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Der Grüne Markt in der Luitpoldanlage schmeckt einigen Innenstadt-Geschäftsleute überhaupt nicht. Sie wollen den Markt wieder in der Altstadt haben.

„Die Innenstadt ist tot“

Verzweifelter Hilferuf: Freisinger Ladenbesitzer fordern Wochenmarkt zurück

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Corona und Großbaustelle setzen den Freisinger Ladeninhabern an der Oberen Hauptstraße zu. Ihre Forderung: Der Wochenmarkt muss in die Innenstadt zurück. Die Stadt hat bereits reagiert.

VON ANDREAS BESCHORNER

Freising – Es waren und sind harte Zeiten für die Geschäftsleute in der Freisinger Innenstadt: Seit Jahren begleitet sie der (abschnittsweise) Innenstadtumbau, jetzt auch noch die Corona-Krise mit einem wochenlangen Lockdown. Und deshalb fehlt seit Langem eine Veranstaltung, die zuverlässig und kontinuierlich potenzielle Kunden in die Altstadt gelockt hat: der Wochenmarkt am Mittwoch und Samstag. Denn der ist bekanntlich Corona-bedingt in die Luitpoldanlage umgesiedelt worden. Jetzt kommt ein Hilferuf der Unternehmer an die Stadt.

“Mittwoch und Samstag ist die Innenstadt tot“

Agnes Beis ist die Inhaberin von „Glory’s Boutique“ in der Oberen Hauptstraße 7. Sie und einige andere Geschäftsleute fordern die Stadt auf, den Wochenmarkt wieder in der Altstadt stattfinden zu lassen. Grund: „Am Mittwoch und Samstag ist die Innenstadt tot“, wie es Beis formuliert. Die Aussage aus der Stadtverwaltung, das sei nicht möglich, weil die Abstandsregeln nicht einzuhalten seien, können Beis und ihre Kollegen nicht so recht nachvollziehen: Man müsse sich nur manche Außengastronomie in der Innenstadt ansehen, da sei von Abstandsregeln auch nichts zu bemerken. Und die Stadt selbst könne diese Corona-bedingte Maßnahme ja auch nicht überall gewährleisten, wenn beispielsweise Teilabschnitte der Hauptstraße wegen der Bauarbeiten so eng seien, dass man als Passant 1,5 Meter Entfernung zu einem entgegenkommenden Bürger gar nicht einhalten könne.

Der Stadt sind die Hände gebunden

Die Geschäftsleute, mit denen Beis geredet habe, sehen das genauso, wollen den Markt wieder in der Innenstadt haben. Und: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Unternehmer da dagegen ist.“ Doch der Stadt seien die Hände gebunden, so Pressesprecherin Christl Steinhart. So lange die Staatsregierung keine entsprechenden Lockerungen verfüge und die Maskenpflicht bestehe, gelte die Abstandsregel. Und damit bleibe die Luitpoldanlage als einzige Möglichkeit, den Markt abzuhalten. Denn: „Wir können uns nicht selbstherrlich über Verfügungen und Vorgaben der Staatsregierung hinwegsetzen.“

Für die Geschäftsleute ist die Lage prekär

Freilich sei der Stadt die prekäre Lage der Geschäftsleute bewusst, aber derzeit könne man da nichts machen. Und auch eine Aufteilung des Marktes sei nicht machbar: Der Marienplatz ist ein Wendehammer, die Obere Hauptstraße eine einzige Baustelle, die Untere Hauptstraße für alle Marktbeschicker und die Kunden zu eng.

Der Wendehammer am Freisinger Marienplatz sollte wieder verschwinden, forden einige Geschäftsleute der Innenstadt. Vielmehr sollte der Grüne Markt dort wieder aufgebaut werden.

Immerhin: Die Grünen-Stadträtin Charlotte Reitsam hat jüngst auf Facebook ein Bild vom Stadtmarkt in Augsburg gepostet und dazu geschrieben, hier würde „keiner die Idee haben, den Stadtmarkt aus der Innenstadt auf einen Parkplatz zu verbannen“.

Ihr Appell an alle ihre Kollegen im Stadtrat: „Habt den Mut, den Stadtmarkt zurückzuholen als Magnet für die Altstadt.“ Denn sonst würde Freisings Innenstadt veröden. Die derzeitige Corona-Krise und der Innenstadtumbau ermöglichten so „quasi durch die Hintertür“ die „jetzt politisch mehrheitsfähige Fußgängerzone“, glaubt Charlotte Reitsam.

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