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Ihm wurde vorgeworfen, dass er mit einem Messer auf seinen Schwager eingestochen haben soll. Doch dann wurde der Mann freigesprochen.

Richter beendet Verhandlung vorzeitig

Mit Messer auf Schwager eingestochen? Totschlag-Prozess deckt Widersprüche auf

Ihm wurde vorgeworfen, dass er mit einem Messer auf seinen Schwager eingestochen haben soll. Die Staatsanwaltschaft plädierte auf versuchten Totschlag - doch dann nahm der Prozess eine Wendung.

Freising/Landshut – Vorgeführt wurde er zum Prozess vor der Schwurgerichtskammer beim Landshuter Landgericht in Handfesseln. Verlassen konnte ein 37-jähriger Flughafen-Arbeiter den Gerichtssaal als freier Mann. Der ihm vorgeworfene versuchte Totschlag war ihm angesichts widersprüchlicher Angaben seines Opfers und Ex-Schwagers (22) sowie dessen Ehefrau (28) nicht nachzuweisen.

Angeblich Richtung Kopf und Hals gestochen

Laut der von Staatsanwältin Nina Wittig vertretenen Anklage war es in den frühen Morgenstunden des ersten Weihnachtsfeiertags 2018 in der Küche der Wohnung des 22-jährigen Verkäufers zunächst zu einer verbalen und dann handgreiflichen Auseinandersetzung mit dem Flughafen-Arbeiter gekommen, die die 28-jährige Ehefrau des Verkäufers schlichten wollte. Der 37-Jährige soll sich laut ursprünglicher Anklage ein Messer aus einem Küchenschränkchen geschnappt, damit in Richtung des Kopfes und des Halses seines Kontrahenten gestochen und ihm einen acht Zentimeter langen Schnitt am rechten Handgelenk sowie eine zwei Zentimeter lange und 1,5 Zentimeter tiefe Stichverletzung am rechten Unterkiefer zugefügt haben. Auch ein Blutgefäß soll durchtrennt worden sein. Bis zur späteren ärztlichen Versorgung habe der 22-Jährige einen Liter Blut verloren, die Stichverletzung sei potenziell lebensgefährlich gewesen. Dazu habe der Flughafen-Arbeiter seinen Ex-Schwager mehrmals beschimpft. Der 37-Jährige habe bei seiner Attacke den Tod des 22-Jährigen zumindest billigend in Kauf genommen, so die Anklage, die von versuchtem Totschlag und gefährlicher Körperverletzung ausging.

Angeklagter beteuert Unschuld

Während der 37-Jährige vor der Schwurgerichtskammer seine Unschuld beteuerte, verstrickte sich der 22-Jährige in Widersprüche. Eigentlich, so meinte er, habe er mit dem Ex-Schwager keine Probleme gehabt, allerdings sei dieser seit seiner Scheidung „seltsam“ gewesen. In jener Nacht sei es wegen einer Banalität zum Streit und dann zu einer Rangelei gekommen, in die sich auch seine Frau eingemischt habe. Der Flughafen-Arbeiter habe ihn zunächst am Hals gepackt und die Gurgel zugedrückt, sich dann das Messer geschnappt. Wo und wie er ihm die Verletzungen zugefügt habe, könne er nicht mehr sagen, allerdings war er sich andererseits sicher, dass sie nicht in dem Gerangel mit seiner Frau entstanden seien. Er habe den 37-Jährigen dann – auch mit einem Messer bewaffnet – noch auf die Straße verfolgt und erst bei seiner Rückkehr in die Wohnung gemerkt, dass er stark blute.

Noch mehr Fragen warf die Einlassung seiner Ehefrau auf. Sie machte zwar vor Gericht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, erklärte sich aber mit der Verlesung ihrer polizeilichen Aussage einverstanden. Darin hatte sie unter anderem angegeben, dass beide Männer Messer in der Hand gehabt hätten, als sie in die Küche gekommen sei. Als sie sich eingemischt und versucht habe, ihrem Mann das Messer abzunehmen, könne es durchaus zur Schnittverletzung an seiner Hand gekommen sein.

Einvernehmliche Anträge auf Freispruch

Für Richter Markus Kring war nach dieser Aussage der Zeitpunkt gekommen, den Prozess vorzeitig mit der Zustimmung aller Beteiligten zu beenden. Für die Staatsanwältin und die Verteidiger stand fest, dass angesichts der verschiedenen Versionen und der widersprüchlichen Aussagen des 22-Jährigen ein Tatnachweis nicht zu führen sei. Die Schwurgerichtskammer folgte den einvernehmlichen Anträgen auf Freispruch und billigte dem 37-Jährigen für die fast zehnmonatige Untersuchungshaft eine finanzielle Entschädigung zu. Walter Schöttl

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