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Freiwilliger Kultur-Lockdown wegen dramatischer Corona-Lage? Freisinger Verantwortliche treffen Entscheidung

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Von: Magdalena Höcherl, Manuel Eser

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Alle Scheinwerfer auf 2Gplus: Beim Konzert von D’Bavaresi im Lindenkeller mussten die Zuschauer geimpft und getestet sein. Alles lief reibungslos.
Alle Scheinwerfer auf 2Gplus: Beim Konzert von D’Bavaresi im Lindenkeller mussten die Zuschauer geimpft und getestet sein. Alles lief reibungslos. © Andresen

Im Freisinger Kulturbetrieb wurde angesichts der dramatischen Corona-Lage über einen freiwilligen Kultur-Lockdown nachgedacht. Jetzt gibt es eine Entscheidung.

Freising – Das Wochenende, es war ein einziges Wechselbad der Gefühle für Fritz Andresen. Zunächst freute sich der Konzert-Organisator der Stadtjugendpflege Freising, dass am Freitag das Konzert im Lindenkeller, bei dem erstmals 2Gplus zum Einsatz kam, reibungslos ablief.

Doch die Corona-Lage, die am Samstag und Sonntag immer dramatischer wurde, trübten die gute Laune schnell: neue Mutante, drastisch steigende Patienten-Zahlen in den Kliniken, bundesweite Triage – das alles brachten Andresen zum Nachdenken. „Im Anbetracht der Situation war ich mir nicht mehr ganz sicher, ob wir mit unserem kulturellen Programm so weitermachen können.“

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Entsprechend heiß liefen die Drähte am Montag zwischen den Verantwortlichen im Freisinger Kulturbetrieb. Die Frage: weitermachen oder in den freiwilligen Lockdown gehen? Am Montagnachmittag stand die Entscheidung dann fest. „Wir ziehen unser Programm durch, solange es die Staatsregierung zulässt, und die Künstler es wollen“, sagte Andresen dem FT.

Das sei das Ergebnis eines intensiven Abwägungsprozesses mit den verschiedenen Kulturschaffenden. Und auch OB Tobias Eschenbacher habe laut Andresen dazu seinen Segen gebgeen, solange Kulturveranstaltungen gesetzlich erlaubt seien und die aktuell geltenden Hygienevorschriften eingehalten würden.

Gute Erfahrungen mit 2Gplus

Ausschlaggebend für die Entscheidung war für Andresen auch, dass die derzeitige Corona-Reglung die größtmögliche Sicherheit für Kulturveranstaltungen gewährleistet. Seit 24. November gelten verschärfte Regeln: eine maximale Auslastung von 25 Prozent, dazu 2Gplus als neuer Standard, mit dem die Stadtjugendpflege erste gute Erfahrungen gemacht hat.

Am Freitag beim Auftritt des Trios D’Bavaresi mussten die Besucher erstmals am Eintritt neben einem Impfnachweis ein Zertifikat über einen negativen Antigen-Schnelltest vorlegen. „Und das lief erstaunlich gut. So gut, dass ich selbst überrascht war“, sagt Andresen. Nur 20 Prozent der Ticketkäufer hätten ihre Karten zurückgegeben. Der Rest hätte sich diszipliniert an die neuen Maßgaben gehalten. „Es war ein toller Abend.“

Herausforderungen für Organisatoren riesig

Das hat auch mit der erstklassigen Arbeit der Verantwortlichen zu tun, die wieder mal vor völlig neuen Herausforderungen stehen. Kulturamtsleiter Markus Bader berichtet, er habe seit dem Bekanntwerden der neuen Regeln alle Hände voll zu tun, um sowohl mit Künstlern und Agenturen als auch mit den Besuchern zu kommunizieren. „Der Vorverkauf für Veranstaltungen läuft ja schon wochenlang“, sagt Bader. Sowohl über die Homepage als auch telefonisch und über den Kartenvorverkauf versuche man, das potenzielle Publikum bestmöglich zu informieren.

Zum Beispiel auch darüber, dass manche Künstler im Zuge der Regelverschärfungen von sich aus absagen, wie Bader mitteilt. So fällt etwa für Freitag, 3. Dezember, geplante Auftritt von Christine Eixenberger in der Luitpoldhalle aus. Auch das Dschungelbuch, eine Theatervorstellung für Kinder am 6. Dezember, entfällt. Wegen anderer Produktionen, etwa der Komödie „Der Sittich“ mit Michaela May, stehe der Kulturamtsleiter noch im Austausch. Denn selbst wenn gespielt werden könnte, gebe es noch einiges zu klären: „Für Michaela May haben wir aktuell 260 Karten verkauft, aber nach der 25-Prozent-Regel dürfen wir nur maximal 200 reinlassen.“

Bittere Situation, aber kein Gejammer

Was Bader betont: „Theater sind sichere Orte. Wir halten uns natürlich strengstens an alle Auflagen: Belüftung, Maske, Tests, et cetera.“ Bei der Bestuhlung achte man auch nach wie vor an die Mindestabstände, obwohl diese zwischendrin nicht mehr notwendig gewesen wären.

Die fehlende Planungssicherheit ist ein Problem. Vorerst bis 15. Dezember gelten die aktuellen Regeln. Und danach?. „Wir sind in Habachtstellung“, sagt Bader. „Für die Kultur ist die Situation bitter.“ Trotz allem: Jammern möchte Bader nicht. „Mehr als 100 000 Tote, die Lage in den Krankenhäusern, das, was das Pflegepersonal täglich leistet: Das dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren. Es geht um Menschenleben.“

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