Eine Frau steht im November 2018 vor dem Haupteingang des Klinikums Freising
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Das Klinikum Freising soll medizinisch neu ausgerichtet werden.

Analyse im Kreistag

Klinikum Freising auf Herz und Nieren überprüft: Zahlreiche Schwachstellen aufgezeigt – Sondersitzung geplant

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Um das Klinikum Freising fit für die Zukunft zu machen, wurde die Einrichtung auf Herz und Nieren überprüft. Das Ergebnis: Es gibt einiges zu tun.

Freising – Das Klinikum Freising soll für die Zukunft fit gemacht werden. Am Donnerstag stellte das mit einer Analyse des Krankenhauses beauftragte Büro Oberender schon einmal seine Anregungen für eine neue „Medizinstrategie“ des Hauses vor.

Eine wirtschaftliche Betrachtung des Klinikums wird in einem zweiten Schritt erfolgen und wohl im Juli präsentiert werden. Aber die Ideen für die medizinische Neuausrichtung haben es für sich allein genommen schon in sich.

„Unterdurchschnittliche Fallschweren“ in vielen Bereichen

Bereits die Datenanalyse habe „zentrale Erkenntnisse“ gebracht, erläuterten Vertreter des Büros: Die stationären Leistungen gingen zurück, was zu einer deutlichen Ergebnisverschlechterung geführt habe. Vor allem zeigten sich „unterdurchschnittliche Fallschweren“ in vielen Bereichen. Für leichtere Fälle gibt es bekanntlich weniger Geld, was für das Klinikum zunehmend ein Problem darstellt. Möglicherweise liege dies an fehlenden Kapazitäten in der Intensivstation und in der Notaufnahme.

Das Büro empfiehlt in der Folge dieser Erkenntnisse den Aufbau einer Überwachungsstation und die Optimierung der Notaufnahme. Zudem gebe es auch „Optimierungspotenziale“ im Bereich der Operationen. Weiterhin wird angeraten, die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und anderen Kliniken zu verbessern. Motto: „Kooperieren statt konkurrieren.“

Klinikum für Mitarbeiter attraktiver machen

Vor allem in den Bereichen Urologie, gynäkologische Onkologie, Elektrophysiologie und Endoprothetik wäre die Zusammenarbeit mit Niedergelassenen wichtig. Zudem sei die Etablierung eines Ärztehauses auf dem Campus ins Auge zu fassen. Hinzu komme das Erfordernis, das Klinikum für Mitarbeiter attraktiver zu machen, um mehr Personal akquirieren zu können.

Auch Umsetzungsempfehlungen werden in dem Gutachten ausgesprochen: Da wird zum Beispiel der Aufbau einer Akutgeriatrie und einer stationäre Schmerztherapie angeregt, was eine sinnvolle Ergänzung des Angebots wäre und wofür es großes Potenzial und Bedarf im Landkreis gebe. Der Aufbau hoch spezialisierter Einheiten sollte hingegen nur in Kooperation mit dem Klinikum rechts der Isar umgesetzt werden, weist die Untersuchung als ein weiteres Ergebnis aus. Das betreffe die Bereiche Thoraxchirurgie, Neurochirurgie, Pneumologie und Weaning (Beatmungsentwöhnung) sowie die Pädiatrie.

Damit das Klinikum auch schnelle Projekterfolge, sogenannte „Quick Wins“, erzielen könne, sollte kurzfristig die Kooperation mit niedergelassenen Ärzten intensiviert werden und sollten in den Sektoren Neurologie und Kardiologie Zertifizierungen zur Stärkung der Kompetenzen angestrebt werden.

Überprüfung künftig alle drei bis vier Jahre

Außerdem sollte beispielsweise geprüft werden, ob die an die Intensivstation angrenzenden Büroräume nicht für eine Überwachungsstation genutzt werden und die Notaufnahme durch zusätzliche Aufnahmezimmer erweitert werden können.

Und noch etwas hat das Büro Oberender den Verantwortlichen wie Landrat Helmut Petz und Geschäftsführerin Maren Kreuzer ins Stammbuch geschrieben: In der heutigen Krankenhauswelt veränderten sich die Rahmenbedingungen zu schnell, um nur alle 20 Jahre die Strategie eines Klinkums zu ändern. Auch künftig sei also alle drei bis vier Jahre eine Überprüfung der Ausrichtung „zwingend notwendig“, wobei das selbstverständlich nicht jedes Mal zu einer „Kehrtwende“ führen dürfe.

Diskutiert wurde am Donnerstag über die Ergebnisse der Studie nicht. Das soll im Juli zusammen mit den Aussagen zur Wirtschaftsstrategie erfolgen – möglicherweise in einer Sondersitzung.

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