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Bayerisches Klinikum reduziert Normalbetrieb: Unverständnis für Ungeimpfte - „so viel Lebenszeit verloren“

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Von: Magdalena Höcherl

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Kritische Lage: Die Zahl der Corona-Patienten steigt im Klinikum Freising. Damit wächst auch die Anspannung beim Personal – und das Unverständnis für Ungeimpfte.
Kritische Lage: Die Zahl der Corona-Patienten steigt im Klinikum Freising. Damit wächst auch die Anspannung beim Personal – und das Unverständnis für Ungeimpfte. Symbolbild © Sebastian Gollnow

Die Corona-Lage auf den Intensivstationen verschärft sich - mit Folgen für den gesamten Krankenhausbetrieb. In Freising wächst das Unverständnis gegenüber Ungeimpften.

Freising – Die Lage in den Krankenhäusern verschärft sich weiter: In Freising wurden am Montag 24 Corona*-Fälle behandelt, acht davon auf der Intensivstation, sieben von ihnen ungeimpft. Im Klinikum arbeitet man mit Hochdruck an der bestmöglichen Versorgung aller Patienten. Ein Kraftakt für das Personal, denn eine Entspannung ist nicht im Entferntesten absehbar – und das Unverständnis gegenüber Ungeimpften wächst.

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Kein Normalbetrieb mehr in Freisinger Klinik: Abstimmung mit Führungsgruppe Katastrophenschutz

In Medizinerkreisen hat der 4. Dezember eine Art Symbolcharakter, denn nach der sogenannten „Steuerungs-prognose von intensivmedizinischen Covid-19-Kapazitäten“ könnte sich in Bayern die Zahl der Corona-Patienten auf der Intensiv bis dahin mehr als verdoppeln. Im Klinikum Freising dominiert dieser „Stichtag“ die Abläufe nicht. „Das bringt uns ja nichts“, sagt Pressesprecher Sascha Alexander. Alle Mitarbeiter würden ohnehin jeden Tag ihr Bestes geben, um so flexibel wie möglich zu reagieren und die Spitzen abzufangen.

„Wir versuchen von Tag zu Tag, das Ganze gut hinzubekommen, in enger Abstimmung mit den anderen Häusern und der Führungsgruppe Katastrophenschutz.“ Doch er gibt auch zu: „Ob das reichen wird, weiß ich nicht – vor allem weil die Intensivstation praktisch immer voll ist.“ Zudem dürfe man auch den Normalbetrieb nicht vernachlässigen.

Alexander betont: Die Zeit, um langfristige Entscheidungen zu treffen, sei ohnehin vorbei. Es bleibe schlicht zu hoffen, dass die aktuellsten Maßnahmen die Welle noch ein bisschen brechen können. „Mehr kann man nicht mehr tun, wir sind eh schon mittendrin.“

Wegen Überlastung durch Corona-Patienten: Nur noch drei OP-Säle statt fünf

Um der steigenden Zahl an Corona-Patienten gerecht zu werden, arbeite man schon seit einiger Zeit daran, die Kapazitäten auf der Isolierstation in Ebene 5 und auf der Intensivstation zu erweitern. Aber: Aufgrund des flächendeckenden Personalmangels könne man auch in Freising nur aufbauen, wenn an anderer Stelle abgebaut werde. Dafür folge man unter anderem der staatlichen Anweisungen, planbare Operationen abzusagen. „Gerade im Bereich der Endoprothetik, also beim Gelenkersatz, fallen die OPs weitgehend weg“, erklärt Alexander.

Erfolgen dürfen aktuell nur noch nicht verschiebbare Eingriffe, etwa bei inneren Blutungen oder Tumoren, und selbstverständlich Notfalloperationen. Entsprechend habe man die betriebenen OP-Säle von fünf auf drei Stück zurückgefahren. „Das Personal wird entsprechend für die Betreuung von Corona-Patienten frei.“ Ein weiterer Schritt: „Wir werden wohl nicht drumherum kommen, Abteilungen zu schließen, um Kapazitäten freizuschlagen.“

Pflegepersonal auch an Freisinger Klinik am Limit: Anspannung und Erschöpfung groß

Normalerweise können im Klinikum Freising zwölf Intensivbetten betrieben werden. In den vergangenen Tagen seien es aufgrund der Personalsituation lediglich zehn Betten gewesen. „Das Ziel, an dem wir gerade arbeiten, sind 15 Intensiv- und zwei Überwachungsbetten“, erklärt der Kliniksprecher. Letztere organisiere man, wie berichtet, mit der gegenüberliegenden Stroke Unit, der Abteilung für Schlaganfallpatienten. Hier werden Patienten untergebracht, die nach wie vor Überwachung brauchen und auch mit Sauerstoff versorgt werden können, aber kein High-Care-Bett benötigen.

Entspannung oder gar der Ansatz einer Trendwende bezüglich der Infektionslage sei momentan nirgendwo in Sicht, sagt Alexander. Das schlage sich auf die Arbeitsatmosphäre nieder. „Ich spreche dem Personal das größte Lob aus: Die Leute arbeiten nach wie vor höchst professionell, ruhig und konzentriert.“ Doch natürlich sei die Anspannung und bei manchen auch die Erschöpfung groß. „Dass immer neue Patienten kommen, gepaart mit dem organisatorischen Aufwand, freie Betten bereitzustellen, und der Personalsituation generell, ist belastend und sorgt für Unruhe.“

Unverständnis für Ungeimpfte: Wochenlang auf der Intensivstation

Hinzu komme das „riesige Unverständnis“ für die ungeimpften Patienten. „Nicht, dass diese öffentlich verurteilt würden – dafür ist das Personal seinem Berufsethos viel zu sehr verpflichtet“, betont Alexander. Aber man könne es schlicht nicht verstehen.

„Fast ausnahmslos Ungeimpfte haben die schwersten Verläufe, liegen vier, fünf Wochen oder länger auf Intensiv – in Betten, die andere Schwerstkranke gut gebrauchen können. Dann liegen sie noch einmal wochenlang auf der Normalstation und müssen anschließend für mehrere Wochen in eine Reha-Einrichtung, wenn denn eine verfügbar ist. Und selbst dann sind sie noch nicht fit“, schildert der Klinikum-Sprecher den möglichen Ablauf, wenn sich jemand ungeimpft mit Corona infiziert. „Wie viel Lebenszeit nur durch Unvernunft verloren geht, ist unvorstellbar.“*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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