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Uralt, aber grundsaniert ist das im 16. Jahrhundert errichtete Peslmüller-Haus an der Ziegelgasse. Eva Fritz (rechts) zeigt den Teilnehmern der Stadtführung vor Ort ein Bild des Eigenbrötlers Franz Xaver Peslmüller, nach dem das Haus benannt wurde. 

Die Lange Nacht der Stadtführer

Von Eigenbrötlern und Arbeitstieren

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Nicht nur Kreuzberger Nächte sind lang. Auch die Freisinger Stadtführer haben eine lange Nacht zu bieten. Am Freitag gab es zwischen 18 bis 23 Uhr nicht weniger als 29 verschiedene Führungen – manche nur ein Mal, manche vier Mal. Weihenstephan, Domberg, Altstadt – das war im Angebot. Und rund 400 Interessierte zeigten gute Kondition und absolvierten in allen vier Durchgängen eine Führung nach der anderen. Am Ende war ab 23.30 Uhr Erholung in der Stadtpfarrkirche St. Georg mit einem Orgelkonzert von Martin Poruba angesagt.

Freising– Das Salettl oder auch der Dekanatssaal auf dem Nährberg, verborgene Räume und italienische Einflüsse auf dem Domberg, Wissenswertes zu Juckpulver und Henkern – die Themenpalette war breit. Weil zum Beispiel das Stadtmuseum bekanntlich aus dem Asamgebäude „ausgeflogen“ ist, kam das Museum eben zu den Besuchern: Eva Fritz hatte einige Porträts bekannter Freisinger Bürger in Kopie mitgebracht und erläuterte anhand dieser Persönlichkeiten wichtige Bauwerke und Häuser in der Altstadt. Zum Beispiel das im 16. Jahrhundert errichtete und vor einigen Jahren grundsanierte Peslmüller-Haus an der Ziegelgasse, benannt nach Franz Xaver Peslmüller – einem kruden Eigenbrötler, wie Fritz sagte, der im Ersten Weltkrieg zur See gefahren war.

Auf dem Weg von der Ziegelgasse zum Marienplatz galt dann rechts vor links. Die große Gruppe, die mit Norbert Zanker Hauszeichen an historischen Bürgerhäusern begutachtete, musste die Gruppe Fritz vorbeilassen. Am Marienplatz war dann zunächst das Marcushaus – benannt nach dem Kaufmann Marcus Levin – Thema. Fritz erzählte von der Familie Oberbrucher, im 18. und 19. Jahrhundert die reichste Handelsfamilie in Freising, die dort residiert hatte. Dass die Sanierung des Marcushauses nicht in allen Facetten gelungen sei, machten die Interessierten deutlich. Nett: Der Erker, in dem Kämmerin Mathilde Hagl ihr Büro hat, heißt jetzt schon „Mathildentürmchen“.

Dann war die Rede von einem echten „Macher“, einem Baumeister, einem Workacoholic, einem „Arbeitstier“, der viele Spuren in Freising hinterlassen hat: Thomas Heigl. Zum Besuch seines Wohnhauses an der Heiliggeistgasse 8 fehlte freilich die Zeit. Nicht aber für einen Blick auf die Baugeschichte des Asamgebäudes, die sich in mehrere Bauabschnitte zwischen 1690 und zirka 1770 aufteilet.

Und dann war da noch der Bayerische Hof, im 19. Jahrhundert von der Familie Ettenhofer gebaut, bevor er 1873 von der Familie Dettenhofer erworben wurde. Nicht weit entfernt war die Gruppe von Ferl Schreyer zu sehen, die sich Erzählungen anlässlich des 111. Geburtstages des Roider Jackl anhörte. Und so begegneten sich manche Gruppen immer wieder, kreuzten sich die Wege.

Zwischen den Durchgängen war eine halbe oder eine Stunde Zeit, in der man sich ohne Hektik zum nächsten Treffpunkt und zur nächsten Führung begeben konnte – vielleicht zur Forschungsbrauerei der TUM oder zum Bauwerk-ABC auf dem Mons doctus oder zur Volkshochschule, dem alten Freisinger Krankenhaus. 

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