Neue Details zur Ablösung des Klinik-Geschäftsführers Andreas Holzner nannte Landrat Helmut Petz gegenüber den Kreisräten.

Kreisräte wundern sich über Vorgehen

Landrat Petz nennt neue Details zur Ablösung des Klinik-Geschäftsführers

  • Andreas Beschorner
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Mit großer Verwunderung haben Kreisräte auf die überraschende Ablösung des Klinik-Geschäftsführers Andreas Holzner reagiert. Der Landrat nannte daraufhin neue Details.

Freising – Das Klinikum Freising hat 2019 ein Defizit von 2,5 Millionen Euro eingefahren, nachdem man bereits 2018 ein Minus von 776 000 Euro verbucht hatte. Und auch 2020 wird – vor allem auch wegen der Corona-Situation – ein „negatives Betriebsergebnis“ erwartet. Das berichtete Interimsgeschäftsführerin Maren Kreuzer am Donnerstag im Kreistag.

Kreuzer begründete das relativ hohe Defizit nicht mit der Zahl der Fälle und Patienten (2019 waren es 18 877 stationär und 20 096 ambulant), sondern mit dem Schweregrad der Fälle. Der sich daraus ergebende Casemix nehme beständig ab: Schwere und komplizierte Fälle würden immer weniger im Klinikum behandelt. Die würden aber mehr Geld einbringen als einfachere Fälle, die zunehmen. Und schon war man bei dem geschassten Geschäftsführer Andreas Holzner.

Mehrere Ärzte hatten Führungsstil kritisiert

Landrat Helmut Petz schilderte vor dem Hintergrund der Entwicklung des Casemix, dass es eben Handlungsbedarf gebe, um das Klinikum „medizinisch und qualitativ nach oben zu bringen“. Noch vor der Sommerpause soll eine Task Force gegründet werden, um eine solche Neukonzeption zu erarbeiten. Ein Punkt: Der Casemix müsse besser werden, denn „von alleine passiert das nicht“.

Doch den Kreisräten genügten diese Aussagen und das, was sie über die Presse erfahren hatten, nicht. Wie berichtet, war der 2014 installierte Geschäftsführer Holzner vor einem Monat völlig überraschend abgelöst worden. Der Aufsichtsrat des Klinikums beendete die Zusammenarbeit, nachdem wiederholt etliche Angestellte, darunter auch mehrere Chefärzte, ein extrem angespanntes Verhältnis zu Holzner hatten und  dessen Führungsstil kritisierten.

Martin Pschorr (SPD) wunderte sich, dass man bei Berichten aus dem Klinikum im Kreistag bisher von den Problemen „nicht auch nur annähernd etwas erfahren“ habe. Besonders Erich Irlstorfer (CSU), lange Zeit selbst Mitglied im Aufsichtsrat und Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestags, hakte nach: Wie habe sich Landrat Petz in der kurzen Zeit seit seinem Amtsantritt überhaupt ein Bild von der Atmosphäre im Klinikum machen können, um eine so schwerwiegende Entscheidung zu treffen. Fragwürdig sei auch, dass die Klinik-Mitarbeiter nach der Neuzusammensetzung des Aufsichtsrats mehr „Macht“ hätten und über ihren eigenen Chef abstimmen könnten. 

Petz antwortete, zu dieser Entscheidung sei man zum einen wegen der Zahlen aus dem Klinikum gekommen, zum anderen habe er schon vor seinem Amtsantritt im Mai ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern bemerkt. Beispiel: Für den Aufsichtsrat habe man zunächst keinen Arbeitnehmervertreter finden können, weil die Kommunikation da schon nur über Rechtsanwälte lief. Und dieser Eindruck „atmosphärischer Störungen“ habe sich in den folgenden Wochen verfestigt. Selbstverständlich habe er mit den Beteiligten zuvor das Gespräch gesucht, die Dinge seien aber „zu festgefahren“ gewesen.

Kreisrätin stößt einiges sauer auf

Doch auch diese Infos genügten beispielsweise Birgit Mooser-Niefanger (FSM) nicht: „Wir brauchen präzisere Antworten.“ Dass die Kommunalpolitiker zudem über das offenbar zu diesem Zeitpunkt schon feststehende Prozedere, Holzner abzuberufen, bei der konstituierenden Kreistagssitzung nichts gehört hatten, stieß Mooser-Niefanger ebenfalls sauer auf. Petz antwortete, da wisse die FSM-Kreisrätin mehr als er. Es hätten Diskussionen über die Personalie Holzer stattgefunden, eine Entscheidung habe es da aber noch nicht gegeben. Trotzdem: Weil das Informationsbedürfnis der Kreisräte groß war, versprach Petz die Einberufung einer Sondersitzung zu diesem Thema nach der Sommerpause.

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