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Auf dem blauen Puppensofa sitzt ein Wichtel mit langem, weißem Bart: Das „FiloSofa“ist nicht nur das Maskottchen, sondern auch der Titel des neuen Angebots von Katharina Maas. Die Lehrerin aus Freising lädt Kinder regelmäßig zum Philosophieren ein.

„Wo geht die Zeit hin, wenn sie vorbei ist?“

Kinder philosophieren in der Freisinger Stadtbücherei – Dahinter steckt ein tiefer Sinn

  • Magdalena Höcherl
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Das „FiloSofa“ ist der Titel des neuen Angebots von Lehrerin Katharina Maas aus Freising. Sie lädt Kinder zum Philosophieren ein.

Freising – Der Bär wartet und wartet und wartet. Es vergeht ein Jahr, bis sein Freund endlich kommt: Die Schnecke Goliath kann nichts dafür, sie ist langsam. Doch dem Bär hat das Warten nichts ausgemacht. Er freut sich auf die Zeit mit Goliath.

Der Geschichte von Kinderbuchautorin Antje Damm lauschen die acht Mädchen und Buben gespannt, die an diesem Tag in die Stadtbibliothek gekommen sind. Sie sitzen im Kreis auf bunten Kissen auf dem schwarzen Linoleumboden und versuchen etwas Besonderes: Sie philosophieren.

„Philosophieren kann jeder“, sagt Katharina Maas. Seit diesem Schuljahr bietet die Berufsschullehrerin und Referentin für philosophische Bildung aus Freising an der Fachakademie für Sozialpädagogik den Kurs „Kinder philosophieren“ an. „Es geht nicht darum, dass die Kinder lernen, was Sokrates, Kant, Mill und Singer sagen. Es geht darum, nachzudenken, zuzuhören und zu reden“, erklärt die 33-jährige Mutter von zwei Kindern. Ihr Angebot schule verschiedene Kompetenzen: „Die Kinder denken nach, hören zu, drücken sich sprachlich aus. Sie dürfen einen eigenen Standpunkt finden und ihre Meinung sagen. Gleichzeitig lernen sie, andere Meinungen gelten zu lassen.“

An diesem Nachmittag liest Sozialpädagogik-Studentin Lucia Huber den Mädchen und Buben das Buch „Warten auf Goliath“ vor. In der Mitte des Sitzkreises liegen Uhren, eine Sanduhr, Kerzen und Schuhe in drei verschiedenen Größen.

Den Kindern ist schnell klar, dass es um die Zeit geht. Aus einem Stoffsäckchen dürfen sie Fragen ziehen, die die Studentinnen vorlesen: „Vergeht die Zeit immer gleich?“, „Kann man Zeit kaufen?“ und „Wo geht die Zeit hin, wenn sie vorbei ist?“

„Man kann auch im Stillen philosophieren“

Obwohl die Studentinnen und Maas viel nachfragen und erklären, bleiben die Kinder relativ ruhig und antworten weniger, als es die Lehrerin von ihren bisherigen Besuchen in Kindergärten gewohnt ist. „Ich denke nicht, dass das Thema Zeit zu anspruchsvoll oder abstrakt ist“, sagt Maas im Anschluss, als die Mädchen und Buben Sanduhren ausmalen. Die Schwierigkeit sei eher, dass sich die Kinder untereinander nicht kennen.

Als Misserfolg verbucht sie den Nachmittag nicht. „Es ist, wie ich am Anfang gesagt habe: Man kann auch im Stillen philosophieren. Auch wenn viele Kinder nichts gesagt haben, ist im Kopf sicher irgendetwas abgelaufen“, betont Maas. Zugleich gibt sie zu: „Philosophieren ist nicht für jedes Kind was. Manche finden es halt langweilig.“

Für Lucia Huber und ihre Kommilitoninnen, die das Wahlfach zwei Stunden pro Woche belegen, sind solche Nachmittage eine interessante Erfahrung. „Wir lernen, Themen kindgerecht zu vermitteln und auf die Gedanken der Kinder einzugehen“, sagt Selina John.

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Dass sie jedes Mal anders ablaufe, mache die Philosophie-Stunde spannend. „Philosophieren macht nicht nur Spaß“, sagt Lehrerin Katharina Maas. „Wenn wir uns über die großen und kleinen Fragen Gedanken machen, leisten wir einen wichtigen Beitrag für Frieden und Demokratie.“

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