+
Am Feiertag einkaufen: Die beiden verkaufsoffenen Sonntage in Freising – im Frühjahr und zum Kirchweihfest – machen das möglich.

Diskussion über verkaufsoffene Sonntage: „Kein Halli-Galli-Tag“

  • schließen

Das Thema spaltet vielerorts die Gemüter: der verkaufsoffene Sonntag. In Freising sind Pfarrer und der Verein Aktive City der Meinung, dass das aktuelle Angebot ausreicht.

Freising – Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat vor der Sommerpause einen neuerlichen Vorstoß gewagt, die Regelung zu lockern. Bislang sind in den Städten und Gemeinden im Freistaat vier solcher Sonntage erlaubt. Sie müssen jedoch an einen Anlass gekoppelt sein. Daher gibt es in Freising etwa Palmdult im Frühjahr sowie die Kirchweihdult im Oktober. Dass diese verkaufsoffenen Sonntage allerdings reichen, sehen in der Domstadt nicht nur Geistliche so – sondern auch der Verein Aktive City, der die Interessen der Einzelhändler vertritt.

„Die Palm- und die Kirchweihdult sind für uns wirklich wichtig“, sagt Aktive-City-Geschäftsführerin Julia Bönig im FT-Gespräch. „Wir wollen Leute anlocken, die sonst nicht so oft in die Innenstadt gehen.“ Dabei gehe es nicht nur darum, dass die Geschäfte geöffnet haben, sondern dass die Einzelhändler kreativ werden sollten – zum Beispiel Vorführungen, Verlosungen oder Aktionen für Kinder. „Meistens gibt es auch noch eine Ausstellung, etwa den Ostereiermarkt“, sagt Bönig. An diesen besonderen Sonntagen gehe es darum, ein Kulturangebot zu schaffen und Freising als „Erlebnisstadt“ zu präsentieren. „Wir möchten auch, dass die Cafés und Biergärten voll sind.“ Die Aktive City sorge zudem für Musik. „Das kommt bei Besuchern wie Händlern sehr gut an.“

Enormer Aufwand für kleine Geschäfte

Trotzdem möchte Bönig dieses Angebot nicht weiter ausdehnen. „Man muss ganz ehrlich sagen, dass es mit diesen beiden Sonntagen auch gut ist“, betont die Geschäftsführerin. Gerade für kleine Geschäfte bedeuteten diese Tage enormen Aufwand; gerade die Personalfrage sei nicht immer einfach zu lösen. „Und dann muss es sich natürlich auch lohnen. Wenn die verkaufsoffenen Sonntage inflationär eingeführt werden, ist der Effekt dahin“, ist sich Bönig sicher.

Weil Palm- und Kirchweihdult etwas Besonderes bleiben sollen, reiche das Angebot. „Der Sonntag ist trotzdem ein Tag der Ruhe, kein Halli-Galli-Tag.“ Bönig betont: „Wir haben auch so eine schöne Innenstadt. Sonntags ist es ja nicht tot bei uns in Freising.“

Für Stadtpfarrer Peter Lederer erübrigt sich jede Diskussion zu diesem Thema. „Ich halte nichts davon, den Sonntagsschutz weiter aufzuweichen.“ Es gebe ohnehin schon genügend Ausnahmen. „Der Sonntag ist ein besonderer Tag, der es verdient, als solcher ernst genommen zu werden“, erklärt der Seelsorger der Pfarrei St. Lantpert. Die Sonderregelungen, die bereits existieren, seien ohnehin schon begründungsbedürftig, weil unter der Woche genügend Zeit zum Einkaufen bleibe.

Prusseit: Sonntagsruhe ist wichtig

Pfarrer Thomas Prusseit von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Freising stößt ins selbe Horn. „Von Herrn Aiwangers Vorstoß halte ich gar nichts.“ Mit einer Lockerung der Regel täte sich die Gesellschaft seiner Meinung nach nichts Gutes. „Gerade im Ballungsraum München ist sehr viel los, man kann sowieso von Montag bis Samstag einkaufen gehen.“ Im FT-Gespräch sagt Prusseit: „Die Sonntagsruhe ist wichtig. Es macht Sinn, wenn es noch einen Tag in der Woche gibt, an dem man der Seele Nahrung gibt.“ Außerdem: Arbeitnehmerfreundlich sei die Forderung „gleich gar nicht“.

Noch vor nicht allzu langer Zeit sei es ohnehin üblich gewesen, nicht nur an fünf, sondern an sechs Tagen zu arbeiten, erinnert der evangelische Pfarrer. Er betont: „Es ist gut, freie Tage wertzuschätzen – und nicht noch eins draufzusetzen.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Massenschlägerei mit 20 Beteiligten: Brutales Wochenende im Landkreis Freising
Eine gebrochene Nase, Platzwunden und Hämatome: Am Wochenende wurde brutal zugeschlagen. Vor einer Freisinger Schule kam es zu einer Massenschlägerei mit 20 Beteiligten. 
Massenschlägerei mit 20 Beteiligten: Brutales Wochenende im Landkreis Freising
Von wegen „großen Hamster“ überfahren: Taxifahrer meldet sich zu Wort - Fall bleibt rätselhaft
Bei dieser Meldung traute die Polizei ihren Ohren nicht: Ein Taxifahrer meldete, er sei bei Freising mit einem „großen Hamster mit großen Zähnen“ kollidiert.
Von wegen „großen Hamster“ überfahren: Taxifahrer meldet sich zu Wort - Fall bleibt rätselhaft
Ein Tier-Roman für alle: Wie eine kleine Krähe zum Kinderbuch-Held wurde
Ein Mädchen findet eine Krähe, päppelt sie auf und lernt, was Verantwortung bedeutet. Diese Geschichte erzählt Viola Hilsenbeck in ihrem Buch. Es ist die Geschichte …
Ein Tier-Roman für alle: Wie eine kleine Krähe zum Kinderbuch-Held wurde
Ein Kalpenstein-Märchen zum Weltkindertag
Ein Märchenbuch mit einer Auflage von einer Million Exemplaren, eine Liebesgeschichte, die auf einer Hauptfeuerwache spielt und der achte Band der erfolgreichen …
Ein Kalpenstein-Märchen zum Weltkindertag

Kommentare