+
Das gesamte Areal vor dem Bahnhof machte der 58-Jährige unsicher. Es kam zu zahlreichen Gewalttaten. 

Immer wieder Ausraster

Mann verbreitet Angst und Schrecken auf dem Freisinger Bahnhofsvorplatz

Über Monate hinweg trieb er sein Unwesen vor allem auf dem Freisinger Bahnhofsvorplatz, beleidigte und schlug wild um sich. 

Freising – Jetzt hat sich ein an Schizophrenie leidender deutsch-türkischer Gelegenheitsarbeiter (58) aus Freising vor dem Landgericht Landshut zu verantworten. Dabei geht’s vor allem um seine Unterbringung in der Psychiatrie.

Zunächst sollte dem 58-Jährigen vor dem Amtsgericht Freising der Prozess gemacht werden. Nachdem sich allerdings die Anklagen häuften, landete er auf der Anklagebank vor der 6. Strafkammer in Landshut, zumal er seit August 2017 im Isar-Amper-Klinikum Haar vorläufig untergebracht ist und wegen seiner psychischen Verfassung seine endgültige Unterbringung im Raum steht.

Prellungen, Platzwunden, Knockout

Die Ausraster des Gelegenheitsarbeiters setzten laut den von Staatsanwältin Jeannine Zuck vertretenen Anklagen bereits im September 2016 ein. Da stieß er einen Freisinger von einer Bank und würgte ihn. Die Verletzungen hielten sich mit Kratzern und Prellungen in Grenzen. Am Monatsende beleidigte er dann einen Nachbarn als „schwule Drecksau“.

Dramatischer wurde es dann im Oktober 2016. Da schlug er am Bahnhofs-Vorplatz einem Pfandflaschensammler eine Bierflasche auf den Kopf, der dadurch eine Platzwunde erlitt.

Wenige Tage später war er wieder am Bahnhofs-Vorplatz aktiv, schlug zunächst einem Mann eine Bierflasche ins Gesicht und attackierte kurz darauf ein weiteres Opfer mit Faustschlägen, so dass es bewusstlos zu Boden ging. Danach war einige Monate Ruhe. Am 13. Juni 2017 allerdings schubste der 58-Jährige wieder einen Mann zu Boden. Der verletzte sich dabei an Knie und Hüfte.

Tabletten würden Wirkung zeigen

Zum Prozessauftakt zeigte sich der Gelegenheitsarbeiter überraschend krankheitseinsichtig und stabil. Im Klinikum, so berichtete er, nehme er täglich elf Tabletten: „Da geht es mir gut.“ Er sei auch weiterhin therapiebereit. Die Schizophrenie, berichtete er, liege in der Familie und sei genetisch bedingt: „Auch meine Brüder leiden darunter.“

In der Türkei geboren, sei er in einer Großfamilie aufgewachsen und mit den Eltern und fünf Geschwistern 1968 zunächst nach Wien gezogen. Die Familie sei später nach Neufahrn übersiedelt, wo er Lehren als Schlosser und Schreiner abgebrochen und in der Folgezeit als Kommissionierer, als Wachmann und dann bei mindestens 25 anderen Arbeitgebern beschäftigt war. Seit 2005 ist er allerdings arbeitslos und hatte nach einem Schlaganfall im Jahr 2014 einen Rentenantrag gestellt. 1980 wurde er zwangsverheiratet, die Ehe ist inzwischen geschieden.

„Bahnhofsfreunde“ hätten ihn schikaniert

An die ihm zur Last gelegten Ausraster, so der 58-Jährige, habe er so gut wie keine Erinnerung mehr. Er wisse nur, dass er zuletzt am Tag mehrere Biere und dazu auch Wein und Schnaps getrunken habe. Er habe sich praktisch jeden Tag am Bahnhof rumgetrieben: „Ich wollte nicht allein zuhause sitzen, habe Gesellschaft gesucht und außerdem gab es dort billiges Bier und Essen.“

Dann fiel ihm allerdings noch ein, dass er von seinen „Bahnhofsfreunden“ schikaniert worden sei. Einer der Flaschensammler habe ihm eine volle Bierflasche weggenommen, deshalb sei er ausgerastet. Und seinen Nachbarn habe er in Verdacht gehabt, dass er ihn mit einem Elektroschocker und einem Messer umbringen will. „Ich weiß schon“, räumte der Angeklagte ein, „dass das Fantasie war.“ Für den Prozess sind noch zwei Verhandlungstage angesetzt.

Gewalt an Bahnhöfen und in Zügen

Bahnmitarbeiter werden immer wieder beleidigt, bespuckt und verprügelt. Insbesondere die Sicherheitsmitarbeiter leben gefährlich. Mit neuer Technik soll das Personal an bayerischen Bahnhöfen nun besser vor Gewalt geschützt werden

Tatort Zugabteil: Auch Angriffe auf Zugbegleiter der BOB-Bahnen sind ein Problem. „Der Tonfall ist rauer geworden“, heißt es. Mehr dazu lesen Sie in diesem merkur.de.-Artikel.

ötl

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

60 Jahre alte Kastanie in Palzing: Rettungsaktion mit offenem Ende
Seit über 60 Jahren steht in Palzing an der Haindlfinger Straße eine Kastanie. Einst mag sie prächtig gewesen sein, mit den Jahren allerdings sah der Baum trauriger und …
60 Jahre alte Kastanie in Palzing: Rettungsaktion mit offenem Ende
Ex-Bürgermeister Brückl bricht seine Zelte ab
Lange war es nur ein Gerücht, jetzt ist es Fakt. Altbürgermeister Josef Brückl (73) bricht seine Zelte in Langenbach ab. Zusammen mit seiner Frau Walburga zieht er zu …
Ex-Bürgermeister Brückl bricht seine Zelte ab
Nahrung für Körper, Geist und Seele
Der schöne Hof im Norden des Landkreises lässt zwar vermuten, dass hier das Thema gesunde Ernährung eine große Rolle spielt. Tatsächlich bringt die Bäuerin schon seit …
Nahrung für Körper, Geist und Seele
Fehlt nur noch das Personal . . .
Der Estrich war noch ganz frisch, und deshalb musste im kleinen Zelt nebenan gefeiert werden: Am Donnerstag war Richtfest für die Kindertagesstätte am Wettersteinring. …
Fehlt nur noch das Personal . . .

Kommentare