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Jahrzehntelang war sie ein Versorgungspunkt an der Altstadt-Peripherie: die Korbinians-Apotheke. Foto: Lehmann

Konkurrenz durch online-Apotheken schreckt potentielle Nachfolger

Mit der Korbinians-Apotheke geht eine Ära zu Ende

Freising - Seit 1. Januar ist die traditionsreiche Korbinians-Apotheke in Freising geschlossen – für immer. Alle Bemühungen von Hausbesitzer Alfred Moll und Apothekerin Erika Ritter, einen Apotheker als Nachmieter zu finden, waren vergebens. Damit ist in Freising eingetreten, was seit Jahren befürchtet wird: Online-Shops ruinieren die Apotheken vor Ort.

„Einen Apotheker als Nachfolger zu finden, ist geradezu illusorisch“, berichtet Alfred Moll, der vor Erika Ritter die Korbinians-Apotheke geführt hatte. Monatelang versuchte man im vergangenen Jahr, einen Nachfolger zu finden – vergebens. Das Geschäft wird nämlich immer unattraktiver: Die Zahl der Online-Apotheken steigt rapide an, und eine aktuelle EU-Entscheidung macht es nun auch ausländischen Anbietern einfacher, „sich die Rosinen aus unserem System zu picken“, wie es die Freisinger Apotheken-Sprecherin Ingrid Kaiser formuliert. So geht an der Korbinians-Kreuzung, wo sich Generationen von Freisingern mit Medikamenten eindeckten und Tipps und Ratschläge von erfahrenen Apothekern bekamen, eine Ära zu Ende.

Der Abschied fiel Apothekerin Erika Ritter nicht leicht.

„Jetzt sind wir nur noch 14 Apotheken in Freising“, bedauert Ingrid Kaiser. Es müssten daher noch mehr Notdienste gestemmt werden, die jetzt bereits intensivst genutzt würden: „Über Weihnachten, Neujahr und Heiligdreikönig ging es unvorstellbar zu“, schildert Kaiser. Die Notdienst-Apotheker hätten am Limit geschuftet. Das werde sich nun weiter verschärfen. Die Versorgung der Kunden sei freilich auch künftig gewährleistet. Behaupten werde man sich künftig nur durch kompetente Beratung können: „Das ist das A und O“, weiß Kaiser, „und unsere Kunden wissen das auch zu schätzen.“

Allerdings ärgert sie maßlos, dass Online-Apotheken hier völlig außen vor blieben. Kaiser und andere Freisinger Apotheker haben Unterschriften ausgelegt, auf denen sich Kunden eintragen können. Es ist ein Appell an die Politik, „die gefährlichen Einflüsse von außen zu stoppen“. Auch wird aufgelistet, wohin der Trend zur Online-Apotheke führen könnte:

  • Keine Nacht- und Feiertagsdienste mehr.
  • Keine Rezepturen mehr für kranke Kinder.
  • Keine zuverlässige Beratung mehr für Schwangere.
  • Keine Kontrollen mehr zum Schutz vor gefälschten Medikamenten.
  • Keine Therapiebegleitung mehr für chronisch Kranke.

Die Resonanz sei enorm, berichtet Ingrid Kaiser: „Fast jeder Kunde, der darauf hingewiesen wird, unterschreibt auch. Alle wollen unbedingt, dass die Apotheken vor Ort bleiben. Auch die Politik. Wir erfahren hier viel Rückhalt.“ Etwa von MdB Erich Irlstorfer, der die Apotheker aus seinem Wahlkreis am Donnerstag Abend in Wolnzach zu einem Gespräch am Runden Tisch eingeladen hat.

Am Aus für die Korbinians-Apotheke freilich wird nichts mehr zu ändern sein. Apothekerin Erika Ritter hat sich mit einem Aushang in den Ruhestand verabschiedet. „Ich habe den dritten Lebensabschnitt erreicht. Leider hat sich kein Nachfolger für die Apotheke gefunden“, heißt es da. Auch ihr Vorgänger Alfred Moll bedauert die Entwicklung zutiefst. Der Korbinians-Apotheke werde nun ein Ladengeschäft folgen – welches, will Moll noch nicht verraten. Noch ist der Mietvertrag nicht unterzeichnet. 

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