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Brillanter Wortwitz: Das Lach- und Schieß-Quartett mit Sebastian Krüger, Norbert Bürger, Caroline Ebner und Frank Smilgies (v. l. ) glänzte im Lindenkeller.

Lach- und Schießgesellschaft im Lindenkeller

Heimspiel für Norbert Bürger

Freising - Ein Abend zwischen philosophischen Wortspielen, genialen Musikstücken, bösen Texten und witzigen Kalauern: Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft gastierte am Sonntag im Freisinger Lindenkeller. Es war das Heimspiel für Norbert Bürger, den Mann, auf dessen musikalische Brillanz das restliche Trio, bestehend aus Caroline Ebner, Sebastian Rüger und Frank Smilgies, baut.

Eine Art Opern-Ouvertüre mit Heavy Metal-Passagen – schon zum Einstieg ist klar, wo die Reise mit dem neuen Quartett der Lach- und Schießgesellschaft hingeht: ins Absurde, ins Groteske, ins Überraschende. Und auch gleich am Anfang wird klar, wieso das Programm „Wer sind wieder wir“ heißt: Eine gnadenlos verwirrende und dabei doch vor Wahrheit und tiefen Einblicken und Erkenntnissen strotzende Satzakrobatik zeigt, dass „wir wieder wer sind“, wir uns aber fragen müssen, ob wir wieder so sein wollen. 

Solche tiefschürfenden Nummern, das ist die eine Seite der Lach- und Schießgesellschaft. Da darf zum Beispiel ein Ruhrpottler eine Erlebnisreise buchen, kann sich aber zwischen Syrien und dem IS, dem Terror in Afrika, Auseinandersetzungen in der Ukraine und echten Piraten nicht entscheiden. Und dann gibt es da noch die Politikersatire: Ebner, die zwar meist die Schwäbische gibt, brilliert als Tsipras-Imitatorin („Wir schitschen in die Cheische“), Bürger macht den Söder – indem er sich hinstellt und machomäßig aufpumpt. Und sonst nichts. „Wow!“ loben seine Mitspieler. Bürger, der vor allem den musikalischen Esprit und die Gitarrensatire einbringt – so eine verquere und grandios verrückte Interpretation der US-Hymne wie die zu Ehren von Donald Trump hat es seit Jimi Hendrix nicht mehr gegeben – kann also auch den Komiker. Kann eindrucksvoll darlegen, wie man einen Witz desaströs falsch erzählt. 

Mit Rüger und Smilgies (bekannt auch als Kabarettisten-Duo Ulan & Bator) stehen zwei andere Erzkomiker auf der Bühne, die auch vor Kalauern nicht zurückschrecken; „Jogging ist gesund – außer man ist ein Gelenk“. Aber man vernimmt da oder auch die böse Erkenntnis eines Multmilliardäres, dass Neid die Würde der armen Menschen sei. Wer gehört hat, wie das Quartett in Maschinengewehr-Geschwindigkeit bekannte Sätze berühmter Politiker aneinanderreiht, deren Arrangement auf ganz groteske Weise die Sinnsprüche miteinander kommunizieren lässt, wer dann merkt, wie die Sprüche sich auflösen und neu komponiert werden („Blühende Landschaften sind schwul – und das ist gut so“), der weiß: Die Münchner Lach- und Schießgesellschaft ist wieder wer. Sie ist so viel, dass sie in einer Nummer sogar „das neureiche Lerchenfelder Gschwerl“ düpieren darf und im selben Atemzug einer Immobilienbesitzerin auf die Überlegung, ob man nicht Flüchtlinge unterbringen könne, die Worte in den Mund legen darf: „A geh, Flüchtlinge hat doch jeder.“ Vielleicht gerade wegen solcher satirischen Stücke steht der Zuschauer am Ende da und könnte sich schon fragen: „Wer sind wieder wir?“

Andreas Beschorner

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