Jutta Ederer (l.), die Filialleiterin von Bücher Pustet in Freising, freut sich, dass sie am Montag wieder aufsperren darf.
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Jutta Ederer (l.), die Filialleiterin von Bücher Pustet in Freising, freut sich, dass sie am Montag wieder aufsperren darf.

„Könne nicht auf Staatskosten dahinvegetieren“

„Wollen doch arbeiten“: Neue Corona-Regeln sorgen für Enttäuschung in der Gastro und Freude im Einzelhandel

  • Magdalena Höcherl
    vonMagdalena Höcherl
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Die neuen Corona-Regelungen sorgen für Freude im Freisinger Einzel- und Buchhandel. Doch für die Gastronomie sind sie eine Enttäuschung.

Landkreis – „Wahnsinnig enttäuscht“ ist Anna Elisabeth Hofmeier, Freisings DEHOGA-Kreisvorsitzende. „Wir haben gewünscht und gehofft, dass für Gastronomie und Hotellerie ein stufenweises Öffnungskonzept mit konkreten Angaben veröffentlicht wird.“ Stattdessen ist die jüngste Ministerpräsidentenkonferenz zu den Corona-Maßnahmen in ihren Augen sehr ernüchternd ausgefallen.„Nach insgesamt über einem halben Jahr Schließung ist unsere Lage mehr als angespannt – nicht nur finanziell. Der Lockdown schlägt auch aufs Gemüt.“

Die Gastronomie

Für das Gastgewerbe gibt es nur ein einziges Datum: Frühestens ab dem 22. März darf die Außengastronomie öffnen – wenn die Inzidenz stimmt. Ist der Wert unter 50, greift das gängige Hygienekonzept mit Maske, Abstand und Desinfektion. Befindet sich der Wert zwischen 50 und 100, sind Terminvereinbarungen und – bei mehr als einem Hausstand – Schnell- beziehungsweise Selbsttests verpflichtend.

Dieser Ansatz sei zwar ein Lichtschimmer am Horizont, aber lange nicht befriedigend, findet Hofmeier vom gleichnamigen Hotel und Landgasthof in Neufahrn. „Das ist viel zu schwammig, und natürlich müsste auch das Wetter mitspielen.“ Die Gastronomie wieder zu öffnen, brauche mindestens 14 Tage Vorlaufzeit und dann längerfristig gesicherte Verhältnisse. Das hätten die Wirte auch mit ihrem stillen Protest am Montag (wir berichteten) deutlich gemacht. „Wir müssen das Personal organisieren, die Lebensmittel bestellen, die Räumlichkeiten herrichten. Das geht nicht von heute auf morgen.“

Wir können doch nicht noch Wochen und Monate auf Staatskosten dahinvegetieren.

Anna Elisabeth Hofmeier, DEHOGA Freising

Eines ist Hofmeier wichtig zu betonen: „Wir gehen nicht leichtfertig mit der Gesundheit unserer Gäste oder unserer Mitarbeiter um, im Gegenteil.“ Die Hygienekonzepte hätten sich bereits im Sommer bewährt. Außerdem: „Der frühe Lockdown für die Gastronomie hat überhaupt nicht zur Verringerung des Infektionsgeschehen beigetragen. Die Zahlen sind danach erst in die Höhe geschnellt“, betont die DEHOGA-Kreisvorsitzende.

Möglicherweise, weil sich die Leute daraufhin statt im Lokal vermehrt privat getroffen haben. „Ich finde es schade, dass nach wie vor auf der Gastro so rumgehackt wird. Wir waren die ersten, die schließen mussten, und sind vermutlich die letzten, die wieder richtig aufmachen dürfen.“ Hofmeier sagt: „Wir können doch nicht noch Wochen und Monate auf Staatskosten dahinvegetieren. Wir wollen doch arbeiten.“

Der Einzelhandel

In Landkreisen mit einem 7-Tage-Inzidenzwert unter 50 darf der Einzelhandel ab kommendem Montag wieder öffnen. Erlaubt ist dann ein Kunde pro 20 Quadratmeter. Bei einem Wert zwischen 50 und 100 ist „Termin-Shopping“ angesagt, sprich: Der Kunde muss vor dem Gang in den Laden eine Uhrzeit für seinen Besuch vereinbaren. Mit Blick auf die seit Tagen wieder steigende Inzidenzzahl (Donnerstag: 86,7) schließt Julia Bönig, Geschäftsführerin der Aktiven City Freising das „normale“ Einkaufen vorerst aus. Doch die Einzelhändler würden sich bereits bestens auf das terminierte Einkaufen vorbereiten. „Nach meinem Rundruf bei unseren Mitgliedern bin ich begeistert“, sagt Bönig im FT-Gespräch. „Alle haben gesagt, dass sie sich sehr freuen, überhaupt wieder öffnen zu dürfen.“

Viele Geschäfte bereiten sich vor

Daher würde unter anderem bei Haushaltswaren Grimm, im Spielwarenladen Hölzlkramer oder im Modehaus Billmayer mit Hochdruck an einem Konzept gearbeitet. „Es gilt, auf wichtige Fragen so schnell wie möglich eine Antwort zu finden“, erklärt Bönig. „Wie buche ich einen Termin? Wie lange kann der gehen? Und: Was muss der Einzelhändler nach jedem Kundentermin beachten?“ Eins sei in jedem Fall klar: „Die inhabergeführten Einzelhändler in Freising tun alles, um ihre Kunden glücklich zu machen.“

Julia Bönig, die Geschäftsführerin der Aktiven City Freising, prüft gerade, wie man im Einzelhandel das „Einkaufen per Termin“ umsetzen kann

Der Buchhandel

„Wir freuen uns sehr, dass wir nicht mehr länger für uns im halbdunklen Laden herumwurschteln“, sagt Jutta Ederer, Leiterin der Freisinger Bücher-Pustet-Filiale. Unabhängig vom Inzidenzwert dürfen ab kommenden Montag Buchhandlungen wieder öffnen – natürlich mit entsprechendem Hygienekonzept. „Neu ist, dass der Zutritt nur mit FFP2-Maske gestattet ist“, sagt Ederer. Zudem werde im Geschäft an der Oberen Hauptstraße genau auf die Maximalanzahl der Kunden geachtet. „Diese Regelung werden wir aber sicher nicht ausreizen“, betont die Filialleiterin. „Denn die Gesundheit unserer Kunden und unserer Mitarbeiter liegt mir sehr am Herzen.“

„Leute sind froh, dass ein Teil Normalität zurückkehrt“

Trotz Öffnung würden die Mitarbeiter vorerst weiterhin in Kurzarbeit bleiben. „Dafür ist die Umsatzentwicklung noch zu wenig absehbar“, sagt Ederer und erinnert an die Baustelle vor der Ladentür und die Tatsache, dass der Großteil der Freisinger Einzelhändler noch nicht wieder normal öffnen darf. Außerdem glaubt Ederer, dass viele Kunden aufgrund der zunehmenden Zahl an Mutationen ohnehin vorsichtig seien. „Ich rechne nicht mit einem Riesenansturm, aber ich glaube, dass die Leute froh sind, dass zumindest ein Teil Normalität zurückkehrt.“

Sie waren mit die ersten, die in den beiden Lockdowns schließen mussten und werden wohl die letzten sein, die wieder öffnen dürfen: Fitness-Studios. Ein Freisinger Studio verfolgt trotz allem eine besondere Philosophie.

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