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Rund 50 000 Sandsäcke wurden benötigt, um den Damm zwischen Oberhummel und Moosburg zu stabilisieren. Uwe Kleber-Lerchbaumer vom Wasserwirtschaftsamt sagte damals: „Eigentlich dürfte es den Damm gar nicht mehr geben.“

Millionen fließen in die Dämme

Pfingsthochwasser 1999 im Kreis Freising: Die Lehren aus der Beinahe-Katastrophe

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20 Jahre ist das Pfingsthochwasser her. Die Behörden haben Lehren aus der Beinahe-Katastrophe im Kreis Freising gezogen - und Millionen in die Deiche investiert.

Landkreis– Es war das Wunder von Moosburg. Überall sickerte schon das Wasser auf der Strecke zwischen Oberhummel und Moosburg durch den Isardamm. Der einzige Schutz zwischen der „Reißenden“ und der Wohnbebauung stand kurz vor dem Bruch. Selbst der Fachmann, Uwe Kleber-Lerchbaumer vom Wasserwirtschaftsamt, schaute angesichts der drückenden Wassermassen ungläubig auf den notdürftig mit Sandsäcken verstärkten Wall. „Eigentlich dürfte es den Damm gar nicht mehr geben.“ 

Ganz Deutschland fieberte mit Moosburg

Ganz Deutschland fieberte mit Moosburg – zumindest diejenigen, die im noch jungen Internet-Zeitalter auf Spiegel online blickten. Denn dort stand der Bericht über den Deich fast einen ganzen Tag lang an oberster Stelle – mit stündlichen Updates und glimpflichem Ausgang: Das Bauwerk, an dem jahrzehntelang nichts mehr gemacht worden war, hielt.

Die Isar macht sich breit: Die Karte zeigt, wie stark die „Reißende“ im Landkreis Freising an Pfingsten 1999 über die Ufer getreten ist.

Deiche auf Stand der Technik gebracht

20 Jahre ist das Pfingsthochwasser nun her. Viel Zeit für das Wasserwirtschaftsamt, Maßnahmen anzukurbeln, um eine weitere Zitterpartie zu verhindern. Zeit, die genutzt wurde. Bei einem ähnlichen Szenario wie 1999 sollte der Isardamm im Landkreis Freising halten – ganz ohne Wunder. „Wir haben den Schutzgrad der Deiche auf den Stand der Technik gebracht“, berichtet Stephan Kirner vom Fachbereich Wasserbau und Gewässerentwicklung im Wasserwirtschaftsamt. Rund 40 Millionen Euro sind dafür geflossen.

Mit viel Ausdauer und eisernen Kräften transportierten etliche Zivilpersonen zahlreiche Sandsäcke in Schubkarren durch das Wasser zu den bedrohten Deichen.

An zahlreichen Stellen wurde der Deich saniert, um damit Verbesserungen zu erzielen. „Wir haben die Innendichtungen verstärkt, indem wir Spundwände eingezogen haben“, berichtet Kirner. Zudem sind Deichrückverlegungen geplant – etwa in Freising, Hallbergmoos und Niederhummel. „So schaffen wir größere Retentionsflächen.“ Es dürften allerdings noch ein paar Jahre ins Land ziehen, bis es wirklich losgeht. „Denn diese Verfahren werden immer komplizierter.“

Rund um die Uhr waren Einsatzkräfte von 24 Feuerwehren im Einsatz – und verhinderten damit den unvermeidlich erscheinenden Dammbruch in Moosburg.

In Planung sind auch Maßnahmen für die Amper. Dort wurden seit dem Hochwasser nur Reparaturen durchgeführt – etwa in Moos, Palzing und Schnotting, erklärt Kirner. „Das bedeutet, dass wir Schäden behoben haben, die durch das Hochwasser entstanden sind, aber dabei der Schutzgrad nicht erhöht wurde.“ Warum nicht? Weil es sich hierbei um sogenannte Sommerdeiche handelt, wie der Fachmann ausführt. 

Die „Reißende“: Auf 3,84 Meter stieg die Isar. Auch unter der Brücke in Volkmannsdorf wälzten sich Wassermassen hindurch.

Liniendeich bei Fahrenzhausen geplant

Im Gegensatz zur Isar liegt hinter den Amper-Wällen nur Ackerland, das auch als Rückhalteraum dient. Die weiter entfernt liegenden Siedlungsflächen seien nur indirekt gefährdet – hauptsächlich durch steigendes Grundwasser. „Basisstudien haben ergeben, dass das Risiko hier deutlich niedriger liegt als andernorts“, betont Kirner. Auf der Dringlichkeitsliste des Wasserwirtschaftsamtes befindet sich die Amper im Landkreis daher nicht im oberen Bereich.

Wasser marsch: Knöcheltief im Wasser standen die Feuerwehrkräfte bei ihrem Einsatz während des Pfingsthochwassers im Jahr 1999.

Immerhin: Bei Fahrenzhausen soll ein Liniendeich entstehen, der um gefährdete Bereiche herum gebaut wird. Auch dieses Projekt befindet sich in der Planung.

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Beim aktuellen Isar-Pegel werden Erinnerungen an das Pfingsthochwasser wach, das sich derzeit exakt zum 20. Mal jährt. Zeitzeugen erinnern sich. 

In der Region um München und Freising hat sich Dramatisches abgespielt: Ein massives Aufgebot an Rettern hat die Isar nördlich von München nach einer vermissten Person abgesucht.

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