hobmair, sei ein überaus sozialer Vorgang, der gemeinschaftlich erlebt werde. (Richard Lorenz)

Gut zu wissen

Beide Ausstellungen laufen noch bis einschließlich 2. Oktober im Vhs-Gebäude Freising. Wer sich für Malerei auf Kaffeesäcken interessiert, kann zudem an einem Workshop teilnehmen. Am 24. September werden unter der Leitung von Elisabeth Seitzl Kaffeesäcke bemalt, die Kursgebühr beträgt 28 Euro. Mehr Informationen unter www.vhs-freising.org.

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