1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Freising

Neubaugebiet „Neustifter Feld“ erhitzt Freisinger Gemüter - Scharfe Kritik bei Infoveranstaltung

Erstellt:

Von: Andreas Beschorner

Kommentare

Architekt Johannes Petzl und Stadtbaumeisterin Barbara Schelle vor den Bürgerinnen und Bürgern, die zur Infoveranstaltung zum Neustifter Feld gekommen sind
Begeisterungsstürme waren nicht zu erwarten, als Architekt Johannes Petzl und Stadtbaumeisterin Barbara Schelle die Bürgerinnen und Bürger über das Bauvorhaben informierten. Manches wurde mit höhnischem Gelächter quittiert.  © Lehmann

In der Infoveranstaltung zum Neubaugebiet „Neustifter Feld“ wurde deutlich, dass viele Freisinger das Projekt äußerst kritisch betrachten - obwohl der Umfang bereits reduziert wurde.

Freising – Vor einem Jahr eine Infotafel und die Veröffentlichung auf der Stadt-Homepage, im Juli 2021 der öffentlich gefasste Aufstellungsbeschluss, im Oktober eine dicke Info-Broschüre, im November der Gestaltungsbeirat, dann die frühzeitige Bürgerbeteiligung und am Freitag nun eine Informations- und Dialogveranstaltung. Immer ging es um ein Thema: das Neubaugebiet „Neustifter Feld“. Und immer noch ist manch eine Volksseele aufgebracht. Sehr aufgebracht.

Höhnisches Gelächter aus dem Publikum

Bevor – wohl am 27. Juli – der Planungsausschuss der Stadt den Billigungs- und Auslegungsbeschluss für den Bebauungsplan „Neustifter Feld“ fassen soll, hatte man die Bürger in die Luitpoldhalle geladen, um von den zuständigen Verwaltungsmitarbeitern und Planern zu hören, was Stand der Dinge ist. Dabei waren alle Fragen und Stellungnahmen, die von Bürgerseite her in den vergangenen Monaten eingegangen waren, gesichtet und zu Themenblöcken zusammengefasst worden. Und außerdem wurden auch noch die fünf Forderungen, die die Anwohner-Initiative formuliert hatte, besprochen und beantwortet.

Stadtbaumeisterin Barbara Schelle erläuterte, dass die 140 geplanten Wohnungen Platz für 300 Menschen böten.
Stadtbaumeisterin Barbara Schelle erläuterte, dass die 140 geplanten Wohnungen Platz für 300 Menschen böten. © Lehmann

Dass die Stimmung unter den rund 100 Bürgern gereizt war, spürte Theresa Bartl vom Stadtplanungsamt nach wenigen Minuten: Ihre Aussage, das rund 21 000 Quadratmeter große Areal sei im Flächennutzungsplan für Wohnbebauung vorgesehen und auch wegen der guten Infrastruktur und Straßenerschließung „gut geeignet“, rief höhnisches Gelächter im Saal hervor. Stadtbaumeistern Barbara Schelle erläuterte, dass in die 140 geplanten Wohnungen rund 300 Menschen ziehen dürften und im Nordwesten ein Kindergarten errichtet werde, den man in Neustift aber auch ohne dieses Neubaugebiet benötigen würde.

Vier statt fünf Geschoße, kein „Turm“

Dann war es an Planer und Architekt Johannes Petzl, zunächst zu betonen: „Neue Wohnungen müssen her!“ Petzl erklärte, wo man im Lauf des Planungsprozesses die Bebauung verringert habe: Aus fünfgeschoßigen Gebäuden seien viergeschoßige geworden, an den Rändern des Geländes lediglich drei- beziehungsweise zweigeschoßig, auf den siebengeschoßigen „Turm“, wie ihn der Gestaltungsbeirat angeregt hatte, habe man verzichtet, zudem den Geschoßwohnungsbau an der Heinbogenstraße in Reihenhäuser umgewandelt. Und was habe die Umgebung davon, so eine der vorformulierten Fragen? Auf Kosten des Projektträgers würden die Straßenräume der Hermann- und der Heinbogenstraße wesentlich aufgeweitet, zudem werde es eine öffentliche Durchwegung des Areals samt öffentlich nutzbarer Grünfläche geben.

Menschen begutachten das Modell zur Bebauung auf dem Neustifter Feld
Ein Modell zum Anfassen veranschaulichte die Pläne auf dem Neustifter Feld. © Lehmann

Wichtig für die Anwohner auch die Aussagen von Verkehrsgutachter Ralf Engelhardt: Man habe mit höheren Schätzungen gearbeitet, um auf der sicheren Seite zu sein, so Engelhardt, sei dann (inklusive Bring- und Holverkehr für den Kindergarten) auf 800 Fahrzeugbewegungen pro Tag gekommen. Fazit: „Das bleibt auch mit der Bebauung ein relativ ruhiges Gebiet.“ Und wieder höhnisches Gelächter.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.)

Die fünf Forderungen der Anwohnerinitiative nach einer Bebauung mit einer maximalen Geschoßflächenzahl (GFZ) von 0,65 ordneten Schelle und Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher ein: Die derzeit vorgesehene GFZ von 1,0 sei „verträglich“, weil es sie im Umfeld auch schon gebe, zudem sei es schwierig, die Dichte der Bebauung an einer Zahl festzumachen: Würde der Grund, den der Bauträger für die Straßenerweiterung abtritt, mit eingerechnet, und zähle die Fläche für den öffentlichen Spielplatz auch dazu, dann sähe die GFZ ganz anders aus.

Verbale Attacken gegen den OB

In der sich an die zweistündigen Ausführungen anschließenden Fishbowl-Diskussion fiel vor allem ein Anwohner auf: Er habe beruflich schon viele Bauprojekte weltweit, auch „ganz Großes“, gesehen, aber so etwas Schlechtes wie hier noch nie. Dass die ersten Vorplanungen überhaupt das Licht der Öffentlichkeit erblickt hätten, sei „ganz, ganz schlimm“, griff er den OB an, der damit die Leute „provoziert“ und aufgebracht habe. Eschenbacher solle sich gefälligst bei der Bürgerinitiative entschuldigen, die deshalb hunderte Stunden aufbringen hätte müssen, um alles wieder „auf ein normales Maß“ zurückzufahren. Hätten Stadt und Planer nicht abgespeckt, „hätte ich euch mit meinem Rechtsanwalt zehn Jahre lang vor mir hergetrieben“. Und: Er werde 2026 Eschenbacher nicht mehr wählen.

Der sagte, er sehe hier einen Prozess und damit habe man selbstverständlich nicht provozieren wollen. Eine Frage, die er beantworten solle, habe er nicht gehört.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Freising finden Sie auf Merkur.de/Freising.

Auch interessant

Kommentare