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Beifall gab es für den Doku-Filmer Ernst Keller (vorne), auch vom JU-Vorsitzendem Marcus F leischmann (stehend). Die Junge Union hatte den Geschichtsabend initiiert. 

Erinnerung an den 18. April 1945

Im Fadenkreuz der Bomber

Freising - Die dritte Folge war am Dienstag dem Bombenangriff auf Freising gewidmet: ein Abend mit klassischer geschichtlicher Prägung, und nichts für „G’schicht’n“-Erzähler.

Dass der Angriff vom 18. April 1945 auch Viele aus der Nachkriegsgeneration interessiert, zeigten die rund 70 Besucher der JU-Veranstaltung. Und gewählt hatte man einen sinnreichen Ort: die Freisinger Bank. Sie liegt im Umgriff des Bahnhofsviertels – just dort, wo im April 1945 ein US-Geschwader seinen Bombenteppich legte.

Der Heimatforscher Ernst Keller zeigte seinen Dokumentarfilm „Der Bombenangriff auf Freising“ und wurde dabei vor allem einem Ziel gerecht: Den Opfern wie auch den amerikanischen Fliegern ein Gesicht zu geben.

224 Tote waren an diesem schrecklichen Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein zu beklagen. 38 Schwerverletzte wurden gezählt und 200 beschädigte oder total zerstörte Gebäude registriert. Diese erschütternde Bilanz war das Ergebnis von 356 Sprengbomben, die von 58 Maschinen des Typs B 17 abgeworfen wurden. Das verheerende Ergebnis ist auf einem Luftbild des „Report of Operational Day“ dokumentiert. Im Film kamen Zeitzeugen zu Wort, die entweder selber Angehörige zu beklagen hatten oder die die anfliegenden Todesbringer mit eigenen Augen sehen konnten.

Der Stadtführer Peter Forster zeigte im Film die Freisinger Luftschutzbunker – unter anderem unterm Lindenkeller – in die die Freisinger immer wieder einrückten, aber bis zu diesem 18. April gottlob von den Bomben verschont blieben. Das hätte an diesem Tag auch wieder der Fall sein können. Erst während des Anflugs des Bombergeschwaders vom Basisflughafen Deenethorpe (England) auf Deutschland wurde der Befehl für die Jäger geändert und es gab die Bombardierungsorder für Traunstein und Freising.

In einem aufgefundenen Dokument haben die Amerikaner den Angriff auf Traunstein als „erfolgreich“, auf Freising als „sehr effektiv“ bewertet. Doku-Filmer Keller hatte für seinen Film eine Reihe von Zeitzeugen ausfindig gemacht, die jetzt noch im hohen Alter Erinnerung an diesen Mittwochnachmittag hatten. Sie berichteten im Film von schrecklich entstellen Toten, teilweise ohne Kopf. Zu Wort kam im Film auch der unkonventionelle Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler, der von seinen Großeltern berichtete, die am Bahnhof wohnten und die Opfer des Bombenangriffs wurden.

Die Zuhörer in der Freisinger Bank waren sichtlich beeindruckt und zollten Heimatforscher Keller Beifall. JU-Vorsitzender Marcus Fleischmann dankte dem Referenten für dessen Beitrag zur geschichtlichen Aufarbeitung des Bombenangriffs auf Freising. heinz mettig

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