die fünf Mitglieder der Band Wurff aus Freising
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Bei der legendären Band Wurff war Roman Schreiber (l.) als Keyboarder mit dabei. Unser Foto aus den 80er-Jahren zeigt (weiter v. l.): Dr. Alwin Renoth, Jim Hubai, Tom Leonhard und Günter Janovsky.

Lange schwere Krankheit

Er wurde nur 59 Jahre alt: Mitglied aus Freisinger Kultband gestorben

Die Band Wurff war in den 80er Jahren Kult und hatte sogar einen Radiohit. Jetzt ist eines ihrer tragenden Mitglieder gestorben - mit nur 59 Jahren.

Freising – Der Freisinger Rock-Musiker und Schriftsteller Roman Schreiber (59) ist tot. Er starb nach längerer schwerer Krankheit im Freisinger Klinikum. Roman Schreiber war in den 1980er Jahren Schüler am Camerloher-Gymnasium und wohnte geraume Zeit im „Pense“, einem Wohnheim der Schule, aus der einige Talente der Freisinger Musikszene hervorgingen.

Ersten lokalen Ruhm erlangte der Keyboarder Roman Schreiber mit einer Band namens „Anabasis“, die eine Reihe von Konzerten in Studentenkneipen und Clubs der Region gab. Dabei ist der versierte, extrovertierte und experimentelle Stil Schreibers auch den Mitgliedern der damaligen Kultband Wurff aufgefallen.

Wurff schwamm auf der Neuen Deutschen Welle mit

Wurff, eine Formation aus Freisinger und Moosburger Musikern, wiederum war im Zuge der Neuen Deutschen Welle auf dem besten Weg die Musikszene aufzumischen. Mit „Mon General“ hatte man einen Radio-Hit gelandet. Es sollten unzählige Live-Auftritte an der Seite von Insider-Größen und Rock-Ikonen wie Embryo folgen. Unter anderem trat Wurff bei einem legendärem Rosenmontagskonzert in „Live aus dem Alabama“ in München auf.

Mittendrin bei Wurff, von 1984 bis 1987 nämlich, war auch Roman Schreiber, der den Sound der Band mit seinem Keyboard maßgeblich prägte. Auch später, nach 1987, nachdem sich die Band aufgelöst hatte, nahm Roman Schreiber noch an Revival-Konzerten und Auftritten von Wurff teil. Günter Janovsky Ex-Frontmann der Stones-Tribute-Band „Jumpin‘ Jacks“ und Ex-Präsident des Jazzclubs Hirsch in Moosburg, erinnert sich: „Ich kenne Roman seit 1983. Er spielte Keys bei Anabasis und später bei Wurff. Seither waren wir komplizierte Freunde, ich habe einiges mit Roman erlebt.“

Roman Schreiber schrieb auch Theaterstücke

„Ein Leben wie ein Name“, findet Janovsky, der damit auf die literarischen Ambitionen von Roman Schreiber respektive auf seinen autobiographischen Roman „Woodys Dope“ (ISBN: 978-3-8442-5255-2) anspielt, den dieser 2007 geschrieben und im Selbstverlag herausgegeben hat.

Ein Stück für Schreibmaschine, Stimme, Sax und Kontrabass: Autor Roman Schreiber (l.) und Stephan Lanius traten im Münchner Theater am Sozialamt auf.

Bemerkenswert im literarischen Schaffen von Roman Schreiber ist zweifelsohne auch sein Mitwirken bei einem Asylart-Projekt am Theater am Sozialamt in München im Jahr 2015. Der Titel des Schreiber-Stücks das am „TamS“ uraufgeführt wurde und eine kleine Tournee durch Oberbayern nach sich zog, lautete: „Hast du kurz Zeit“ – ein Stück für Schreibmaschine, Stimme, Sax und Kontrabass. Initiator und Leiter des Projekts war der Münchner Musiker und Bassist des St. Oel-Trios, Stephan Lanius.

Schreiber hinterlässt drei Kinder

Im Infotext zu „Hast du kurz Zeit“, verfasst von Stephan Lanius, heißt es: „Roman Schreiber kämpft als Mensch am Rande der Gesellschaft mit Mittellosigkeit, Gleichgültigkeit und Verständnislosigkeit. Seine Erfahrungen schreibt er sich an der Schreibmaschine von der Seele. Ohne aufzugeben, sucht er nach der Menschlichkeit, die unserer Gesellschaft zu oft verloren geht.“

Abseits seines kreativen Schaffens lebte der Musiker und Schriftsteller Roman Schreiber bis zuletzt als „Künstler ohne Strom“ am Stengerbach in Lerchenfeld. Er hinterlässt eine Mutter, eine Halbschwester, drei Kinder und eine ganze Reihe Fans, Leser sowie Wegbegleiter und Freunde.

Alexander Fischer

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