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„Mister Westtangente“: Franz Piller berichtet von persönlichen Anfeindungen und harten Verhandlungen

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Von: Andreas Beschorner

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„Man darf sich nicht verstecken, man muss sich sehen lassen“: „Vorruheständler“ Franz Piller vor dem Tunnel der Westtangente. Bis zur Fertigstellung war’s ein steiniger Weg, erinnert sich der 66-Jährige. Bild: stadt
„Man darf sich nicht verstecken, man muss sich sehen lassen“: „Vorruheständler“ Franz Piller vor dem Tunnel der Westtangente. Bis zur Fertigstellung war’s ein steiniger Weg, erinnert sich der 66-Jährige. © Stadt Freising

Die Westtangente hat sein berufliches Leben geprägt. Doch es war nicht das einzige Großprojekt, das Franz Piller viel Nerven gekostet hat.

Freising - Als in den grauen Vorzeiten des Jahres 1967 erstmals die Idee aufkommt, man könnte für die Stadt Freising doch eine Westumfahrung bauen, da ist ein gewisser Franz Piller zehn oder elf Jahre alt. Jetzt wird die Westtangente eingeweiht, jetzt ist der Mann, der als „Mister Westtangente“ die Planungen des Mammutprojekts in der Stadt seit Jahrzehnten maßgeblich begleitet und bei dem die Fäden dafür zusammenlaufen, 66 Jahre alt. Und jetzt, mit 66, beginnt das Leben nach der Westtangente. Ab August ist Franz Piller – dann 67 – offiziell in Pension, doch schon jetzt ist der Referatsleiter sozusagen im Vorruhestand, ist nur noch ganz selten im Amt.

Freilich hätte Franz Piller schon etwas früher in Pension gehen können, aber es wäre „nicht meine Art“ gewesen, sagt er, wenn er nicht noch den Abschluss der Arbeiten an der Westtangente begleitet hätte. Schließlich ist das 140-Millionen-Projekt so etwas wie das „Baby“ des Franz Piller, seitdem er am 1. Juli 1986 als Sachbearbeiter im Referat 6 c Straßen- und Brückenplanung bei der Stadt Freising begonnen hat. Kurze Zeit später wird ihm gleich das Projekt Westtangente übertragen: „Piller, mach du das“, habe es damals geheißen, so erinnert er sich. „Und die ist mir geblieben“ – auch als er 1992 Referatsleiter wird und damit nicht nur die Straßen, sondern auch die Grünflächen, die Friedhöfe, die städtischen Betriebe und sogar noch die Bäder unter sich hat.

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Die Westtangente, so sagt Piller im Rückblick, sei eine interessante Aufgabe gewesen. Er hätte die Aufgabe auch dann übernommen, wenn er gewusst hätte, was ihn dann in über drei Jahrzehnten erwartet hat. Denn es seien schon schwere Zeiten gewesen, persönliche Anfeindungen aus der Gegnerschaft des Projekts habe es gegeben, manch einer seiner Mitarbeiter habe deswegen sogar aufgehört. Und auch kritische Äußerungen aus der Politik dürfe man nicht persönlich nehmen, auch wenn sie ihn manchmal persönlich angegriffen hätten.

Mister Westtangente: „Man darf sich nicht verstecken“

Für ihn sei aber immer klar gewesen: „Ruhig bleiben“, mit Sachlichkeit und Klarheit an die Dinge herangehen. „Man darf sich nicht verstecken, man muss sich sehen lassen, man muss zu den Bürgern hingehen“, so das Credo Pillers. Denn angesichts der Sorgen und der Größe des Projekts seien solche „Überreizungen“, wie Piller das nennt, „nachvollziehbar“ gewesen. Franz Piller geht sogar noch einen Schritt weiter: Die Westtangente sei der Grund gewesen, wieso er bei der Stadt Freising geblieben sei. Zu reizvoll sei die Vielfalt der technischen Aufgabe gewesen, sagt Piller.

Dass das alles nur mit einer „superschlagkräftigen Truppe“ habe funktionieren können, verstehe sich von selbst. Ob ihm ab und zu das Herz auch einmal in die Hose gerutscht sei, wenn er immer wieder Kostenmehrungen verkünden musste? Nein, sagt Piller. Man müsse die Fakten und die Probleme eben offen und umfassend darstellen.

Piller erlebte „harte Verhandlungen“

Und auch wenn das manch einem Stadtrat dann zu umfassend gewesen sei, wie Piller süffisant lächelnd erzählt, müsse man über Summen wie 15 Millionen schon reden. Dass er dann stets ergänzen konnte, die Zuschussgeber würden die Mehrkosten anteilig mittragen, sei wahrlich keine Selbstverständlichkeit, betont Piller. Das habe jedes Mal harte Verhandlungen in München bedeutet, da sei viel geprüft und begutachtet worden. Stets aber sei man als Stadt von den Behörden fair behandelt worden, versichert Piller. Und dass man keine Pauschal-, sondern eine Anteilsfinanzierung erhalten habe, sei ja schon fast einzigartig in Bayern. Und ein Glücksfall, wie sich jetzt herausgestellt hat.

Doch auch wenn die Westtangente wohl das Projekt schlechthin in der beruflichen Laufbahn des Franz Piller war, so dürfen andere Maßnahmen in der Ära Piller nicht vergessen werden: „Politisch spannend“ und durchaus ebenfalls so ein Projekt, das über Jahrzehnte hinweg in der Diskussion stand, sei die Eishalle gewesen, erinnert sich Piller.

Noch ein Großprojekt hat viel Nerven gekostet

Und dann war da noch der Umgehungssammler, mit dessen Bau man 1994 begonnen hatte – auch so ein Großprojekt, das für Ärger gesorgt und Piller und sein Team viel Nerven gekostet hat. Das galt auch für den Bescheid, dass die Stadt eigentlich eine neue Kläranlage hätte bauen müssen, was man allerdings durch viel Arbeit, mit viel Mühe und großem Einsatz verhindern konnte.

Das waren nur die großen Themen aus 35 Jahren, in denen Piller für die Stadt Freising tätig war. Die manchmal nicht einfach zu verarbeitende Kritik an den Maßnahmen habe zu vielen Gedanken geführt, so Piller, die man auch mit nach Hause nimmt. Dass er in Langenpreising wohnt, habe da durchaus Vorteile – zum einen durch den zeitlichen Abstand zwischen Arbeit und Ankunft zu Hause, zum anderen dadurch, dass er eben nicht am Wochenmarkt mit dem Satz „Sie, weil ich Sie grad seh’,…“ angesprochen wurde. Aus diesem Grund ist Piller auch ganz bewusst in keinem Freisinger Verein Mitglied.

Hinter den Kulissen hat es manchmal gekracht

Und doch hat er ein Hobby: seine Tuba. Eine halbe Stunde Tubaspielen, das Zwerchfell trainieren, das ist für Piller Entspannung pur. Und deshalb ist er auch seit vielen Jahren Mitglied der Strogentaler Blasmusik – überlässt musikalische Darbietungen und Umrahmungen, wenn es um Einweihungen und die Westtangente geht, aber lieber der Freisinger Stadtkapelle, wie er betont.

Ein erstes Fazit: Mit allen drei Freisinger Oberbürgermeistern sei er „persönlich gut ausgekommen“, versichert Piller. Manchmal habe es hinter den Kulissen schon gekracht, das sei aber nie persönlich geworden, Nachwehen seien da keine geblieben. Ein anderes Fazit: „Wir haben es geschafft.“ Und ein drittes Fazit: „Wichtig ist, dass man den Resthumor nicht verliert.“ Auch nicht mit 66. Und auch nicht, wenn man pensioniert ist.

Zum selben Thema: Kurz vor der Freigabe der Westtangente wendet sich Projektleiter Franz Piller an die Vöttinger Bürger.

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