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Der Mann fürs Filigrane: In seiner Werkstatt repariert und baut Walter Schwind seine Krippen. Oft bekommt er alte Figuren geschenkt, für die er eine neue Umgebung gestaltet – in liebevoller Handarbeit und mit Blick fürs Detail.

Für Jesu Geburt muss alles stimmen

„Sie ist der wichtigste Ort“: Freisinger Krippenbauer erzählt von seiner Leidenschaft

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Die Weihnachtskrippe aufzustellen, ist für Walter Schwind ein Ritual, eine Art Meditation. Weil Krippen für den 72-Jährigen einen besonderen Wert haben, baut er sie selbst – seit mehreren Jahrzehnten.

Freising – Der Himmel ist tiefschwarz, zwei Laternen geben Licht. Maria sitzt auf einer Bank, während Josef einen Wirt um eine Unterkunft bittet. Die Szenerie sticht in der Diele von Walter Schwind sofort ins Auge. Es ist die Herbergssuche, die derzeit in der Jahreskrippe in der fensterförmigen Einlassung in der Wand zu sehen ist. Die Jünger am Ölberg am Gründonnerstag, der Emmausgang am Ostermontag, eine Marien-Szene im Mai und jetzt eben die Herbergssuche: Das Kunsthandwerk begleitet den 72-jährigen Freisinger mit verschiedenen Motiven durch alle vier Jahreszeiten. Doch nun, zu Weihnachten, gibt es in seinem Haus noch viel mehr solcher Schätze zu bewundern.

„Ich fand Krippen schon immer faszinierend“

„Ich fand Krippen schon immer faszinierend“, sagt Schwind. Seine Leidenschaft wurde früh geweckt: Mit zehn Jahren stellte er seine erste Krippe auf. „Der Mesner in unserer Kirche hat gemeint, dass ich das schnell machen könne“, erinnert sich der gebürtige Lenggrieser, der seit 44 Jahren in der Domstadt lebt, und schmunzelt. „Doch nach eineinhalb Stunden war ich noch nicht fertig.“ Es dauerte eben seine Zeit, bis Maria und Josef, das Jesuskind, die Hirten und Schafe perfekt platziert waren. Denn darauf, dass alle Blickrichtungen und die Beziehungen der Figuren untereinander ideal passen, legte Schwind schon als Bub größten Wert. „Da bin ich ein Ästhet.“

Erstlingswerk: Diesen Krippenkasten hat Walter Schwind 1991 für seine Mutter gebaut. Die Jahreszahl hat er am Türstock festgehalten.

Die erste Krippe war für seine Mutter

Der Einsatz hat sich gelohnt: „Die Bevölkerung hat mich sehr gelobt – und dann war der Mesner überzeugt.“ In den darauffolgenden Jahren hat der heute 72-Jährige unzählige Krippen aufgestellt. Später machte er sich daran, kaputte Kulissen, etwa einen Stall, zu reparieren und selbst zu bauen. „Damals wurden auch die Scheinwerfer selbst gefertigt“, erzählt der gelernte Metallbauer.

Seine erste komplette Eigenkreation ist ein blauer Krippenkasten, den Schwind für seine Mutter gebastelt hat. Das Praktische: „Da muss man nur die Tür aufmachen und schon sieht man alles.“ Die Kulisse hat Schwind in mühevoller Feinarbeit gebaut, bemalt und detailreich dekoriert.

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„Ich brauche keinen Plan und keinen Meterstab“

Die Fellweste des Hirten, Marias Schultertuch und Josefs Mantel hat er selbst geschneidert. Nur die Figuren in seiner ersten Krippe stammen nicht aus der Hand des Freisingers. „Die habe ich von einer Pfarrei bekommen.“ Das sei ohnehin gut gewesen. „Das feine Schnitzen – Köpfe, Hände und Füße – das kann ich nicht“, gibt Schwind zu. Aber das ist wohl schon die einzige Sache, bei der er sich Unterstützung holt. Ansonsten vertraut er völlig auf seine Erfahrung, sein geschultes Auge und seine Fantasie. „Ich brauche keinen Plan und keinen Meterstab.“ Ihm reichen Ideen und Inspiration, die er in seiner Werkstatt im Keller in die Tat umsetzt.

Nach seinem Erstlingswerk, der Krippe für die Mutter, hat er zahlreiche weitere für Kinder, Enkel, Verwandte, Bekannte und den Freisinger Krippenverein gebaut, eine auch für Weihbischof Bernhard Haßlberger. Früher war Schwind zudem für die Jahreskrippe in der Kirche St. Georg zuständig. Das hat mittlerweile sein Sohn Korbinian übernommen.

„Man muss schon ein bissl damisch sein“

Schwind hat kurz vor Heiligabend ohnehin genug zu tun. Zu Hause stellt er sechs Krippen auf, weil er sich nicht für eine entscheiden kann. „Man muss schon ein bissl damisch sein“, sagt der Rentner, der noch als Diakon tätig ist, und lacht. Es ist eben seine Leidenschaft.

Eine Krippe ist für den 72-Jährigen mehr als die Darstellung von Jesu Geburt. „Als Kind war für mich unsere Pappmaché-Krippe der wichtigste Ort.“ Davor zu meditieren, gehört für ihn an Weihnachten dazu. „Ich lese die Bibeltexte und hole mir die Botschaft jedes Jahr ins Gedächtnis“, sagt Schwind.

„Heimat bedeutet, angenommen zu werden“

„Was bedeutet „Herbergssuche? Es bedeutet viel mehr als ein Bett und Essen. Es bedeutet, angenommen zu werden.“ Weihnachten sieht er nicht als das Fest der Liebe, sondern als das Fest der Annahme und Akzeptanz. „Es geht um Themen, die noch immer aktuell sind – zum Beispiel mit Blick auf die Flüchtlingssituation“, erklärt Schwind. Viele Menschen heute seien ebenso auf der Suche nach dem Sinn wie damals die Hirten oder die Heiligen Drei Könige. Krippen zu bauen und aufzustellen, das Christuskind im Stroh zu betrachten, könne dabei helfen, davon ist Walter Schwind überzeugt. Vielleicht ist das auch das Geheimnis von Weihnachten.

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