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In der mystischen Atmosphäre der Dom-Krypta endet die Reliquienprozession mit dem Schrein des Heiligen Korbinian.

Kardinal Marx beim Korbiniansfest

„Der Tod ist nicht das letzte Wort“

Hoffnung verbreiten statt Angst – in diesem Sinne sollte das Evangelium heute verkündet werden. Auch im 21. Jahrhundert müsse der Kern des Evangeliums neu entdeckt werden, forderte Reinhard Kardinal Marx bei der Korbinianswallfahrt in Freising. Wie im Leben brauche es immer wieder dieses „Aha-Erlebnis“.

Freising – Die Reise ging gedanklich zurück in das tiefste Mittelalter, in eine Zeit ohne eine feste politische Ordnung, in eine „Zeit des Vergessens“, wie es Erzbischof Reinhard Marx formulierte. In die Epoche des fünften bis siebten Jahrhunderts. Eine „verworrene, sehr unübersichtliche Situation“ habe der heilige Korbinian also vorgefunden, als er zu Beginn des achten Jahrhunderts in Freising ankam und hier den Keim für das heutige Erzbistum legte – jenes Erzbistum, das am Samstag zur Korbinianswallfahrt auf den Domberg gerufen hatte. Dort sprach der Erzbischof zu den Gläubigen, forderte sie auf, das Evangelium als Botschaft der Hoffnung zu verkünden – ähnlich wie Korbinian dereinst auch. Bevor sich die Gläubigen auf dem Domberg zu Führungen, zu Tänzen und Gesängen, aber auch zu Workshops und zum „Fest der Begegnung“ trafen, bevor mit der stimmungsvollen Korbiniansvesper, mit Reliquienprozession und mit der traditionellen Kindersegnung sowie dem Domglockenkonzert die Wallfahrt des Jahres 2017 zu Ende ging, sprach der Kardinal vormittags beim großen Festgottesdienst im Mariendom von den Anfängen des Christentums in Bayern. Er forderte dazu auf, den Kern des Evangeliums immer wieder neu zu verstehen. Denn: Jede Epoche müsse bei der Interpretation und Verkündung der Frohen Botschaft „neu beginnen“, so wie das eben auch in jeder Biografie eines Menschen der Fall sein müsse: „Wir müssen uns immer wieder neu aufmachen“.

Damals, zu Korbinians Zeiten, sei es wesentlich gewesen, den Menschen die Angst zu nehmen, ihnen Vertrauen zu geben. Auch heute herrsche bei manchen Menschen wieder Angst vor. Christen sollten so nicht empfinden und das Evangelium als Kraft, Hoffnung und Licht verkündet werden. „Der Glaube kann die Angst vertreiben“, sagte Marz – und: „Der Tod ist nicht das letzte Wort“. Wir könnten uns in die Arme Gottes fallen lassen, versicherte Kardinal Marx. Freilich gebe es sie, die „verängstigten, verhuschten, geduckten“ Christen. „Aber Gott richtet uns auf“, betonte der Erzbischof. Ein anderer Kern des Evangeliums sei Liebe. Gott habe den Menschen die Gebote nicht gegeben, um sie zu disziplinieren, „sondern damit wir den richtigen Weg, das Menschsein finden.“ Und das wiederum sei ohne Liebe nicht möglich. Die Liebe sei unerlässlich, „damit wir frei und gut werden“.

Und dann sei da noch etwas, das man als einen Kern des Evangeliums im 21. Jahrhundert erkennen und beachten sollte: „Der Blick auf die Armen.“

Derart im Glauben gestärkt und mit Hoffnung erfüllt, verbrachten die Wallfahrer einen ganzen Tag auf dem „Mons doctus“, atmeten etwas von dem Geist des Anfangs, spürten aber vielleicht auch den Aufbruch.

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