Box, die Luftdaten misst
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Mit diesen Gerätschaften wird die Luftqualität in den Camerloher-Klassenzimmern gemessen.

Landkreis nimmt an Messungen teil

Filter oder Fenster auf: Studie „Sicheres Klassenzimmer“ soll das Geheimnis lüften

  • Andreas Beschorner
    VonAndreas Beschorner
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Der Landkreis Freising nimmt an der Studie „Sicheres Klassenzimmer“ teil. Sie soll in der Debatte um Luftfilter Antworten geben, was am Besten vor Corona schützt.

Freising – Drei Mal hat sich der Schulausschuss des Landkreises mit der Anschaffung von mobilen Luftreinigungsgeräten für die 13 Landkreis-Schulen beschäftigt. Drei Mal hielt man sich an die Aussagen des Umweltbundesamtes, hat daher nicht für alle 675 Klassenzimmer, sondern „nur“ für 29 schlecht belüftete Räume solche Luftreiniger besorgt. Weil man aber laut Landrat Helmut Petz „wirklich alles tun will, was sinnvoll ist,“ und „nichts unversucht lassen“ will, um Kinder in den Schulen vor Corona-Infektionen zu schützen, hat man sich jetzt dem Forschungsprojekt „Sicheres Klassenzimmer“ der Hochschule München angeschlossen.

Ziel des Forschungsprojekts, an dem auch die TU München, die LMU und das Max-Planck-Institut Mainz mitwirken, ist es, durch Messungen der Luftqualität in Klassenzimmern über ein ganzes Schuljahr hinweg zu Erkenntnissen zu gelangen, wie sich welche Lüftungsvarianten und Luftreinigungsgeräte auf die Luftqualität und damit auf die Aerosol-Belastung in Klassenzimmern auswirkt.

Insgesamt werden 59 Sensoren in Landkreis-Schulen installiert

Professor Christian Schwarzbauer von der Hochschule München war am Donnerstag in das Camerloher-Gymnasium gekommen, um die Studie und die Mini-Kästchen mit ihren vielfachen Sensoren, die ganz viele Parameter aufzeichnen, vorzustellen. Wichtiger Ansatzpunkt der Studie sei es, flächendeckend zu untersuchen, verschiedene Räume und Schultypen zu studieren und die Ergebnisse über ein ganzes Jahr hinweg zu sammeln. Denn beispielsweise im Winter würde sicherlich weniger gelüftet als im Sommer.

Bei der Vorstellung: (v. l.) Florian Plajer (Hoch-und Tiefbau, Landratsamt), Schulleiterin Andrea Bliese, Landrat Helmut Petz und Prof. Christian Schwarzbauer.

Die Daten, die die Sensorbox empfängt – in jeder Landkreisschule werden zwischen drei und acht solcher Boxen installiert, insgesamt sind es 59 – werden im Minutentakt per Funk an eine sogenannte Gateway gesendet. Diese etwas größere Box speichert die Daten für die spätere Auswertung. Die Boxen werden in Klassenzimmern mit unterschiedlichsten Lüftungsszenarien eingerichtet.

Erste Ergebnisse soll es Ende des Jahres geben

Auf diese Weise erhofft man sich endlich Aufschluss darüber, welche Belüftungssysteme tatsächlich im Präsenzunterricht wie und wo wirken. Wann genügt einfaches Lüften? Wo und wie viel helfen welche Luftreinigungsgeräte wirklich? Um welchen Faktor wirksamer sind dezentrale Abluftanlagen? Sowohl Petz als auch Schwarzbauer hoffen, dass die Ergebnisse die teils emotionalen Diskussionen um die Beschaffung von Luftreinigungsgeräten auf eine faktenbasierte Ebene zurückholen – auch wenn das für dieses Schuljahr wohl nicht mehr relevant werden dürfte.

Zwar sollen erste Ergebnisse im November oder Dezember vorgelegt werden, so Schwarzbauer, erste belastbare Aufschlüsse und daraus resultierende Erkenntnisse könne man aber erst im Februar/März oder dann eben nach Abschluss des Forschungsprojekts erwarten. Die Resultate der Studie, an der der Landkreis teilnimmt, und die den Kreis 20 000 Euro kostet, seien aber auch mittelfristig wichtig, so Hoch- und Tiefbauamtsleiter Florian Plajer bei dem Termin im Camerloher-Gymnasium. Die Erkenntnisse seien auch für die Zeit nach der Pandemie von Belang, wenn man Schulen umbaue, saniere oder neu errichte.

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