Verschiedene Blickwinkel: Guido Anneser, Weihbischof Bernhard Haßlberger, Claudia Pfrang und Monsignore Rainer Boeck kramten in ihren Erinnerungen.Lehmann

Kamingespräch am Domberg

Die Geschichte vom Kardinal und seinem Kissen

Freising - Als Leiter des Kardinal-Döpfner-Haus mussten sie mal Direktor, mal Seelsorger und auch mal Hausmeister sein. Beim Kamingespräch der Bildungseinrichtung plauderten Weihbischof Bernhard Haßlberger, Guido Anneser und Monsignore Rainer Boeck aus ihrer Zeit als Chefs auf dem Domberg.

Mit im Rund war auch die neue Leiterin des Kardinal-Döpfner-Hauses, Claudia Pfrang, die wegen der Kürze ihrer Amtszeit natürlich noch nicht in tiefen Erinnerungen kramen konnte. Monsignore Sebastian Anneser musste kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen. Die Moderation hatte Bildungsreferentin Kathrin Steger-Bordon inne, die den Gesprächsteilnehmern so manches Anekdötchen entlocken konnte und damit bei der Zuhörerschaft ab und an ein Schmunzeln ins Gesicht zauberte. So erfuhr das Publikum von Bernhard Haßlberger (Leiter von 1987 bis 1994), dass er die Bibelgespräche auf dem Domberg ins Leben gerufen hatte. „Das war der Renner, etwas wirklich Innovatives damals.“ In Haßlbergers Zeit fiel der Umbau der Bildungseinrichtung, dabei wollte er „nichts mehr mit einem Bau zu tun“ haben, weil er in seiner Zeit als Student schwer am Bau gearbeitet habe. Gerade rechtzeitig zur Dialogkonferenz sei man aber fertig geworden und so konnten Metropoliten, Patriarchen und Bischöfe in neuer Umgebung tagen. In Guido Annesers (1994 bis 2010) Erinnerung blieb vor allem der Papstbesuch von Benedikt XVI hängen. „Das war schon etwas Großartiges.“ Sein Lieblingsplatz im Kardinal-Döpfner-Haus sei die Marienkapelle und der Speisesaal gewesen. Früh begegnete er schon Reinhardt Marx, der als Bischof von Trier auf dem Domberg weilte und von Anneser fürs Bett ein zweites Kopfkissen erbat („ich muss hochliegen“). Als Marx als Kardinal wieder auf Anneser traf, erinnerte er sich sofort: „Sie sind doch der nette Mann, der mir damals ein zweites Kissen besorgte?“ Etwas mehr auf die politische Schiene lenkte Monsignore Rainer Boeck (2010 bis 2016) die Katholische Erwachsenenbildung. Sein Gedanke sei es gewesen, das Bildungszentrum besser an die Stadtgesellschaft anzudocken. Und er erinnerte sich an Begegnungen im Haus – etwa mit der damaligen Grünen-Chefin Claudia Roth oder Diskussionen der CSU-Fraktionsspitze mit Startbahngegnern. Auf die neue Leiterin des Bildungszentrums, Claudia Pfrang (seit 2016), kommen wohl die vorgesehenen Umbauten in 2018 und die folgenden Jahre zu. Diskussionen um einen autofreien Domberg oder ein Aufzug hinauf zum mons doctus wurden bereits beim Kamingespräch von den Zuhörern angesprochen. Aktuell will Claudia Pfrang den Schwerpunkt in der Bildungsarbeit auf die Frage: „Wer ist dieser Gott?“ legen, Fragen also, die die Menschen bewegen. Ein weiterer Punkt in ihrer Arbeit wird es sein, Bildung zu den Leuten zu bringen, also auch Angebote an anderen Standorten als auf dem Domberg anzubieten. Trotz der Kürze ihres Daseins hat die neue Chefin bereits ihren Lieblingsplatz im Kardinal-Döpfner-Haus ausgemacht: Den „Roten Saal“. Hier, im ehemaligen Tafelzimmer, fanden bekanntlich in fürstbischöflicher Zeit mittags und abends die repräsentativen Hoftafelmahlzeiten statt. Zum Schluss skizzierten die Herren noch das Wesen des Namensgebers, Julius Kardinal Döpfner. „Die deutsche Kirche hat ihm viel zu verdanken“, waren sie sich einig. Er sei ein Vorbild auch für die heutige Zeit. Und Weihbischof Haßlberger hatte noch ein Bonmot über den Bergsteiger Julius Döpfner: „Er war ein strenger Schafkopfer“.

Heinz Mettig

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