Teile der Freisinger Innenstadt (hier die Fabrikstraße) versanken beim Jahrhunderthochwasser in Bayern in den Fluten der kleinen Stadtmoosach
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2013 in Freising: Teile der Innenstadt (hier die Fabrikstraße) versanken beim Jahrhunderthochwasser in Bayern in den Fluten der kleinen Stadtmoosach, die sich in kürzester Zeit in einen Strom verwandelt hatte. Menschen kamen damals nicht zu Schaden.

Nach Unwetterkatastrophe in Westdeutschland

„Die Kraft niemals unterschätzen“: Experte erklärt, was bei Hochwasser dringend zu beachten ist

  • Magdalena Höcherl
    VonMagdalena Höcherl
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Immer wieder kommt es zu schweren Starkregenfällen, die Keller volllaufen lassen. Freisings Kreisbrandrat erklärt, worauf es in solchen Situationen ankommt.

Landkreis – Mehr als 100 Tote, zahlreiche Vermisste, ganze Ortschaften, die den Wassermassen zum Opfer gefallen sind: Das Ausmaß der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist dramatisch – und in seiner Gänze noch immer nicht abzuschätzen. Wie schnell Starkregen schwere Überschwemmungen auslösen kann, wurde erst vor wenigen Tagen im Nachbarlandkreis Landshut deutlich.

Unwetter in Deutschland: Kreisbrandrat erklärt, worauf es bei Wasser im Keller ankommt

Und auch in Freising ist man vor derlei Ereignissen nicht gefeit: Unvergessen sind etwa das Pfingsthochwasser 1999, die Jahrhundertflut 2013 oder der Starkregen 2018, der die Hallertau unter Wasser setzte. Umso wichtiger, dass man weiß, was im Falle eines Falles zu tun ist. Kreisbrandrat Manfred Danner erklärt, worauf es bei Wasser im Keller ankommt – und warum Geduld dringend geboten ist.

Herr Danner, was mache ich, wenn ich merke, dass der Keller vollläuft?

Das Wichtigste ist, dass man nicht kopflos handelt. Wird Wasser im Keller bemerkt, ist der erste Impuls oft nachzuschauen, was da vor sich geht. Das ist prinzipiell auch nicht falsch.

Überschwemmungen im Keller: „Das Wichtigste ist, dass man nicht kopflos handelt“

Das klingt nach einem „Aber“.

Richtig. Natürlich kann man mal die Treppe runtergehen, um sich ein grobes Bild von der Lage zu machen. Aber wenn das Wasser schon mehrere Zentimeter hoch ist, sollte man auf keinen Fall hineinwaten. Man darf die Kraft des Wassers niemals unterschätzen. Das geschieht leider sehr oft.

Überschwemmungen in Deutschland: Experte im Interview - „Menschen ertrinken oft in ihren Kellern“

Was genau ist das Gefährliche daran?

Wenn ein Keller vollläuft, geschieht das in der Regel recht zügig. Parallel dazu steigt der Wasserdruck. Wenn dann durch diesen Druck von außen auf Türen und Fenster zum Beispiel noch die Scheibe eines Schachts platzt, ist der Raum ruckzuck voller Wasser. Man unterschätzt, dass der Pegel so schnell steigt. Und dann lassen sich auch Türen nicht mehr öffnen, da der Wasserdruck viel zu groß ist. Daher ertrinken tragischerweise oft Menschen in ihren Kellern.

2021 in Erftstadt: In Nordrhein-Westfalen haben die Regenfälle nicht nur Keller geflutet, sondern ganze Häuser zum Einsturz gebracht. Zahlreiche Menschen gelten als vermisst. Die Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands ist eine der größten der Nachkriegszeit.

Aber nicht nur das Wasser selbst ist bedrohlich.

Der nächste Punkt ist die Elektrizität. In einem voll gelaufenen Untergeschoß geht von Stromleitungen große Gefahr aus. Dort unten sind meist die Zählerschränke, und wenn der Pegel steigt und Leitungen, Schalter oder Steckdosen erreicht, kann es leicht sein, dass auf einmal die ganze Wasseroberfläche unter Strom steht. Daher hat man jetzt in den Überschwemmungsgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auch flächendeckend den Strom abgeschaltet.

Heftige Unwetter in Bayern: Überschwemmung im Keller - „Wenn Wasser drin ist, ist es eh schon zu spät“

Was also raten Sie im Falle eines voll gelaufenen Kellers?

Machen Sie sich ein Bild von der Situation, aber nur so weit, dass Sie sich nicht selbst in Gefahr bringen. Viele wollen dann eben noch schnell in den Keller, um Erinnerungsstücke zu retten oder Ähnliches. Aber – so drastisch es klingt – wenn Wasser drin ist, ist es eh schon zu spät. Möbel, Kartons oder was auch immer man dort unten lagert, sind ohnehin kaputt. Umso wichtiger ist es, Geduld zu haben und die Einsatzkräfte ihre Arbeit machen zu lassen.

Freisings Kreisbrandrat Manfred Danner.

Das klingt, als würden Sie bei Einsätzen mitunter auf Unverständnis stoßen?

Das ist leider immer mal wieder der Fall. Es gibt Leute, die meinen, das Wasser muss so schnell wieder raus, wie es reingekommen ist. Dabei geht das oft nicht so einfach. Denn wenn es sich um eine Hochwasserlage mit sehr hohem Grundwasser handelt, muss das erst wieder zurückgehen, bevor Keller ausgepumpt werden können. Ansonsten können durch den Druck von außen Schäden am Gebäude entstehen. Natürlich helfen wir gern, das ist auch unsere Aufgabe. Aber es ist wichtig, die Verhältnismäßigkeit zu wahren: Wenn das Wasser drei Zentimeter hoch steht, und man mit dem Putzlumpen dagegen ankommt, muss nicht die Feuerwehr alarmiert werden. Denn das wiederum ist nicht unsere Aufgabe.

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