Wallfahrt vor allem auf digitalen Pfaden

Kardinal Marx nutzt alternativen Jugendkorbinian für ein Versprechen an die Jugendlichen

  • Andreas Beschorner
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Reinhard Kardinal Marx hat den Jugendkorbinian dazu genutzt, ein Versprechen abzugeben. Er gelobte, eine frühere Idee endlich umzusetzen.

Reinhard Kardinal Marx weiht den Schrein des Heiligen Korbinian.

Freising – Eine Wallfahrt der ganz anderen Art war die „Korbi“ in diesem Jahr. Denn von den vielen tausend Teilnehmern, die normalerweise zur Jugendkorbinianswallfahrt zu Fuß auf den Domberg pilgern, war im Jahr der Corona-Pandemie nicht viel zu sehen: Der Gottesdienst im Mariendom mit Reinhard Kardinal Marx fand unter strengen Auflagen statt, nur wenige Gläubige waren vor Ort dabei. Der Gottesdienst wurde per Live-Stream übertragen, die Mitmachaktionen fanden online und in digitalen Räumen statt. Ein dem Motto der „Korbi 2020“ entsprechend „Unerhörtes“ Festival des Glaubens.

Virtuelles Schlendern von Zelt zu Zelt war also angesagt. Mal in dieses Angebot reinklicken, mal auf die virtuelle Mitteilungswand gehen, mal das eine Angebot downloaden, mal vor dem PC, i-Pad, Laptop oder Smartphone mittanzen zu der Musik von DJane Lady Dee – es war vieles anders als all die Jahre zuvor an diesem Samstag. Was aber so war wie immer: die Ansprache von Erzbischof Marx im Dom beim Festgottesdienst am Nachmittag, bei dem auch ein extra für diesen Anlass verfasster Rap gesungen wurde. Botschaft: „Vergesst nicht, offline zu leben.“ Und: Die Erde nicht ausbeuten, Ressourcen schonen.

Kardinal Marx hält bewegende Predigt

Marx sprach zu Beginn des Gottesdienstes von einer „einmaligen Feier“, die in dieser Form hoffentlich einmalig bleibe. Marx betonte auch die Hoffnung, dass es wieder anders werde. Denn die Jugendkorbinianswallfahrt lebe von der persönlichen Begegnung und der körperlichen Nähe. Dennoch: „Trotz der Krise feiern wir“ – und zwar in diesem Jahr musikalisch umrahmt von der Band Tea Cup aus Rosenheim.

Das Motto der „Korbi“ aufgreifend sagte Marx, es sei gar nicht so einfach, einander zuzuhören – gerade in Zeiten, in denen „Stimmengewirr“, Fakenews & Co. in den sozialen Medien so stark seien. „Da bleibt vieles unerhört“, so Marx. Dabei sei das Lauschen die Voraussetzung dafür, „um miteinander zu gehen“. Doch zuhören alleine genüge nicht: Der nächste Schritt sei das Verstehen. Nur wenn man einander verstehe, wenn man die Auffassung habe, dass „der Andere ein bisschen Recht haben könnte“, sei ein gemeinsamer Weg möglich.

Virtuelle Wallfahrt: Über Computer, Handy oder andere Endgeräte konnten sich Jugendkorbininan-Fans von DJane Lady Dee einheizen lassen oder andere digitale Angebote wahrnehmen.

Vor allem aber: „Endlich wieder anfangen, auf Ihn zu hören“, sei so wichtig, betonte der Erzbischof, „mal wieder Ihn zu Wort kommen lassen“. Der Kardinal fragte sich, ob man die Krise der Kirche und der Religionen als Chance begreifen werde, um zu hören, um was es wirklich geht, ob „eine neue Epoche des Glaubens“ beginne, in der man den Blick dafür frei mache, „was Gott bedeutet“.

Für die Jugendlichen hatte Reinhard Kardinal Marx sogar ein Versprechen mitgebracht: Seine frühere Idee, einen Jugendrat im Erzbistum zu installieren, die sich dann irgendwie verflüchtigt habe, wolle er im kommenden Jahr tatsächlich umsetzen. „Ich verspreche es euch“, sagte Reinhard Marx.

Mit Masken schützten sich die Fahnenträger, die corona-bedingt in stark reduzierter Zahl anwesend waren. Für Musik sorgte die Formation Tea Cup.

Grund dafür, dass so auch junge Christen mehr mit ihm ins Gespräch kommen und ihre Gedanken und Anregungen darlegen könnten: „Die Stimme junger Christen bleibt oft unerhört.“

Künstler zeigt neuen Blick auf Korbinian

Zu Ehren des Bistumspatrons hat Künstler Henning von Gierke ein Korbiniansbild gemalt, das einen neuen Blick auf den Heiligen ermöglichen soll. Die Installation wurde am Sonntag nach der Eucharistiefeier im Freisinger Mariendom unter dem Titel „Himmel, Glaube, Erde“ in Anwesenheit des Künstlers erstmals gezeigt. Bis zum Ende des Jahres ist das Werk täglich zwischen 10 Uhr und 17 Uhr zu sehen.

Berufung, Weg und Vision des Heiligen Korbinian werden im Inneren des Doms anhand eines künstlerischen Dialogs mit dem Hochaltarbild des berühmten Peter Paul Rubens und der Architektur der Domkirche veranschaulicht. Die Bildwelten thematisieren die Auseinandersetzung mit Gewalt, der mit Frieden und Hoffnung begegnet wird.

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