Ohne Windkraft in den einzelnen Kommunen ist die Energiewende im Kreis Freising nicht machbar, erläuterte Andreas Henze von der Bürger Energie Genossenschaft. RL
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Ohne Windkraft in den einzelnen Kommunen ist die Energiewende im Kreis Freising nicht machbar, erläuterte Andreas Henze von der Bürger Energie Genossenschaft.

Beim ersten Energiewende-Seminar für Kommunen offenbaren sich Schwächen, aber auch Chancen

„Tun, was in unseren Händen liegt“: Kommunales Energiewende-Seminar offenbart Schwächen, aber auch Chancen

Freisings Landrat will für die Energiewende „alles tun, was in unseren Händen liegt“. Und getan werden muss laut Bürger Energie Genossenschaft noch einiges.

Landkreis – Beim ersten Energiewende-Seminar für Kommunen und Mandatsträger in der Solarregion Freisinger Land versprach Landrat Helmut Petz für die angestrebten Klimazielen „alles zu tun, was in unseren Händen liegt“. Die Zeit drängt nämlich: Der Landkreis muss an Tempo zulegen, wenn der Energiewendebeschluss bis 2035 geschafft werden will. Ohne Windräder in Kommunen wird es nicht gehen.

„Nicht weniger, sondern gar kein CO2 mehr emittieren“

Referent Andreas Henze von der Bürger Energie Genossenschaft Freisinger Land fand klare Worte: „Wir sollen nicht weniger, sondern gar kein CO2 mehr emittieren.“ Hauptverursacher dafür seien fossile Energieformen – von denen müsse man sich in den nächsten 15 Jahren verabschieden. Ziel sei die dezentrale Vollversorgung mit erneuerbaren Energien in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität.

Doch was ist der aktuelle Stand? Die Flächennutzung des Landkreises für Energie-Gewinnung sieht ernüchternd aus: Mit großen Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind 0,1 Prozent, mit Windrädern nur 0,001 Prozent der Landkreis-Flächen belegt. Auf zehn Prozent der Dächer gibt es Photovoltaik-Anlagen. Das Altholz, mit dem Kraftwerke betrieben werden, nimmt den größten Posten ein: Die zweifache Menge aller Wälder im Landkreis werden dafür flächentechnisch benötigt.

Jede Kommune brauche mindestens ein Windrad

Um die Energiewende zu schaffen, gibt es laut Henze zwei Varianten: Bei der einen ist Sonnen- und Windenergie ausgewogen, bei der anderen überwiegt die Sonnenergie-Nutzung. Will der Landkreis mehr PV-Anlagen als Windräder, heißt das: Der Solar-Modul-Bestand müsse um den Faktor 4,5 erhöht werden, plus die Bestückung von 58 Prozent aller Landkreis-Dächer. Zudem brauche jede Kommune mindestens ein Windrad – und das in den nächsten 15 Jahren. Die Gemeinden müssten sämtliche kommunale Dächer nutzen sowie den privaten Ausbau anregen. Via Flächennutzungsplan könnten Gemeinden außerdem die 10H-Regelung für Windkraft-Räder mit einer Ausweisung von Wind-Sondergebieten aushebeln.

Raimund Becher von den Solarfreunden Moosburg gab den Mandatsträgern einige Tipps: Wichtig sei jetzt, konkrete Ziele zu setzen und diese auch zu überwachen. Bei Rückstand müsse man sich mehr anstrengen. Für ihn auch fundamental wichtig: die eigene Handlungsfähigkeit herzustellen, etwa durch Fortbildungen und der Bereitstellung von Ressourcen. Um die Energiewende zu schaffen, sei auf jeden Fall das gemeinsame Handeln und das Vernetzen von Akteuren dringend notwendig.

Fridays for Future wollen Energiewende bis 2030

Viel mehr Tempo wünschen sich Nadja Herzer und Fanny Wirth von der Freisinger Fridays-for-Future-Gruppe: Für sie müsse die Wende bis 2030 erledigt sein. Ihre Forderungen an den Landrat: Radschnellwege für den Pendelverkehr, Express-Busse und neue Straßen nur mit Netto-Null-Versiegelung. Außerdem sollte der Landkreis das Moor renaturieren und Biodiversität fördern. Die Befürchtung der beiden: Die Folgen der Klimakrise seien katastrophaler als die der Corona-Pandemie.

Eine „Fülle von Möglichkeiten“ zur Beschleunigung der Energiewende sieht Petz auf jeden Fall. Allerdings liege der „größte Block“ in gemeindlicher Hand. Der Landkreis selbst, so Petz, sei seit dieser Periode „ziemlich aktiv“. Aber er gestand auch ein: „Wir sind noch nicht sehr weit.“ Der Landrat möchte einen „Kassensturz“, und mit dem Klimagipfel im September und dem fortgeschriebenen Landkreis-Entwicklungskonzept erneut anpacken.

Richard Lorenz

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