Eine Biene fliegt auf einem Blühstreifen am Rande eines Feldes eine Blüte an
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Die Insektenvielfalt erhalten: Dafür will sich die Stadt Freising künftig noch stärker einsetzen. Symbolbild

Auch Empfehlung für Bürger

Leitfaden für mehr Bio-Vielfalt: Stadt Freising will bei Artenschutz vorangehen

Für die Stadt Freising soll es künftig einen Praxis-Leitfaden geben, um die Biodiversität im Stadtgebiet zu verbessern.

Freising – Anfang des Jahres hatten der Umweltreferent und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen den Antrag auf eine Strategie zur Förderung der biologischen Vielfalt im Stadtgebiet Freising gestellt: Sämtliche Maßnahmen sollen in einem Handlungsleitfaden gebündelt werden. Dieser wurde in der Sitzung des Planungsausschusses auf den Weg gebracht.

Noch mehr Maßnahmen für mehr Biodiversität

Der bekannte Hintergrund: Die Artenvielfalt schwindet, insbesondere die Insektenvielfalt um satte 75 Prozent in den vergangenen 30 Jahren – auch in der Domstadt. Die Ursachen hierfür sind facettenreich – von der Klimaveränderung, Pestizid-Einsatz bis hin zur Lichtverschmutzung. Die Stadt hat gerade in den vergangenen Jahren bereits einige Maßnahmen zur Biodiversitätsverbesserung vorgenommen – aktiv daran beteiligt haben sich daran beispielsweise Vereine, das Wissenschaftszentrum Weihenstephan und nicht zuletzt engagierte Bürger. Auch stadteigene Ausgleichsflächen, die mit gebietsheimischen Saatgut bedient werden, tragen schon zur Verbesserung der Situation bei, wie auch das Nutzungsverbot von chemischen Pflanzenschutzmitteln bei Neuverpachtungen von städtischen Flächen. Das Problem in den Fokus rückte außerdem der Freisinger Umwelttag 2019 unter dem Motto „Freising blüht auf“ und das erfolgreiche bayerische Volksbegehren „Rettet die Bienen“.

Nun soll eine Praxis-Handreichung dieser Biodiversitätsstrategie entstehen – unter anderem für Bauhof und Stadtgärtnerei. Für Privatpersonen gelte diese Handreichung allerdings nur als Empfehlung.

Kein Satzungsbeschluss für Privatpersonen

Im „Grundkonzept gut“ fand das Jürgen Mieskes (CSU), allerdings sei er so „gar kein Freund“ davon, Privatleuten vorzuschreiben, was sie in ihrem Garten zu tun oder zu lassen hätten. Stadtbaumeisterin Barbara Schelle konnte beruhigen: Für die Stadt Freising sei die Vorschläge selbstverpflichtend, für Privatpersonen gäbe es keinesfalls einen Satzungsbeschluss. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher (FSM) betonte zudem: „Ich wüsste gar keine Rechtsgrundlage für so eine Verpflichtung.“ Um das praxisnahe Biodiversitätskonzept mit einem Leitfaden für Verbraucher auf den Weg zu bringen, soll demnächst ein Planungsbüro beauftragt werden. Dem Antrag wurde einstimmig stattgegeben.

Ebenso auf einen Antrag der Grünen im Mai dieses Jahres basierten die Messungen der ultrafeinen Partikel im Stadtgebiet, die nun vom Bürgerverein Freising zur Vermeidung von Lärm- und Schadstoffbelastungen vorgestellt wurden. Für die Sammlung von Stickstoffdioxid-Werten wurden dafür zwei Messreihen von Mai bis Juni gestartet – an sieben hochbelasteten und drei weniger belasteten Straßenabschnitten. Zur Erhebung der Konzentration von ultrafeiner Partikel (UFP) im Stadtgebiet gab es insgesamt sechs Messfahrten im Juni, Juli und Oktober.

Kammergasse fällt negativ auf

In der Zusammenfassung zeigte sich im Bereich der UFP-Belastung: Nicht nur das Verkehrsaufkommen per se ist ausschlaggebend, sondern auch die jeweiligen Verkehrsmittel, beispielsweise Busse oder ältere Kleinlastwagen. Neu, so auch der Bürgerverein, sei diese Erkenntnis natürlich nicht, ebenso wenig wie die Lösungsvorschläge: Reduzierung der Verkehrsdichte, Nachrüstung beim öffentlichen Nahverkehr oder eine gute Durchlüftung von Straßen – hierzu fiel besonders negativ die Kammergasse auf, da sich dort die Luft und somit auch die Feinpartikel stauen würden.

Trotz reduziertem Flugverkehr hätten dennoch im Juli hohe Feinpartikel-Belastungen im Abwind des Flughafens in der Stadt festgestellt werden können, so der Bürgerverein. Für Manfred Drobny (Grüne) ist das alles keine sonderliche Überraschung: „Freising ist kein Reinluftgebiet!“ Wichtig für ihn sei unter anderem, jetzt das Mobilitätskonzept zu überdenken. Die Nutzung von Dieselbussen müsse seiner Meinung nach endlich ein Ende finden.

Richard Lorenz

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