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Weil der Kanal in der Heiliggeistgasse bei Starkregen immer wieder geflutet wird, müssen nun Millionen investiert werden, um nachzubessern.

Stadtrat wirft Rathaus Versäumnisse vor

Mangelhafter Hochwasserschutz für Freisinger Innenstadt - Jetzt helfen nur noch Millionen- Maßnahmen

  • Andreas Beschorner
    vonAndreas Beschorner
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Immer wieder läuft der Kanal der Freisinger Heiliggeist-Gasse bei Starkregen über. Inzwischen weiß die Stadt, woran es liegt - und muss Millionen ausgeben, um nachzubessern.

Freising– Die guten Nachrichten zuerst: Das vergangene Jahr hat der städtische Eigenbetrieb Stadtentwässerung mit einem Jahresgewinn von knapp zwei Millionen Euro abgeschlossen. Das ist gut. Die Bilanzsumme liegt bei 83,66 Millionen Euro. Und auch wenn man im laufenden Jahr nicht ganz den anvisierten Gewinn von 2,74 Millionen Euro erreichen wird, liegt man zum Halbjahr 2020 doch einigermaßen im Plan. Auch das ist gut. Denn auf die Stadtentwässerung kommt Großes zu: der Bau zweier Rückhaltebecken – eines unter dem Marienplatz, eines beim Christopher-Paudiß-Platz.

Der Werkausschuss der Stadtentwässerung hat am Mittwoch den Prüfbericht des Kommunalen Prüfungsverbandes zum Jahr 2019, den Halbjahresbericht von Kämmerin Heike Frohnapfel zum laufenden Jahr und den neuen Vertrag der Stadtentwässerung zur thermischen Verwertung von Klärschlamm zur Kenntnis genommen. In diesem Rahmen wurde das Gremium auch über laufenden Baumaßnahmen am Kanalnetz und in der Kläranlage informiert.

Hiobsbotschaften im Werksausschuss

Ganz am Ende der Sitzung dann noch ein Bericht: „Entwässerungssituation in der Innenstadt: Möglichkeiten zur Optimierung und weiteres Vorgehen“ hieß der Tagesordnungspunkt. Bernhard Knopek, technischer Leiter der Stadtentwässerung schilderte, dass in der Innenstadt ein Mischsystem für Abwasser existiere. 

Der sogenannte Generalentwässerungsplan sei 2015 im Vorlauf zur startenden Innenstadtsanierung fortgeschrieben worden. Ein Handlungsbedarf, was die Kapazität der Rohre betrifft, sei da nicht festgestellt worden, so Knopek. 2016 sei ein Ingenieurbüro mit einem Überflutungsnachweis beauftragt worden, der die Zustände vor und nach dem höhengleichen Ausbau der Innenstadt untersuchen sollte. Und dann die Jahre 2017, 2019 und 2020, als es in der Heiliggeistgasse nach Starkregenereignissen zu einem Rückstau in den Kanälen kam, vereinzelt sogar Gebäude beschädigt wurden.

Die Folge: Die Stadtentwässerung habe das Kanalsystem erneut überprüft. Ergebnis, das auch von einem weiteren Ingenieurbüro bestätigt wurde: Die Abwasserrohre sind nicht zu gering bemessen, sondern das Gefälle zwischen Karlwirtskreuzung und General-von-Nagel-Straße ist mit lediglich drei Metern zu gering. „Badewannen-Effekt“ nenne man das, so Knopek.

Maßnahmen in Millionen-Höhe sind notwendig

Was also tun? Ein ganzer Maßnahmenkatalog mit 16 Verbesserungsvorschlägen sei erarbeitet worden, drei Maßnahmen hätten sich nun als umsetzbar und wirkungsvoll für eine Optimierung der Entwässerung in der Innenstadt herauskristallisiert:

1. An der Karlwirtskreuzung wird ein Notüberlauf in den Umgehungssammler errichtet, der die Obere Hauptstraße entlastet.

2. Unter dem Marienplatz wird ein Regenrückhaltebecken installiert, das die mittlere Stadt entlastet.

3. Im Bereich des Christopher-Paudiß-Platzes wird ein weiteres Rückhaltebecken errichtet, das die untere Altstadt entlasten soll. Die Kosten dafür, so Knopek, die man ab 2021 in den Haushalt einstellen müsste, könnten bisher nur grob geschätzt werden: Fünf bis sieben Millionen Euro vermutet man derzeit. Dann sei man zumindest wohl für ein zehnjährliches Hochwasser gerüstet. Wenn es schlimmer kommt, würden nur noch „passive Maßnahmen“ – zum Beispiel wasserdichte Türen – helfen.

Hochwasserschutz: Stadtrat kritisiert Rathaus vehement

Erfreulich fand das alles keiner der Stadträte. Seinem Ärger Luft machte aber nur Sebastian Habermeyer (Grüne): Er könne sich noch gut daran erinnern, als vor Beginn des Innenstadtumbaus die Planer „eindeutig“ gesagt hätten, dass es mit der Entwässerung keine Probleme gebe. Lange Zeit seien auch die Anwohner „auf taube Ohren gestoßen“. Das sei für ihn unbefriedigend. „Das stinkt mir.“ Man solle doch endlich zugeben, dass man etwas übersehen oder einen Fehler gemacht habe.

Sebastian Habermeyer (Grüne) wirft der Stadt Versäumnisse vor – „das stinkt mir“.

Habermeyers Frage, ob man nicht wenigstens das Regenwasser in den Vorfluter umleiten könne, um so den Mischwasserkanal zu entlasten, beantwortete Werkleiter Franz Piller am Mittwoch so: Man habe viele Überlegungen angestellt, tue das auch weiter. Allein: Der Vorfluter ist meist ebenfalls schon überlastet.

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