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Händewaschen ist in Zeiten von Corona auch keine simple Alltagshandlung mehr, sondern eine Kunst für sich. Apothekerin Ingrid Kaiser gibt Tipps dazu.

Expertin nennt weitere Verhaltensregeln

Mit Corona-Infizierten unter dem selben Dach: Apothekerin gibt Tipps

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Wer mit einem Corona-Infizierten unter einem Dach lebt, sollte sich streng an Verhaltensregeln halten. Aber selbst Händewaschen ist nicht so simpel, wie man vielleicht denkt.

Freising – Damit sich so wenig Menschen wie möglich mit dem Coronavirus anstecken, gelten strenge Maßnahmen. Sich völlig von der Außenwelt abzuschotten, ist aber den wenigsten möglich. Um das Infektionsrisiko gering zu halten, sollten einige Regeln beachtet werden. „Kleinigkeiten machen den Unterschied“, sagt Freisings Apothekensprecherin Ingrid Kaiser. Ein Überblick über die wichtigsten „Do‘s“ und „Don’ts“ in den Zeiten von Corona.

Wie kaufe ich richtig und sicher ein?

Überlegt: Auch wenn sich sonst nahezu der ganze Alltag in den eigenen vier Wänden abspielt, müssen die meisten Menschen weiterhin einkaufen. Das sollte man laut Kaiser aber nicht jeden Tag machen, sondern gezielt – und ohne zu hamstern.

Bestimmt: Die meisten Supermärkte haben mittlerweile Abstandsmarkierungen vor der Kasse, die Gänge zwischen den Regalen sind allerdings schmal. „Man sollte die Leute ruhig anreden, wenn sie einem zu nahe kommen“, sagt Kaiser.
Geschützt: Sinnvoll sei außerdem, Küchenpapier mitzunehmen, um den Henkel des Einkaufskorbs oder den Wagengriff nicht mit bloßen Händen anzufassen. Das Tuch wird danach im Müll entsorgt. Nach dem Einkaufen ist auch das einzige Mal, dass Kaiser zu Desinfektionsmittel rät. „Und das Lenkrad im Auto sollte man auch öfter mal abputzen.“ Bezahlen sollte man nach Möglichkeit mit Karte statt bar.

Mit Mundschutz einzukaufen, ist in Deutschland im Gegensatz zu Österreich noch nicht vorgeschrieben. Apothekerin Ingrid Kaiser gibt dafür andere Tipps.

Ohne Handschuhe: Von Handschuhen hält die Apothekensprecherin nichts. „Gewöhnliche Gummihandschuhe können immer kleine Poren haben.“ Zudem würden sich Viren dort sammeln und dann weiter verteilt werden. „Handschuhe haben, genauso wie ein Schal über dem Mund, nur einen einzigen nützlichen Effekt: Man fasst sich nicht mehr ins Gesicht.“ Wer Handschuhe zum Einkaufen trägt, wasche sich danach ohnehin auch die Hände – genauso wie jemand, der ohne Handschuhe unterwegs ist. Daher lautet Kaisers Appell: „Lassen wir die Handschuhe den Pflegekräften!“

Hygiene geht zu Hause weiter: Wer mit seinen Einkäufen nach Hause kommt, sollte sich erst einmal gründlich die Hände waschen. Dann werden die Einkäufe aufgeräumt – und die Hände erneut gewaschen. Dass sich das Virus auf Obst oder Gemüse hält, darüber müsse man sich keine Sorgen machen. Zudem würde es beim Kochen ohnehin zerstört werden. Vor der Küchenarbeit sollte das Händewaschen auch ein festes Ritual sein.

Händewaschen: Wie geht’s richtig – und wie pflege ich meine Hände am besten?

Das Waschen: Händewaschen ist momentan das Allerwichtigste, betont die Apothekensprecherin: ungefähr 30 Sekunden und unbedingt mit Seife. „Das Coronavirus ist ein sogenanntes behülltes Virus, das man mit Seife unschädlich machen kann.“ Trinken dürfe man diese aber auf gar keinen Fall, betont Kaiser. Die Wassertemperatur sei egal; „angenehm warm“ lautet ihre Empfehlung. Nicht zu unterschätzen sei das Abtrocknen. „Auf nassen Händen halten sich Viren eher – um den Faktor 1000.“ Das Handtuch sollte täglich gewechselt werden.

Händewaschen mit Seife ist wichtig. Doch danach braucht die Haut Pflege.


Die Pflege: Das viele Waschen beansprucht die Haut. „Gerade Kinder haben derzeit vermehrt Ekzeme“, berichtet Kaiser. Ohne die richtige Pflege werde der pH-Wert der Haut zerstört, Keime könnten besser eindringen. „Dabei ist die Haut unser größtes Abwehrorgan.“ Pflege sei daher unbedingt notwendig. Tagsüber empfiehlt Kaiser eine Feuchtigkeitscreme, die gut einzieht. Abends, beim Fernsehen oder vor dem Schlafengehen, sei eine reichhaltige Creme mit hohem Fettanteil ratsam. Salben mit Parfum würden die Haut zusätzlich reizen. „Am besten ist einfach eine neutrale Creme.“

Ich lebe mit jemandem unter einem Dach, der sich infiziert hat. Wie verhalten wir uns jetzt richtig?

Immer mehr Menschen werden positiv auf Covid-19 getestet. Wer keinen schweren Verlauf hat, kuriert sich zu Hause aus. Um die Familie nicht zu gefährden, müssen einige Regeln eingehalten werden, betont Kaiser. Grundsätzliches: „Die betroffene Person muss räumlich isoliert sein.“ Wichtig sei außerdem regelmäßiges Stoßlüften. Kann der Erkrankte das in seinem Zimmer nicht selbst, sollte man darauf achten, den Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten. Sei auch das nicht möglich, „ist eine Schutzmaske sinnvoll –doch die sind rar gesät“. Gleiches gelte, wenn Mahlzeiten ans Bett gebracht werden müssen. „Ansonsten stellt man diese einfach auf einem Stuhl vor dem Zimmer ab.“
Beim Essen: Gesunde und erkrankte Menschen sollten freilich nicht zusammen essen. Wer infiziert ist, sollte eigenes Geschirr haben, das nach Möglichkeit auch separat aufbewahrt wird. Teller und Besteck nach dem Essen gründlich, heiß und mit Spülmittel abzuwaschen, sei selbstverständlich.

Legale Coronaparty: Per Videokonferenz-Plattform „Zoom“ lässt sich in dieser Zeit hervorragend die Kontaktsperre umgehen. Mehr Infos gibt es unter www.zoom.us, alternativ gibt es auch bei populären Diensten wie WhatsApp und Skype oder auf iPhones über die Funktion „FaceTime“ die Möglichkeit zu Gruppen-Videotelefonaten.


Im Bad: Die Haushalte – und das sind die meisten –, die keine zwei Toiletten, geschweige denn zwei Badezimmer haben, sollten das tun, was Kaiser auf öffentlichen Toiletten grundsätzlich macht: „Türklinken nur mit einem Papiertuch anfassen.“ Die Toilette sollte immer gründlich desinfiziert werden – das funktioniere auch mit Klosterfrau Melissengeist. Nach dem Duschen müsse ordentlich gelüftet werden: „Feuchte Luft ist eine Einladung für das Virus.“ Hygiene-Etikette: Wer erkrankt ist, sollte in ein Taschentuch husten und es anschließend entsorgen – am besten luftdicht in einer Plastiktüte, sodass sich die Viren nicht überall verteilen können. Die Wäsche eines Infizierten sollte, wenn möglich, auf 60 Grad oder höher gewaschen werden. Für weniger hohe Waschgänge empfiehlt Kaiser Desinfektionsweichspüler.
Kommunikation: „Eigentlich bin ich nicht so der Technik-Fan“, gibt Kaiser zu. Derzeit seien aber Smartphone, Laptop und Soziale Medien ideal, um Kontakte zu halten. Wer krank ist, sollte auch darüber mit den Menschen in seiner Wohnung kommunizieren. Die Apothekensprecherin betont: „Noch einmal: Wer infiziert ist, muss in seinem Zimmer bleiben – sonst ist es die reinste Coronaparty.“

Die Entwicklungen und Neuigkeiten zum Coronavirus in Freising lesen Sie immer aktuell hier. Von Einkaufshilfe bis Lieferservice: Hier finden Sie die Hilfsangebote im Landkreis Freising. „Deutliche Auswirkungen“: Arbeitsagentur Freising rüstet sich für Corona-Krise.

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