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Es grünt in den Freisinger Wäldern wie hier am Rand des Walderlebnispfads – ein Indiz für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt.

Doch damit ist er eine Ausnahme

Kein Dürrestress, kaum Borkenkäfer: Freisinger Wald auf dem Weg der Besserung

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Er leidet nicht unter „Dürrestress“, Borkenkäfer sind fast verschwunden. Der Freisinger Wald ist auf dem Weg der Besserung - und damit aber die positive Ausnahme.

LandkreisNordbayerns Wälder leiden unter dem „Dürrestress“, im Bayerischen Wald wütet der Borkenkäfer und die Bergwälder in den bayerischen Alpen haben die Schneemassen im Winter umgelegt: massive Schäden, wohin man schaut. Die Wälder des Forstbetriebs Freising gleichen da „einer Insel der Seligen“, berichtet Leiter Alfred Fuchs. Der Regen heuer sei ausreichend gewesen und der Borkenkafer – eine mittlere Sensation – sei fast komplett aus den Freisinger Wäldern verschwunden.

Der Regen hat den Wäldern gut getan

Wer durch den Kranzberger oder Thalhauser Forst marschiert, sieht am Boden zwischen den Fichten Gräser und krautige Pflanzen sprießen. „Ein Indiz dafür, dass das Boden-Wasser-Verhältnis stimmt“, sagt Fuchs. Nach dem feuchten Winter habe es im Frühjahr geregnet, und auch seit Mai habe es in der Region Freising jede Woche mal geschauert. Da schneide man vor allem im Vergleich zum dürregeplagten Nordbayern „sehr günstig“ ab, erklärt der Forstbetriebschef. Das freilich könne sich rasch ändern, wenn es etwa jetzt im August wochenlang nicht mehr regnen würde. Dann käme es, wie im heißtrockenen Sommer 2018, auch zu verfrühtem Laubabwurf. Unter Trockenstress, berichtet Fuchs, „spielen die Bäume dann schon mal Herbst“. Trotz der Regenfälle in diesem Jahr sieht auch Fuchs die Lage langfristig kritisch: Noch seien die Bodenwasser-Vorräte, die in zahlreichen trockenen Jahren aufgezehrt worden seien, nicht ausgeglichen.

Gräser und krautige Pflanzen ranken sich nach den Regenfällen im Juli am Fuß der Baumriesen im Thalhauser Forst.

Borkenkäfer sind fast verschwunden

Keine Entwarnung gibt es auch an der Borkenkäfer-Front. „Eigentlich haben wir eine unverändert gefährliche Situation“, sagt Fuchs, denn der Käfer habe ein enormes Entwicklungspotenzial. Die Dynamik sei nie zu unterschätzen. Doch heuer hat sich der Schädling rar gemacht. „Wir finden fast keine Käfer mehr im Wald“, berichtet Fuchs. Der Befall beschränke sich auf wenige einzelne Bäume und sei verschwindend gering.

Was ist da passiert, nach mehreren Jahren massiven Befalls? Zum einen, glaubt Fuchs, habe der enorme Einsatz des Forstbetriebs gegen den Käfer Wirkung gezeigt. Fuchs: „Wir haben sehr entschlossen gehandelt – und das hat sich jetzt offenbar ausbezahlt. Das ist eine große Genugtuung für meine Leute und mich.“ Zum anderen könne auch ein natürlicher Zyklus zum Rückgang der Käferpopulation geführt haben: „Da laufen Prozesse ab, die nur sehr schwer nachweisbar sind“, sag der Experte. Er hofft, dass der Sommer wechselhaft bleibt. „Dann sehe ich eine Chance, dass wir den Käfer niederringen.“ Es werde trotzdem nur ein Sieg auf Zeit sein, denn „der Borkenkäfer gehört zum Wald“. Problematisch werde es nur, wenn er in solchen Massen auftrete wie in den vergangenen Jahren. Wenn es also „so bleibt wie jetzt, dann bin ich ein glücklicher Förster“.

Blick zu den Nachbarn: Massive Waldschäden, wohin man schaut

Es gibt 40 Forstbetriebe in Bayern – und nicht überall ist die Lage so entspannt wie derzeit in Freising. Einen massiven Borkenkäferbefall etwa gibt es im Bayerischen Wald und im Fichtelgebirge – in Südbayern schaut es generell besser aus. Einem Schlachtfeld aber gleichen viele Wälder im bayerischen Hochgebirge nach den Schneebruchschäden vom Winter 2018/2019. Der Kollege aus Berchtesgaden etwa melde 150 000 Kubikmeter Schneebruchholz in seinem Gebiet, berichtet der Freisinger Forstbetriebsleiter Alfred Fuchs. Die Bäume habe es oft in großen Höhen umgelegt. Die Schadensgebiete seien nur sehr schwer zu erreichen, und das Zeitfenster, den Schneebruch aufzuarbeiten, sei, jahreszeitlich bedingt, nur gering. 

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Dazu kommt, dass der Aufwand gewaltig ist: Bäume müssen etwa mit Seilkränen abtransportiert werden, und die Forstleute erreichen die Zielgebiete oft erst nach stundenlangem Marsch. Die große Gefahr ist deshalb, dass sich der Borkenkäfer unbemerkt in den geknickten Bäume einnistet – eine tickende Zeitbombe fürs nächste Jahr. Fuchs: „Das ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Das kommt immer wieder mal vor. Neu ist aber, dass es diesmal in ganz Mitteleuropa Wälder umgelegt hat.“ Dementsprechend unter Druck sei der Schnittholzmarkt. Schon der ganz normale Holzeinschlag, sagt Fuchs, sei derzeit nur unter Wert zu verkaufen.

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