+
10.000 Euro versprach ein 46-Jähriger einem Trinkkumpan, wenn der seine Ex-Frau umbringen würde.

Trinkkumpan sollte Ex-Frau umbringen

„Totschlagen wie einen Hund“: Mordauftrag am Freisinger Bahnhof

Der Hass war offensichtlich grenzenlos. Und so bot ein 46-Jähriger vergangenen November einem Trinkkumpan am Freisinger Bahnhof 10 000 Euro, wenn dieser seine Ex-Frau „totschlage wie einen Hund“.

Freising – Am Dienstag wurde der Freisinger, der die Vorwürfe vor dem Landgericht bis zuletzt bestritten und von seiner großen Liebe zu Frau und Kind gesprochen hatte, von der ersten Strafkammer zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Zudem wurde die Unterbringung des alkoholabhängigen Mannes in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Versuchte Anstiftung zum Mord lautete der Schuldspruch.

Zwar sei der Belastungszeuge „sicher kein Traumzeuge, wie wir sie gerne haben“, sagte Vorsitzender Richter Markus Kring in der Urteilsbegründung. Aber er habe das Kerngeschehen über fünf Vernehmungen konstant geschildert. Der von Staatsanwältin Nina Wittig vertretenen Anklage zufolge war es dem Angeklagten, der zuletzt als Reinigungskraft tätig war, darauf angekommen, bei seinem Bekannten den Tatentschluss zu wecken, seine Ex-Frau um der Entlohnung willen und damit aus Habgier zu töten.

Der Angeklagte wollte wissen, wie er an eine Waffe kommen könne

Der 46-Jährige hatte den Mann am Nachmittag des 29. November am Bahnhof von einer Gruppe Trinkender fortgezogen, um mit ihm ein vertrauliches Gespräch führen zu können. Zunächst wollte der Angeklagte von seinem Bekannten wissen, wie er an eine Waffe kommen könne. Als dieser erklärte, dafür der falsche Ansprechpartner zu sein, stellte ihm der Angeklagte 10 000 Euro in Aussicht, wenn er seine Ex-Frau umbringen würde. Als der Mann das Angebot ablehnte, sagte der Freisinger zu ihm: Wenn er sich das Geld nicht verdienen wolle, suche er sich eben „ein paar Schwarze“. Der Mann, der das Angebot entsetzt abgelehnt hatte, vertraute sich nach anfänglichem Zögern einem Polizisten an.

Wittig hatte den Sachverhalt nach der Beweisaufnahme als erwiesen angesehen und eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten gefordert. Verteidiger Thomas Fauth hingegen hatte auf einen Freispruch plädiert. Es stehe Aussage gegen Aussage. Beide Männer seien hochgradig alkoholisiert gewesen. Dies heiße nicht, so Fauth, dass der Zeuge per se nicht glaubwürdig sei, aber seine Angaben seien doch mit Vorsicht zu genießen. Es könne sich allenfalls um ein Missverständnis handeln, zumal der Angeklagte nur kroatisch spreche, und der Zeuge ein Deutsch-Pole sei. Für den Fall, dass die Kammer doch zu dem Ergebnis einer versuchten Anstiftung kommen sollte, beantragte Fauth hilfsweise eine Freiheitsstrafe „nicht höher als drei Jahre“.

Der Angeklagte hatte seine Frau schon zuvor mit dem Tod bedroht

Zumindest in diesem Punkt war die Kammer dem Antrag des Verteidigers gefolgt. Allerdings war sie am Ende davon überzeugt, „dass die Worte so gefallen sind“. Kring wies darauf hin, dass alle Zeugen vor Gericht einen starken Leidensdruck bei dem Angeklagten bekundet hätten, seine Ex beute ihn finanziell aus und verwehre ihm den Umgang mit dem gemeinsamen Sohn. „Das ist ein plausibles Motiv.“ Zudem habe der Angeklagte bereits in der Vergangenheit seine Ex mit dem Tod bedroht, wie diese vor Gericht bestätigt habe. Für eine Körperverletzung zulasten der Frau sei er auch bereits verurteilt worden, teilte Kring mit. Was den Tatbestand betreffe, so sei dieser erfüllt, auch wenn konkrete Modalitäten nicht abgesprochen worden seien. Durch die Aussage „totschlagen wie einen Hund“ sei die Tat ausreichend konkretisiert worden.

Dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Hubert Näger folgend, war die Kammer nicht von einer eingeschränkten Schuldfähigkeit ausgegangen. Der Angeklagte sei massiv trinkgewohnt. Gleichwohl habe es sich bei der Tat nicht um eine gezielte Anstiftung gehandelt, sondern um eine „spontane, alkoholbedingte Entgleisung“. Nachdem laut Näger ein Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum vorliegt und damit die Gefahr weiterer Straftaten, ordnete die Kammer dem Antrag Wittigs folgend die Unterbringung an. 

ak

Lesen Sie auch: Abstand halten am Tisch des Herrn:Erste Kommunion in Corona-Zeiten rückt näher. Vermisst: 20-Jähriger aus Neufahrn verschwindet an der Hackerbrücke - er muss dringend gefunden werden. Mit über 180 Sachen: 15-Jähriger mit Papas Opel auf der Flucht vor der Polizei.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auf frischer Tat ertappt: Zwei Drogendealer in Freising festgenommen
Drogenfahndern sind in Freising zwei Dealer ins Netz gegangen. Der 35-Jährige und seine Komplizin waren schon länger im Visier der Ermittler.
Auf frischer Tat ertappt: Zwei Drogendealer in Freising festgenommen
„Populistischer Zungenschlag“: SPD kritisiert Kritiker der Event-Arena
Die lautstarken Stimmen zur möglichen Event-Arena am Flughafen München werden immer lauter. Jetzt nimmt die SPD die Kritiker des Projekts ins Visier.
„Populistischer Zungenschlag“: SPD kritisiert Kritiker der Event-Arena
Taxler macht Pause: Soldat will mit Taxi abhauen und geht dann auf Fahrer los
Während ein Taxler Pause machte, wollte ein 19-jähriger Soldat mit seinem Taxi abhauen. Als der Fahrer das verhindern wollte, wurde der Autodieb handgreiflich.
Taxler macht Pause: Soldat will mit Taxi abhauen und geht dann auf Fahrer los
Jung und Alt unterwegs mit den Auer Markt-Strawanzan
Hochsaison bei den Gästeführungen in Au während der Sommerferien: Die Markt-Strawanza bieten Erwachsenen und auch Kindern spannende Erlebnisse vor Ort.
Jung und Alt unterwegs mit den Auer Markt-Strawanzan

Kommentare