1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Freising

„Davon habe ich nie zu träumen gewagt“: Kreisheimatpfleger Bernd Feiler ist in seinem Traumberuf angekommen

Erstellt:

Von: Andreas Beschorner

Kommentare

Der Historiker Bernd Feiler ist seit knapp einem Jahr neben der Archäologin Delia Hurka einer von zwei Kreisheimatpflegern. „Ich kann beruflich das machen, was ich auch gerne in meiner Freizeit tue“, sagt der Freisinger.
Der Historiker Bernd Feiler ist seit knapp einem Jahr neben der Archäologin Delia Hurka einer von zwei Kreisheimatpflegern. „Ich kann beruflich das machen, was ich auch gerne in meiner Freizeit tue“, sagt der Freisinger. © Lehmann

Seit einem Jahr ist Bernd Feiler hauptamtlicher Kreisheimatpfleger in Freising. Im Interview spricht er über seinen Traumberuf und was ihn gerade am meisten beschäftigt.

Freising – Bereits seit 2016 ist Bernd Feiler wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landratsamts Freising und kümmert sich um den Bereich Kultur und Heimatpflege. Seither hat er einige Projekte umgesetzt, unter anderem einen Volksmusikabend mit Nachwuchsmusikern veranstaltet und verschiedene Ausstellungen kuratiert. Er hält Führungen und Vorträge zu historischen wie volkskundlichen Themen, ist Autor heimatkundlicher Beiträge und arbeitet eng mit Kultureinrichtungen wie Museen, Schulen und Vereinen zusammen.

Zudem bietet er fachliche Beratung bei der Erstellung von Ortschroniken, Referaten und wissenschaftlichen Arbeiten zur Volks- und Heimatkunde an. Seit knapp einem Jahr ist Bernd Feiler nun hauptamtlicher Kreisheimatpfleger. Das Freisinger Tagblatt hat sich mit dem Historiker unterhalten, der jetzt in seinem Traumberuf angekommen ist.

Herr Feiler, Sie kümmern sich bereits seit 2016 als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landratsamts Freising um den Bereich Kultur und Heimatpflege. Sind Sie mit der Anstellung als hauptamtlicher Kreisheimatpfleger am Ziel Ihrer beruflichen Träume angelangt?

Als ich vor sechs Jahren das Stellenangebot des Landratsamtes für einen wissenschaftlichen Mitarbeiter in der Heimatpflege las, fielen mir sofort die Übereinstimmungen zwischen dem Anforderungsprofil und meinen erworbenen beruflichen Erfahrungen auf. Ich hatte dann genügend Zeit, mich einzuarbeiten und wurde 2020 zum Kreisheimatpfleger bestellt. Dass ich einmal Kreisheimatpfleger sein werde, habe ich nie zu träumen gewagt.

Was ist der besondere Reiz daran, gerade im Kreis Freising Kreisheimatpfleger zu sein?

Der Landkreis Freising hat eine interessante Geschichte und eine große kulturelle Vielfalt: Der Süden mit seinen Großgemeinden Neufahrn und Hallbergmoos ist stark vom Flughafen und der Nähe Münchens geprägt, während der Norden immer noch seinen ländlichen Charakter bewahrt hat. Die Holledauer Marktgemeinden Nandlstadt und Au strahlen großes Selbstbewusstsein aus, und das zu Recht. Freising und Moosburg haben jeweils ihr eigenes unverwechselbares Temperament. Das alles ergibt eine einzigartige Mischung.

Gibt es Spezial- oder Lieblingsgebiete, auf denen Sie besonders gerne arbeiten?

Archäologie ist der Aufgabenbereich von Frau Hurka. Meine Schwerpunkte sind Geschichte, Brauchtum, Dialekt, Musik, Theater und Tanz, also die allgemeine Heimatpflege. Alle diese Themen interessieren mich und machen mir Spaß. Ich kann also beruflich das machen, was ich auch gerne in meiner Freizeit tue. Das ist ein großes Glück.

Wie ist die Erkenntnislage im Landkreis Freising? Ist eigentlich schon alles aus der Vorzeit bekannt oder gibt es noch viel zu erforschen?

Es gibt Hunderte Bücher über den sogenannten Märchenkönig Ludwig II. und in allen steht das Gleiche. Dagegen sind weite Gebiete der lokalen Kultur- , Sozial- oder Mentalitätsgeschichte noch unerforscht. Dies gilt nicht nur für den Landkreis Freising, sondern das ist allgemein so. Auf welchen Wegen kamen die Menschen vor 100 Jahren von A nach B? Ab wann wurden im Landkreis Freising die Straßen asphaltiert? Wie war die ärztliche Versorgung auf dem Land? Gab es früher lokale Bräuche, die typisch für einen Ort waren, und wie sind sie entstanden? Viele solcher Fragen sind bis heute noch unbeantwortet.

Wie steht es um das Archiv? Ist alles geordnet und eingeordnet? Ist schon alles ausgewertet?

Bayern ist eines der wenigen Bundesländer, das keine Kreisarchive vorsieht. Die Gemeindeverwaltungen werden zwar angehalten, ihre alten Unterlagen zyklisch an die Staatlichen Archive abzugeben. Das wird aber sehr unterschiedlich gehandhabt. Im Landratsamt habe ich Einzeldokumente, vor allem aber Fotografien gefunden, die Rudolf Goerge in seiner Zeit als Kreisheimatpfleger gerettet hat. Die Archivalien stammen zum Teil aus verschiedenen Gemeinden, aber auch aus dem Landratsamt selber. Dieser Bestand wird kontinuierlich erschlossen und die werden Fotografien digitalisiert.

Auf welchem Stand der Dinge begannen Sie Ihre Arbeit? Anders ausgedrückt: Wie wertvoll war die Arbeit Ihres Vorgängers Erwin Neumaier?

Mein Vorgänger war Rudolf Goerge, Erwin Neumaier war für die Bodendenkmalpflege zuständig. Rudolf Goerge hat zu unterschiedlichsten Themen geforscht und publiziert. Er häufte über Jahre einen Wissensschatz an, den man gar nicht hoch genug bewerten kann. Darüber hinaus hat Rudolf Goerge eine feine Bibliothek von etwa 5000 Medien zusammengetragen, die von mir schrittweise erweitert und EDV-gestützt katalogisiert wird. Viele Dinge, die Rudolf Goerge entwickelt hat, werden von mir fortgeführt, wie beispielsweise die Musikreihe „Musik im Marstall“, auch wenn derzeit wegen Corona hier nichts möglich ist.

Welches Projekt oder Vorhaben beschäftigt Sie gerade am meisten?

Gemeinsam mit einigen Landkreisgemeinden prüfen wir derzeit, ob im Rahmen des Projektes „Kultursommer 2021 – Bayern spielt“ trotz Corona auf Freiflächen Veranstaltungen möglich sind. Der Impuls ging dabei vom Bayerischen Innenministerium aus.

Haben Sie neue Ideen oder Vorstellungen, wie man Geschichte und Historie den Menschen näherbringen kann?

Das soll ja nichts für den berühmten Elfenbeinturm sein. Ich möchte Menschen durch konkrete Angebote und Hilfestellungen zur Beschäftigung mit der Heimatgeschichte bringen. Das Zusammenwirken mit den Schulen ist mir in diesem Zusammenhang ein wichtiges Anliegen. Als Unterstützung und Ergänzung für den Unterricht habe ich deshalb Führungen und Unterrichtseinheiten entwickelt. Die Themenschwerpunkte orientieren sich an den Lernbereichen und Kompetenzerwartungen des neuen Lehrplan PLUS. Die Resonanz seitens der Schulen war sehr positiv, aber leider stockt das Ganze wegen Corona. Generell möchte ich Schüler, Studenten und Heimatforscher bei Referaten, Hausarbeiten oder Projekten unterstützen. Weitere Angebote, auch digitale, werden sich an eine breitere Öffentlichkeit richten. Mich erreichen wöchentlich mehrere Anfragen zu verschiedensten Themen. Vor ein paar Monaten hat sich sogar ein Kunstsammler aus Chicago mit einem Anliegen bei mir gemeldet.

Mit Delia Hurka gibt es eine zweite hauptamtliche Kreisheimatpflegerin im Landkreis. Wie teilen Sie sich die Arbeit auf?

Frau Hurka ist als studierte Archäologin hauptamtlich für die Bodendenkmalpflege zuständig, ich betreue die allgemeine Heimatpflege. Außerdem ist noch ein*e ehrenamtliche*r Heimatpfleger*in für die Baudenkmalpflege vorgesehen, diese Stelle ist derzeit vakant.

Gibt es eigentlich noch Ecken im Landkreis, die Sie nicht kennen?

Ich kenne noch nicht alle Ortschaften der Gemeinde Rudelzhausen, außerdem war ich noch nie in der Siedlung „Am Geflügelhof“ bei Unterschleißheim, die gewissermaßen ein Außenposten des Landkreises Freising ist.

Was ist Ihr Lieblingsplatz im Landkreis? Und warum?

Das kommt auf die Jahreszeit und die Stimmungslage an. Im Frühjahr bin ich gern in der Echinger Lohe. Sehr wohl fühle ich mich auch in den Isarauen zwischen Hangenham und Oberhummel, im Ampertal und der Holledau. Und dann natürlich der Freisinger Domberg. Dort wurde schon in der Kinderzeit mein Interesse für Geschichte, Kunst und Religion geweckt.

Freising-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Freising-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Freising – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare