Im Sommer wurde Richtfest gefeiert am Neubau „Junges Wohnen St. Klara“ in Freising. Heimleiterin Simone Tomczyk (vorne, M.) hofft nun auf Spenden für die Ausstattung des Hauses.
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Im Sommer wurde Richtfest gefeiert am Neubau „Junges Wohnen St. Klara“ in Freising. Heimleiterin Simone Tomczyk (vorne, M.) hofft nun auf Spenden für die Ausstattung des Hauses.

Tagblatt-Aktion „Menschen in Not“ unterstützt das Projekt

Ein Traum wird Wirklichkeit: Freisings Kinderheim St. Klara bekommt ein neues Gebäude

  • Helmut Hobmaier
    vonHelmut Hobmaier
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Für Jugendliche aus dem Kreis Freising, die nicht mehr in ihren Ursprungsfamilien leben können, eröffnet sich eine neue Perspektive: In Freising entsteht das„Junge Wohnen St. Klara“.

Landkreis – Im Kinderheim St. Klara in Freising werden Kinder und Jugendliche, die nicht mehr in ihren Ursprungsfamilien leben können, rund um die Uhr betreut. Das Ziel: diesen jungen Menschen eine altersgemäße Entwicklung zu ermöglichen. Sie sind mit häuslicher Gewalt, Vernachlässigung, schwierigen Trennungen oder psychischen Krankheiten der Erwachsenen aufgewachsen. In den heilpädagogischen Wohngruppen von St. Klara finden die jungen Menschen den Raum, um zu sich zu finden und sich mit Unterstützung der Fachkräfte altersgemäß zu entfalten.

Die „Teilbetreute Wohngruppe

In vielen Fällen ist eine Rückkehr in eine unverändert desolate Familiensituation nicht zu verantworten, und die Kinder und Jugendlichen finden mit der sogenannten „Betreuungskette“ eine längere Perspektive in der Obhut des Kinderheims. „Nach einigen Jahren in der Wohngruppe ist dann meist mit 15 bis 16 Jahren eine Stufe erreicht, die den Schritt in das nächste Glied der Kette erlaubt“, berichtet Heimleiterin Simone Tomczyk: die „Teilbetreute Wohngruppe“.

Dass aus diesem Traum nun Wirklichkeit wird, hat man einer dem Kinderheim seit langem verbundenen Familie zu verdanken: Sie baut ein neues Gebäude für das Kinderheim, in dem diese Wohngemeinschaft von vier jungen Menschen im Alter von 15 bis 18 Jahren realisiert wird. Tomczyk erklärt: „Diese Jugendlichen sind durch das Leben in der heilpädagogischen Wohngruppe erfahren genug, um mit altersgemäßen Freiheiten verantwortungsvoll umzugehen. Selbstständig morgens aufstehen, selbstständig in Absprache mit den anderen Bewohnern einen gemeinsamen Haushalt führen – das sind nur die einfachsten Aufgaben, die die jungen Menschen in ihrem neuen Umfeld lernen zu übernehmen.“

In dieser wichtigen Phase geht es dann auch um einen schulischen Abschluss und/oder die berufliche Orientierung. Simone Tomczyk: „Hier geben die Fachkräfte, die täglich nur noch für einige Stunden präsent sind, den wichtigen emotionalen Rückhalt und den Gesprächspartner für die Entwicklung der künftigen Lebensperspektive.“

„Einzelbetreutes Wohnen“ das Ziel

Meist mit Erreichen der Volljährigkeit ist das letzte Glied der Betreuungskette mit dem Umzug in ein eigenes Appartement des Betreuten Wohnens erreicht. Das „Einzelbetreute Wohnen“ bedeutet die Vorbereitung auf ein eigenständiges Leben Die im neuen Gebäude zur Verfügung stehenden Einzelappartements, die eine komplette kleine Wohnung mit Küche und Bad darstellen, bieten den jungen Menschen die Gelegenheit, Stück für Stück die volle Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Ziele dieser Phase der Betreuung, in der eine Fachkraft nur noch stundenweise in der Woche beratend und begleitend zur Verfügung steht, sind vor allem die Stabilisierung der beruflichen Orientierung, der planvolle und durchdachte Umgang mit den eigenen finanziellen Mitteln, und umfassende Kenntnisse der Lebenspraxis, auch bezüglich Hygiene, Sexualität und gesellschaftlicher Normen. Wenn dann die Zeit gekommen ist, die Betreuung zu beenden, dann wird der Übergang in die nächste Lebensphase, die ebenso oftmals mit einem Umzug verbunden ist, gemeinsam vorbereitet und als bewusste Ablösung von der langjährigen Heimat auf Zeit zelebriert.

Simone Tomczyk: „Die vielen ehemaligen Betreuten, mit denen unsere Fachkräfte noch persönlich im Kontakt stehen, zeugen von den erfolgreichen Investitionen des Kinderheims in die Zukunft von jungen Menschen, denen ein schwerer Start im Leben beschert wurde.“

Junges Wohnen - eine neue Perspektive

Junges Wohnen St. Klara: So heißt der Neubau für die betreuten Wohnformen. Mit dem neuen Gebäude für die Teilbetreute Wohngruppe und das Einzelbetreute Wohnen wird eine seit Jahren bestehende hohe Hürde überwunden. Endlich ist es durch eine ausreichende Kapazität an Wohnraum im Ballungsraum der Region möglich, jungen Menschen diese erfolgreiche Perspektive anzubieten. Und durch die Nachbarschaft zu den heilpädagogischen Wohngruppen im Freisinger Zentrum bekomme der Begriff der „Heimat“ auf Zeit für die Kinder und Jugendlichen des Kinderheims St. Klara eine neue Dimension, erklärt Heimleiterin Simone Tomczyk. Das Haus wird komplett neu eingerichtet, um eine altersgemäße und zeitgemäße Ausstattung zu bieten. Möblierung, Küchen und vieles mehr kann das Kinderheim nur aus Spenden bestreiten.

FT-Aktion „Menschen in Not“ hilft

Seit Jahren wird das Kinderheim mit Spenden aus der Aktion „Menschen in Not“ des Freisinger Tagblatts unterstützt – so auch in diesem besonders schwierigen Jahr. Das Freisinger Tagblatt hilft bedürftigen Mitbürgern: Konto 190, Sparkasse Freising, IBAN: DE57 7005 1003 0000 0001 90.

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