Landrat Helmut Petz ist nicht überzeugt von den Filtern
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Landrat Helmut Petz ist nicht überzeugt von den Filtern

Petz in Opposition zum Ministerpräsidenten

Luftfilter gegen Corona: Landrat positioniert sich gegen Söder - „Da kann man auch die Fenster aufmachen“

  • Helmut Hobmaier
    VonHelmut Hobmaier
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Landrat Helmut Petz hält nichts von Luftreinigern in Schulklassen als Schutz vor Corona. Doch jetzt befindet er sich damit in direkter Opposition gegen den Ministerpräsidenten.

Landkreis – Die Diskussion um den Einsatz von Luftreinigungsgeräten in Klassenzimmern gewinnt an Brisanz, gerade im Landkreis. Mehrfach haben sich die Freisinger Kreisgremien in Abstimmungen gegen die Anschaffung von Luftreinigern ausgesprochen, jetzt werden sich vom Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) als Schutz gegen Corona quasi staatlich verordnet. Es droht ein Konflikt – und die Politisierung des Themas.

Landrat Helmut Petz (FW) ist über diesen „Schwenk“ Söders nämlich wenig erbaut: Er ist erstens keineswegs überzeugt vom Nutzen der Geräte und fürchtet zweitens, jetzt in „Rechtfertigungsnot“ zu geraten.

Luftreiniger an Schulen: Freisinger Landrat positioniert sich gegen Söder

Hintergrund: Verschiedene Schulen im Landkreis haben Luftreiniger im Einsatz. Die Begründung für die Anschaffung: Das sei auf alle Fälle besser, als sich nur auf das Lüften zu verlassen. Der Landkreis Erding gab sogar mehr als eine Million Euro für Luftreiniger aus. Die Stadt und der Landkreis Freising dagegen haben sich gegen die Geräte ausgesprochen und sich dabei auf eine Studie des Umweltbundesamts gestützt. Demnach seien die Luftreiniger nicht effektiv, weil sie nicht für eine Frischluftzufuhr sorgen könnten.

Diese Position vertrat auch die Stadt München – bis nun OB Dieter Reiter einen Kurswechsel vornahm. Er will die Luftreiniger jetzt vielleicht doch einsetzen. Grund der Debatte ist der deutliche Anstieg der Delta-Mutationen auch in Bayern. Man fürchtet, zum Schulbeginn im Herbst wieder bei stark steigenden Inzidenzen die Schulen schließen zu müssen, wenn man außer dem Lüften keine Handhabe gegen eine Aufnahme von Corona-Aerosolen in Klassenzimmern hat.

Luftreiniger an Schulen nützlich: Landrat bleibt skeptisch - und im Fokus der öffentlichen Debatte

Landrat Helmut Petz bleibt skeptisch. Söders Vorpreschen ändere an der Sachlage nichts: Luftreinigungsgeräte seien mit Staubsaugern vergleichbar, die bei geringer Leistung nur Luft aus der unmittelbaren Umgebung einsaugten, bei stärkerem Betrieb aber „unglaublich laut“ seien. Petz: „Beides wollen wir nicht. Da kann man auch die Fenster aufmachen.“ Dazu kämen die enormen Kosten. Im Kreis Freising wäre für die flächendeckende Anschaffung der Geräte für die Landkreisschulen ein niedriger siebenstelliger Betrag fällig, rechnet der Landrat vor. Im gesamten Freistaat wären wohl an die 200 Millionen Euro zu berappen. Diese enorme Summe stehe in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Nutzen. Das allerdings sei seine persönliche Meinung, betont Petz.

Wie die Fraktionschefs im Kreistag zu Söders Forderung stehen, im September müsse in jedem Klassenzimmer ein Luftreinigungsgerät stehen, das wolle er jetzt in Gesprächen sondieren. Eines aber stehe jetzt schon fest: „Wir stehen im Fokus der öffentlichen Diskussion.“

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