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Die Ausrüstung hängt parat, doch die Kameraden fehlen: Die Tagesalarm-Sicherheit ist zunehmend gefährdet.

Wehren zum Teil schlecht besetzt

Kampf um die Sicherheit: Für Feuerwehr-Einsätze unter der Woche fehlt oft Personal 

Für Feuerwehren wird es immer schwieriger, in Notfällen unter der Woche zur Tageszeit genügend Kräfte zusammenzubringen. Personalmangel, Pendelstrecken und Fehlalarme gefährden die Tagesalarm-Sicherheit.

Landkreis – Nach der Alarmierung läuft die Zeit: Laut Gesetz darf es maximal zehn Minuten dauern, bis die Feuerwehr vor Ort ist. Doch das schaffen immer weniger Wehren in Oberbayern. Auch im Landkreis Freising wird die Situation immer brisanter. Laut Johann Eitzenberger, dem Vorsitzenden des Bezirksfeuerwehrverbands, liegt es aber nicht am Personalmangel, dass die Tagesalarmsicherheit zunehmend gefährdet ist.

Josef Schwertl befürchtet mehr Fehlalarme.

„Wir haben schon Wehren, die nicht mehr gut besetzt sind“, sagt Freisings Kreisbrandrat Manfred Danner. Viele Floriansjünger gingen hauptberuflich Jobs nach, bei denen sie im Ernstfall nicht einfach vom Arbeitsplatz verschwinden könnten. „Zahlreiche Kameraden üben qualifizierte Tätigkeiten aus“, sagt Anton Frankl. Da könne man nicht einfach weg. Der Stadtbrandinspektor sieht die Tagesalarmsicherheit in Freising noch nicht gefährdet. Optimal laufe es allerdings nicht. Viele Feuerwehrmänner und -frauen seien untertags nicht verfügbar, da sie entweder in München oder am Flughafen arbeiteten. „Die Pendelzeit ist so hoch, dass sie nicht rechtzeitig zum Einsatz eintreffen können“, so Frankl.

Auch Josef Schwertl, Moosburgs 1. Kommandant, berichtet: „Der Anteil der Moosburger, die jeden Tag auspendeln, ist besonders hoch.“ Das bestätigt Kreisbrandrat Manfred Danner, der dieses Problem vor allem in kleinen Feuerwehrwachen sieht. In deren Einzugsgebieten seien meist keine Firmen ansässig und dementsprechend auch keine Arbeitnehmer. Feuer kann dort allerdings trotzdem ausbrechen.

Fehlalarme „werden noch mehr werden“

Ein weiteres Problem sehen die Verantwortlichen in den zunehmenden Fehlalarmen. 2017 waren es laut Bezirkschef Eitzenberger rund 27.000 in ganz Bayern. „Es werden noch mehr werden“, betont Moosburgs Kommandant Schwertl. Wegen der Rauchmelderpflicht hätten sich viele Menschen Systeme gekauft, die eine Lebensdauer von bis zu zehn Jahre hätten. „Im zweiten Abschnitt schwächeln jedoch die Batterien“, sagt Schwertl. Wenn der Alarm losgeht und keiner da ist, würden oft Nachbarn die Feuerwehr rufen und so einen Fehlalarm auslösen.

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Oft würden die Wehren bei Kleinigkeiten wie einem abgerissenen Schlauch an der Waschmaschine gerufen – obwohl sie dafür nicht zuständig sind. Zusätzlich seien die automatisch abgesetzten Meldungen aus Schulen und Firmen, deren Rauchmelder sensibel reagieren, eine Belastung. „In Freising waren es heuer bisher 60 solcher Fälle“, berichtet Stadtbrandinspektor Frankl.

In Moosburg geht die Zahl der aktiven Feuerwehrler zurück

Manfred Danner sorgt sich um schwache Wehren.

In dieser Misere sieht sich Friedrich Moser, Allershausens 1. Kommandant, nicht: „Wir sind in der glücklichen Lage, nicht so viele Fehlalarme zu haben.“ Auch die Tagesalarm-Sicherheit sei nicht gefährdet. „An Allershausen ist ein großes Gewerbegebiet angeschlossen. Hier arbeiten viele Feuerwehrler.“

Personell gut aufgestellt ist auch die Freisinger Feuerwehr. „Wir haben den Vorteil, dass wir eine Universitätsstadt sind. Es gibt viele Studenten, die bereits in der Heimat bei der Feuerwehr waren und dann zu uns kommen, um sich zu engagieren“, sagt Anton Frankl. Anders sieht es hingegen in Moosburg aus: „Die Zahl der Aktiven geht definitiv zurück“, beklagt Kommandant Schwertl. „Die Älteren gehen, weniger Junge kommen nach – und das Engagement wird weniger.“ Leyla Yildiz

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