+
Raus aus der Sackgasse: Das war die Botschaft der Klimademonstranten, die sich am Freitag zur Mahnwache in der Freisinger Innenstadt getroffen hatten.

„Ein paar Siege, aber nicht sehr viele“

Klimaschützerin sieht wenig gute Entwicklungen – Appell, es anders zu machen als vor Corona

Freisings Klimaschützer wollen das Konjunkturprogramm sinnvoll für eine nachhaltige Zukunft nutzen. Ihr Appell: Die Gesellschaft solle anders weitermachen als vor der Corona-Krise.

Freising – Das Konjunkturprogramm der Regierung sinnvoll für eine nachhaltige Zukunft nutzen: So lautete das Motto der jüngsten Freisinger Klima-Mahnwache am vergangenen Freitag. Unter den wachsamen Blicken der Polizei versammelten sich auf der Unteren Hauptstraße dafür etliche Klimaschützer. Das mit einem Flatterband abgegrenzte Areal war bestimmt für bis zu 50 Personen – also der Versammlungshöchstgrenze. Initiator Ernst Hörmann war es ernst: Mund-Nasenschutz, Abstandsregel und die Obergrenze: „Sonst muss ich auflösen!“

„Die gute Nachricht: Es gibt keine Abwrackprämie!“

Als Glücksgriff erwies sich erneut Hörmanns Moderatorin und Mitstreiterin Theresia Endriß vom Trägerkreis, die bereits mit der Eröffnung „Die gute Nachricht – es gibt keine Abwrackprämie!“ den richtigen Ton bei den Anwesenden traf. Enttäuscht zeigte sie sich jedoch, dass aktuell ein neues Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen ans Netz gegangen ist, und auch mit der EEG-Umlage war sie nicht sonderlich zufrieden: „Ein paar Siege sind zu verbuchen, aber nicht sehr viele.“

Ebenso blieb die staatliche Rettungsaktion der Lufthansa nicht unkommentiert: Statt die neun Milliarden Euro in die Pflege und Kultur zu investieren, würde man nur zu hören bekommen, dass an der Fluggesellschaft viele Arbeitsplätze hingen. „Wir stehen an einem Scheidepunkt und das Konjunktur-Paket stellt die Weichen“, so Endriß. Jetzt müssten sich die Menschen entscheiden, ob sie dieses alte Leben nach Corona wieder haben wollen – oder eben einen neuen Weg versuchen möchten.

Dem Konsumwahn der Prä-Corona-Zeit entgegenwirken

Die Frage „Was ist eigentlich Normalität?“ beantwortet Endriß philosophisch: Vor der Corona-Krise sei das Leben hektisch und einem ständigen Kaufzwang unterworfen gewesen – mit „ganz viel Werbung“ und „unendlich Spaß“. Ihrer Meinung nach sei diese vermeintliche Normalität immer ungerecht, nicht zukunftsorientiert und im Grunde „selbstverliebt im eigenen Untergang“. Was durch die Pandemie geschehen sei, wirke noch nach: eine plötzliche Stille. Endriß’ Wunsch: andere Wege und andere Ziele, ohne soziale Absicherungen zu verlieren – dafür bräuchte es allerdings „kleine reproduzierbare Utopien“.

Zahlreiche Zukunftsvisionen oder Veränderungen gebe es ja schon im Einzelnen: Foodsharing oder der solidarische Gärtnerhof Auergarden in Au – dort können Ernte-Anteile gekauft werden, auch Mitarbeit und Eigeninitiative sind gefragt. Ein Vorschlag aus den Reihen der Klima-Freunde: die Förderung von Gemeinschaftsgärten in der Domstadt oder die Vorbildfunktion von Genossenschaften wie das Tagwerk.

Hörmann verwies auf die offene Werkstätte des Vereins „Selber machen“ im Schwalbenweg 1 – dort können Interessierte Möbel und Kunst gestalten oder einfach nur ihr Fahrrad reparieren. Ziel sei es, dem Konsumwahn der Prä-Corona-Zeit entgegenzuwirken. Außerdem, so versicherte Endriß, müsse der Weg nicht so steinig sein, wie er sich vielleicht anhöre.
Richard Lorenz

Lesen Sie auch: Freisings Klimaschützer nehmen den neuen Stadtrat in die Pflicht. Vor der konstituierenden Sitzung haben sie den Forderungen mit einer Mahnwache Nachdruck verliehen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Alles anders: Freisinger Kammergasse wird jetzt reine Fahrradstraße
Nur Anlieger dürfen noch rein: Die Kammergasse in Freising wird zu einer reinen Fahrradstraße. Die Stadträte im Planungsausschuss waren begeistert. 
Alles anders: Freisinger Kammergasse wird jetzt reine Fahrradstraße
Sie stand auf dem Roten Teppich in L.A.: Filmemacherin aus Freising hat große Pläne
In den USA hat die Filmemacherin Silvia Johanus mit einem animierten Musikvideo für Furore gesorgt. Ihre neuen Filmpläne gehen indes in eine ganz andere Richtung.
Sie stand auf dem Roten Teppich in L.A.: Filmemacherin aus Freising hat große Pläne
„Noch nicht wie vor Corona“: Einige Freisinger Geschäfte haben Probleme – andere Branchen boomen
Ist der Umsatz wieder wie vor Corona? Wie laufen die Geschäfte? Und wie geht’s weiter? Auf diese Frage antworten Freisings Geschäftsinhaber sehr unterschiedlich. Eine …
„Noch nicht wie vor Corona“: Einige Freisinger Geschäfte haben Probleme – andere Branchen boomen
Flughafen München: Mann lässt Koffer mit seltsamer Nachricht stehen - mit großen Folgen
Ein 49-Jähriger ließ seinen Koffer einfach am Flughafen München zurück - zusammen mit einer kuriosen Nachricht. Was er damit auslöste, war ihm wohl nicht klar.
Flughafen München: Mann lässt Koffer mit seltsamer Nachricht stehen - mit großen Folgen

Kommentare