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Experte gibt Tipps

Nachfragen hilft gegen Stammtischparolen: So geht man richtig mit Populisten um

Jeder hat wohl schon Erfahrung mit Stammtischparolen gemacht. Um richtig zu kontern, gibt Experte Christian Boeser-Schnebel während der Ehrenamtswoche in Freising Tipps.

Freising – „Die da oben machen eh was sie wollen.“ „In zehn Jahren trägst du auch Kopftuch.“ „Impfungen sind ein Werkzeug des Teufels:“ Jeder hat wohl schon einmal Erfahrung mit Stammtischparolen gemacht. Wie man solche am besten pariert, erfuhren Interessierte am Dienstag im Rahmen der Aktionswoche Ehrenamt in Freising.

Vortrag: „Streitet euch!“

Ebenso wie verallgemeinernde und häufig sehr fragwürdige Aussagen begegnet einem im Alltag häufig Populismus – nicht nur im Fernsehen bei Donald Trump, sondern auch im Kleinen. Doch trotzdem weiß man häufig nicht, wie mit populistischen Äußerungen oder sinnfreien Stammtischparolen umzugehen ist, wenn man damit konfrontiert wird. Christian Boeser-Schnebel, Leiter des Netzwerks Politische Bildung Bayern, hat sich mit dieser Thematik genauer befasst. „Streitet euch! Demokratischer Umgang mit Populismus und Stammtischparolen“ war das Motto, unter dem Boeser-Schnebel einen Vortrag im Haus der Vereine hielt.

„Wir alle haben einen kleinen Populisten in uns“

Christian Boeser-Schnebelnutzt Fragen statt Argumente.

Bevor man sich damit auseinandersetzen kann, wie man mit einem Populisten umgeht oder was man auf provokante Parolen antwortet, bedürfe es einem genauen Verständnis, was diese Begriffe ausmacht. Populismus erkennt man laut dem Referenten daran, dass Kritik an Eliten geübt werde – und daran, dass die Person behaupte, „für das Volk“ zu sprechen. Die Merkmale von Stammtischparolen erklärte Boeser-Schnebel als „platte Sprüche, aggressive Rechthaberei, kategorisches Entweder-Oder sowie eine dezidierte Selbstgerechtigkeit“. Außerdem dürfe man nicht zu schnell urteilen: „Wir alle haben einen kleinen Populisten in uns. Nur weil man sich mal populistisch äußert, ist man noch längst kein Populist.“

Nachfragen hilft

Doch wie geht man damit um, wenn der Kumpel nach dem dritten Bier in der Kneipe mit Sätzen wie „Im Islam sind doch sowieso alle Terroristen“ kommt? Der Fehler in solchen Situationen sei meist, dass man sich sofort zu reflexartigen Reaktionen hinreißen lasse, erklärte Boeser-Schnebel. Man gebe scharfe Antworten, die dem gegenüber signalisieren, dass man die getroffene Äußerung so gar nicht in Ordnung findet. Dann ende die Kommunikation entweder im Streit oder man gehe der Situation – und dem Gegenüber – aus dem Weg. Der Tipp des Politikexperten: einfach nachfragen. Denn eine gute Frage sei oft das bessere Argument. Auf die Frage: „Sind wirklich alle Muslime Terroristen?“ bekomme man dann erfahrungsgemäß bereits eine andere Antwort – etwa: „Nein, natürlich nicht alle. Aber ich finde, im Islam gibt es ein Gewaltproblem.“ Schon habe man aus einer pauschalisierenden und abwertenden Stammtischparole eine solide Basis für eine gesunde Diskussion geschaffen.

Unangenehme Situation wird zu demokratischer Kommunikation

Anhand zahlreicher Beispiele brachte der Referent den Anwesenden näher, wie man aus einer unangenehmen Situation eine demokratische Kommunikation machen könne. Es sei vor allem wichtig, durch gesunde Diskussionen Vorurteile aufzubrechen und Ängste zu hinterfragen. Demokratie lebe schließlich von Meinungsaustausch. Pascale Fuchs

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