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Kaum Zeit zum Luftholen: Kreatives Schauspiel Ensemble Freising wagt sich an Shakespeares „Hamlet“

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Von: Andreas Beschorner

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Intrigen im Staate Dänemark: Prinz Hamlet (2. v. l.) im Disput mit seiner Mutter und seinem Onkel Claudius, dem neuen König (3. v .l.). Laertes (r.) und Polonius verfolgen das Gespräch.
Intrigen im Staate Dänemark: Prinz Hamlet (2. v. l.) im Disput mit seiner Mutter und seinem Onkel Claudius, dem neuen König (3. v .l.). Laertes (r.) und Polonius verfolgen das Gespräch. © Beschorner

Das Kreative Schauspiel Ensemble aus Freising bringt einen absoluten Klassiker auf die Bühne: Noch sechs Mal ist Shakespeares „Hamlet“ in der Montessorischule zu sehen.

Freising – „Sein oder Nichtsein – das ist hier die Frage.“ „Da ist was faul im Staate Dänemark“. Kurz: „Hamlet“. Wer kennt das Drama um den dänischen Prinzen nicht? Wem fällt nicht sofort Shakespeare ein? Die Tragödie ist ohne Zweifel einer der ganz großen Klassiker der Theaterliteratur. Deshalb auch wie geschaffen für das Kreative Schauspiel Ensemble (KSE) aus Freising. Am Sonntag besuchte Hamlet die Montessorischule.

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Es sind drei Dinge, die zum Markenkern des KSE gehören. Erstens: Der Eintritt ist frei. Zweitens: Ein Programm mit den Schauspielern und den Rollen gibt es nicht – schließlich feiert man gemeinsam Erfolge, versteht sich eben als Ensemble. Und drittens: Klassiker vergangener Jahrhunderte werden zwar bühnentechnisch und von der Szenerie her in ein modernes, meist schlichtes Ambiente versetzt, die kraftvolle Sprache der Autoren und Dichter bleibt aber. Beim KSE ist es nicht der Effekt, der zählt, es sind die Worte, die Sätze, die Gesten, die das Publikum fesseln und in das Geschehen hineinziehen sollen.

Und es gab keinen Grund, bei der großen „Hamlet“-Inszenierung mit neun Schauspielern von diesem Erfolgsrezept abzuweichen. Ob tiefgründige Monologe oder spritzige, manchmal auch spitzbübische Dialoge, ob Sprache im Staccato oder langsame, in sich gekehrte Reden: William Shakespeare erfordert Konzentration. Bei Akteuren und Zuschauern. Und das umso mehr, wenn man eine derart rasante Inszenierung vorgesetzt bekommt wie die unter Regisseurin Leoni Mäurer.

Kein Zaudern, kein Zögern

Ein solches Feuerwerk braucht freilich Schauspieler, die den wahrlich nicht einfachen Text Shakespeares aus dem Effeff können: Da gab es kein Zaudern, kein Zögern, minimalste Versprecher wurden locker und souverän mit großer Verve einfach weggespült, und schon ging es weiter, immer weiter – fast atemlos wurde das Sujet um den gespielten Wahnsinn des Prinzen und die Intrigen am Königshaus vorangetrieben. Da waren denn auch die kurzen Umbaupausen auf der Bühne, bei denen drei von innen beleuchtete Würfel stets neu arrangiert wurden, gezielt und gut gesetzt, gaben die Chance, Luft zu holen, sich kurz zu entspannen, um sich dann gleich wieder von der nächsten Szene fesseln zu lassen, einzutauchen in die facettenreiche „Hamlet“-Welt des KSE.

Dass ein so vielschichtiges Werk wie Shakespeares „Hamlet“ eigentlich nicht erfasst werden kann, wenn man ihm nur einmal begegnet, versteht sich von selbst. Deshalb gibt es den beeindruckenden KSE-„Hamlet“ noch weitere sechs Mal zu hören und zu erleben: Am 8., 9., 10., 15., 16. und 17. Oktober betritt er (jeweils um 19.30 Uhr) die Bühne in der Turnhalle der Montessorischule. Und der Geist von Hamlets Vater wird auch wieder über Lautsprecher seinen Sohn dazu auffordern, Rache für den Mord an ihm zu nehmen. Der Eintritt wird wieder frei sein. Und ein Programm wird es auch wieder nicht geben.

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